Zoff am UKE: Klinik baut Taxistand ab – Fahrer und Patienten sind sauer

Taxifahrer am alten Taxistand des UKE
Sie sind sauer: Diese Taxifahrer haben ihren Stand vor dem Haupteingang des UKE verloren. 3.v.r: Rafiulah Qadery

Patienten, die aus dem Krankenhaus entlassen wurden, hatten es früher nicht weit: Nur ein paar Schritte waren es vom Haupteingang des UKE bis zum nächsten Taxistand. Dort warteten schon die Autos, man brauchte nur einzusteigen. Seit ein paar Wochen ist das vorbei: Die Uniklinik hat den Stand abgebaut. Sowohl Patienten als auch die Taxifahrer sind sauer.

Patienten starten Petition für Rückkehr des Taxistandes

Sie kommen regelmäßig zur Dialyse, Chemotherapie, Bestrahlung oder Transplantationsnachsorge: Mehr als 100 Patienten haben eine Petition an das UKE unterschrieben, in der sie die Wiederherstellung des seit 1. August abgebauten Taxistandes am Haupteingang der Klinik fordern.

Taxistand am UKE verlegt: Patienten und Fahrer sind sauer

„Diese Behandlungen führen oft zu großer körperlicher Erschöpfung“, heißt es in dem Schreiben an das Liegenschaftsmanagement. Besonders für Ältere, aber auch für schwer kranke Kinder bedeute „jeder zusätzliche Weg oder jede Wartezeit eine enorme Belastung“.

Neuer Standort 300 Meter entfernt – für viele kaum machbar

Schwierig für die Patienten: Der neue Taxistand liegt 300 Meter weiter die Martinistraße runter. Direkt vor dem Eingang des alten UKE-Hauptgebäudes mit der Hausnummer 52. Aus Sicht der Verfasser geht es hier nicht um „eine Frage der Bequemlichkeit, sondern der Fürsorge, Sicherheit und Würde der Patientinnen und Patienten“, so der Wortlaut des Briefes.

Der alte Taxistand vor dem Haupteingang des UKE wurde verlegt.
Der alte Taxistand vor dem Haupteingang des UKE wurde verlegt.

Auch die Taxifahrer sind sauer. „Ich stehe seit 15 Jahren täglich vor dem UKE“, erzählt Rafiulah Qadery. 80 bis 90 Prozent seiner Fahrgäste seien älter oder mit eingeschränkter Gehfähigkeit. Für diese Menschen sei der neue Stand nicht zu erreichen. Fazit: Seit Qadery an dem neuen Stand wartet, kommt so gut wie niemand mehr.

Fahrer klagen über Einnahmeverlust

Er und seine Kollegen haben ebenfalls einen Brief an das Liegenschaftsmanagement geschrieben, in dem sie auf die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Maßnahme hinweisen. „Viele Kolleginnen und Kollegen, die über Jahrzehnte ausschließlich am UKE im Einsatz waren, haben dadurch einen wesentlichen Teil ihrer Existenzgrundlage verloren und stehen nun teilweise vor einer ungewissen beruflichen Zukunft.“

Klinik verweist auf Entlastung des Verkehrs auf Gelände

Das UKE erklärte in einer Stellungnahme an die MOPO, die Verlagerung des Taxistandes sei erfolgt, „um den Verkehr auf dem UKE-Gelände nachhaltig zu entlasten und zu einer sicheren und reibungslosen Durchfahrt insbesondere für Krankentransporte, Mitarbeitende und Besucher:innen beizutragen“.

Zuvor sei es immer wieder zu Engpässen gekommen. Es sei nach wie vor möglich für Taxen, auf das Klinikgelände zu fahren, um immobile Patienten direkt vor Ort abzuholen oder zu bringen. Allerdings erfolgten diese Transporte eben nicht mehr über einen festen Taxistand, sondern nach „individuellem Fahrgastwunsch“. Heißt: per Bestellung über die Taxizentrale.

Streichung des Taxistandes trifft Fahrer und Patienten hart

Rafiulah Qadery ist sauer: „Das sind theoretische Vorschläge, die aber weder für die Patienten noch für uns funktionieren.“ So sei es für die Patienten viel einfacher, wie bisher direkt in ein wartendes Taxi zu steigen, als erst bei der Zentrale anzurufen, die oft gar nicht zu erreichen sei – besonders, wenn das Wetter schlecht ist, gerade eine Messe oder Großveranstaltung stattfindet oder einfach Berufsverkehr herrscht.

Ein Schild weist auf den neuen Taxistand an der Martinistraße hin.
Ein Schild weist auf den neuen Taxistand an der Martinistraße hin.

Was die Taxifahrer betrifft, erklärt Qadery: „Wir sind alle Einzelunternehmer und gar nicht mit der Taxizentrale verbunden.“ Seit vielen Jahren seien sie die Stammfahrer des UKE gewesen und mit dem Pförtner über einen Pieper vernetzt. Fahrten seien direkt mit den Krankenkassen abgerechnet worden. Kunden zahlten nur den Eigenanteil. „Gerade für Patienten, die wir zum Beispiel bis nach Flensburg bringen, ist das wichtig. Sie müssen dann jetzt direkt bezahlen. Das sind viele hundert Euro.“

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Diskussion geht weiter: UKE zeigt Gesprächsbereitschaft

Nun sind sowohl der Pieper weg als auch der Taxistand mit den wartenden Fahrzeugen. Qadery warnt, dass auch die Kosten für das Gesundheitssystem ohne die Vereinbarung mit den Krankenkassen steigen werden. „Wir hatten einen Sondertarif. Den haben andere Taxis nicht.“

Das UKE beschwichtigt und deutet an, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist: „Uns ist bewusst, dass es zu dieser Entscheidung unterschiedliche Rückmeldungen gibt, die wir im Dialog mit allen Beteiligten konstruktiv begleiten“, so eine Sprecherin zur MOPO.