Jeffrey Epstein.

Dieses Foto von Jeffrey Epstein hat das US-Justizministerium jetzt veröffentlicht. Foto: Uncredited/U.S. Department of Justice/AP/dpa

Zwei Hamburger Schwestern entgingen Epsteins Missbrauchs-Masche

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Der Epstein-Skandal bewegt die USA: Mehr als 1200 Mädchen und Frauen wurden Opfer bei dem über Jahrzehnte betriebenen Missbrauchsring. Jetzt stellt sich heraus: Auch zwei Hamburgerinnen wären dem Sex-Täter beinahe in die Hände gefallen. Gerettet hat sie ihr Weitblick.

Bei den beiden Beinahe-Opfern handelt es sich um zwei Schwestern aus Hamburg, die heute 35 und 38 Jahre alt sind und ihre Namen nicht öffentlich machen wollen. Wie der „Spiegel“ berichtet, der sich mit den beiden Frauen getroffen hat, hatten die Schwestern im Sommer 2006 Jeffrey Epstein (†66) kennengelernt.

Schwestern aus Hamburg besuchten Jeffrey Epstein in New York

Die ältere der beiden hatte damals gerade ihr Abi gemacht, die jüngere ging noch zur Schule. Beide hatten einen Ferien-Job in einem Tenniscamp in den berühmten Hamptons, eine exklusive Urlaubsdestination am östlichen Ende von Long Island.


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Bei einem Ausflug nach New York wurden die Mädchen in einem Café in Manhattan von einer unbekannten Frau angesprochen, die ihren tollen „europäischen Look“ lobte, so berichteten sie es dem Nachrichtenmagazin. Die Frau habe ihnen einen Model-Job angeboten und ihnen eine Visitenkarte überreicht, auf der nur ein Name und eine Telefonnummer stand: die von Jeffrey Epstein.

Geschmeichelt und ahnungslos riefen die Mädchen bei Epstein an, der sie in sein nur wenige Schritte vom Central Park und der noblen Fifth Avenue entferntes Townhouse einlud, heißt es in dem Bericht. Genau in diesem Haus, das weiß man inzwischen, hat Epstein über Jahre hinweg Mädchen und junge Frauen missbraucht.

Epstein-Skandal: Der Sexualstraftäter forderte sie in seinem Büro zum Catwalk auf

Schon beim Betreten des Hauses kam den beiden Schwestern etwas seltsam vor, berichten sie heute, 20 Jahre später. „Beim Reinkommen kam uns über die große Treppe ein Mädchen entgegen, es wirkte etwas verstört“, so die ältere Schwester gegenüber dem „Spiegel“. In einem Büro habe Epstein, damals 53 Jahre alt, den Mädchen dann zwei Stunden von seinen beruflichen Erfolgen und seinem gesellschaftlichen Einfluss berichtet. Er stellte ihnen in Aussicht, für das Unterwäscheunternehmen Victoria’s Secret modeln zu können und forderte sie auf, über einen fiktiven Laufsteg in seinem Büro zu flanieren.

Zwar mussten sie sich nicht ausziehen, wurden aber gebeten, Fotos zu machen und ihm zu schicken. Ein paar Tage später lud Epstein die ältere Schwester zu einer Fashion-Show nach Südamerika ein. Es war diese Einladung, welche die junge Frau stutzig machte. Denn: Sie hatte zuvor schon gemodelt. Ein paar selbst geschossene Fotos reichen nicht für den Auftritt in einer Glamour-Show dieser Art. Das wusste sie. „So läuft es eigentlich nicht“, so die heute 38-Jährige im „Spiegel“.

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Gleichzeitig fanden die Eltern der beiden Schwestern heraus, dass es einen ersten Verdacht gegen Epstein gab und Ermittlungen wegen sexueller Vergehen aufgenommen worden waren. Die junge Frau lehnte das Angebot ab – und entging so wahrscheinlich der Missbrauchsmaschinerie.

Bis heute sind die Hamburgerinnen froh darüber. Ihnen ist klar, „dass es auch ganz anders hätte ausgehen können“, sagt die jüngere Schwester. Ihre E-Mails und die Fotos sind Teil des Datensatzes, den das US-Justizministerium seit dem 19. Dezember Stück für Stück freigibt. (mp)

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