Zoff um den Schanzenlärm: „Wenn das so weitergeht, bin ich bald pleite!“

Mukhtar Zohab (32), Inhaber von „Omas-Apotheke“.
Besorgt um künftige Umsatzeinbußen: Mukhtar Zohab (32), Inhaber von „Omas Apotheke“.

Vergangenes Wochenende kontrollierten rund 20 Einsatzkräfte der Polizei, des Zolls, des Bezirksamts und der Lebensmittelbehörde mehrere Läden in der Schanze. Anhaltende Lärmbelästigungen strapazierten die Nerven der Anwohner. Hängt der Haussegen in der Schanze schief? Die MOPO hörte sich bei Ladenbetreibern, Behörden und Anwohnern um – und erhielt Antworten.

Das Schanzenviertel hat sich gemacht, aber das nicht ohne Preis: Gentrifizierung und Studenten-Charme brachten neben „coolen Kids“ und Touristen auch immer mehr Lautstärke in die Gassen – über denen Anwohner nach Einbruch der Dunkelheit versuchen, in Ruhe zu schlafen. Gastronomen sind dazu verpflichtet, ihre Außengastronomie eine Stunde vor Mitternacht zu schließen, sonst droht ein Bußgeld.

„Ich bin in der Schanze groß geworden, das gehört dazu“

„Wer auf die Schanze zieht, weiß, worauf er sich einlässt“, sagt uns Matthias (Name geändert). Der 39-Jährige wohnte während seines Studiums Anfang der 2010er bereits im Quartier. Mit Frau und Kind merkt er allerdings, dass er die langen Nächte vor der Haustür nicht mehr so gut tolerieren kann wie früher: „Wir wohnen hier zur Zwischenmiete, aber wollen jetzt in eine ruhigere Gegend.“ Von der Susannenstraße geht es jetzt nach Rissen.

Gastro Schanze
Das Schanzenviertel ohne Außengastronomie? Undenkbar. Einige Anwohner wollen trotzdem ihre Ruhe.

Auch Martin (39) versteht nicht, wie man in die Schanze ziehen und sich dann über die Lautstärke beschweren kann: „Ich bin in der Schanze groß geworden, das gehört dazu. Früher sei es durch Kriminalität und Drogenhandel viel schlimmer gewesen.

Ladenbetreiber fürchten Umsatzeinbuße

Auch bei Ladenbetreibern herrscht Unmut über das harte Durchgreifen der Behörden. Mukhtar Zohab (32) betreibt das Kultlokal „Omas Apotheke“ und wurde von der Polizei vergangenen Samstag ermahnt, da auch nach 23 Uhr noch Tische vor dem Lokal aufgestellt und gut besucht waren. „Wenn wir unter der Woche draußen nur bis 23 Uhr aufhaben, fehlen uns am Tag 1500 Euro Umsatz, dann sind wir bald pleite.“

Der Betreiber eines Kiosks nebenan beschwert sich ebenfalls: „Wir zahlen 3000 Euro Miete. Das konnten wir in letzter Zeit nicht verdienen. Mein Chef muss den Laden bald dichtmachen.“

Kollektivstrafen für einzelne Störenfriede?

Doch es gibt auch Gegenstimmen. Eine Angestellte eines nahegelegenen Lokals versteht den Missmut mancher Schanzenbewohner. „Ich verstehe, wenn sich Anwohner beschweren, da vorne an der Ecke haben die Läden teilweise noch um halb Drei Betrieb. Die nehmen für den höheren Umsatz auch die Strafen wegen Ruhestörung hin.“

Gemeint ist damit die Ecke Bartels- und Susannenstraße, an der das „Lokmam Köz“ und das „GoldFischGlas“ ihre Gäste mit Speisen und Getränken versorgen. Während der Lärmpegel dort stärker sei, wären es die Kontrollen nicht. Die Behörden würden sich auf die gesamte Schanze stürzen, ohne zu differenzieren, wo es wirklich laut ist.

Lärmbelästigung – auf der Schanze ein Sommerproblem

Die Polizei Hamburg sieht das anders: „Beschwerde-Schwerpunkte liegen dem PK 16 nicht vor, sondern verteilen sich vielmehr in der beschriebenen Anzahl über das ,Feier-Viertel‘“, schreibt sie auf Anfrage der MOPO. Die Ruhestörung sei ferner insbesondere ein Sommerproblem. Im Winter tendiere das Beschwerdeaufkommen „nahezu gegen Null“.

Das könnte Sie auch interessieren: Aufregung in der Schanze: Anwohner genervt vom Lärm – Polizei schreitet ein

Das Bezirksamt Altona arbeitet an einer Verbesserung der Situation – ohne sich auf eine Seite zu stellen: „Es gibt vielfältige Interessengruppen und das Bezirksamt ist um einen Interessenausgleich bemüht.“