„Zitterpartie“: Galeria zum dritten Mal pleite – was das für Hamburg bedeutet
Über Wochen zeichnete es sich ab, jetzt steht es fest: Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof hat Insolvenz angemeldet – schon wieder! Auch in Hamburg müssen Beschäftigte nun erneut zittern. Wie wird es mit Hamburgs Filialen nun weitergehen?
Ein bitterer Tag für die Angestellten: Die deutsche Warenhauskette hat beim Amtsgericht in Essen einen Insolvenzantrag gestellt, teilte der Konzern am Dienstag mit. Das Gericht hat den Hamburger Anwalt Stefan Denkhaus als vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt.
Hamburg: Erneute „Zitterpartie” für Beschäftigte
„Die Insolvenz von Galeria Kaufhof ist für die Beschäftigten in Hamburg erneut eine Zitterpartie“, sagt Heike Lattenkamp von der Gewerkschaft Verdi. „Die erneute Unsicherheit über die Zukunft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist nicht nur belastend für sie selbst, sondern wirft auch ein beunruhigendes Licht auf die Herausforderungen, denen der Einzelhandel in dieser Zeit gegenübersteht.“ Die Gewerkschaft fordert den Insolvenzverwalter auf, Arbeitsplätze zu sichern.
Für die Beschäftigten ist das schon die dritte Insolvenz in nicht einmal vier Jahren. Zuletzt sollte der Konzern saniert werden – das ging mit Schließungen und massivem Stellenabbau einher. In Hamburg machten seit 2020 in Harburg, Bergedorf, Wandsbek und in der Innenstadt insgesamt vier Kaufhäuser dicht. Nun könnten auch die verbliebenen drei Filialen an der Mönckebergstraße in der City, an der Osterstraße in Eimsbüttel und im Alstertal-Einkaufszentrum in Poppenbüttel von Stellenabbau oder gar Schließung betroffen sein.
Signa und Galeria: Insolvenz ein „Befreiungsschlag”
Schuldig in den Augen der Geschäftsführung: die wankende Signa-Gruppe um René Benko, zu der Galeria gehört und dessen undurchsichtiges Firmengeflecht derzeit mit einer Insolvenz nach der nächsten zusammenbricht. Eigentlich hätten 200 Millionen Euro in die Sanierung der Warenhauskette fließen sollen – die ersten 50 Millionen davon im Februar. Ob die Finanzspritze nun noch kommt, ist zu bezweifeln. Auch exorbitant hohe Mietzahlungen von Galeria an Signa sollen dem Unternehmen finanziell zugesetzt haben. In Hamburg gehört etwa das Karstadt-Gebäude an der Mönckebergstraße, das von Galeria gemietet wird, zu Signa.
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„Die Insolvenzen der Signa-Gruppe schädigen Galeria massiv, behindern das laufende Geschäft und schränken durch hohe Mieten und teure Dienstleistungen die künftige Entwicklungsmöglichkeit stark ein“, heißt es in der Mitteilung. Galeria-Chef Olivier Van den Bossche nannte das Verfahren sogar einen „Befreiungsschlag“. Das Ziel: Die Warenhauskette erhalten und einen Käufer finden. Gespräche mit potenziellen Investoren seien angelaufen.
Karstadt in Hamburg: Es kommt auch auf die Miete an
Bleiben die Hamburger Filialen dann erhalten? Galeria äußerte sich auf MOPO-Nachfrage zunächst nicht zu konkreten Filialen. Insolvenzverwalter Denkhaus appellierte jedoch an die Beschäftigten insgesamt, „dem Unternehmen die Treue zu halten”. Die Bundesagentur für Arbeit hat erklärt, bis März Insolvenzgelder zu zahlen. Der Betrieb soll vorerst weitergehen.
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Ob Standorte geschlossen werden müssen, hängt Galeria-Chef Bossche zufolge maßgeblich daran, wie die Mietverhandlungen laufen. Die hätten noch nicht begonnen. Danach müsse man Konsequenzen ziehen. Und wenn die Immobilieneigentümerin und Vermieterin Signa selbst insolvent ist? „Da werden wir dann eben mit dem Kollegen, der da eingesetzt ist, die Verhandlungen führen müssen”, so Denkhaus. „Das sind aber genau solche Verhandlungen, wie man sie mit einem nicht insolventen Vermieter führt.”
Und was ist mit dem anderen großen Shopping-Tempel in der City, dem Alsterhaus am Jungfernstieg, das früher mal zum Karstadt-Konzern gehört hat? Auch das Luxus-Kaufhaus ist vom Signa-Beben betroffen, schließlich gehört es mit 49 Prozent zur insolventen Signa Prime. Da 51 Prozent allerdings zur thailändische Central Group gehören, erklärte die KaDeWe-Group bislang, dass es keine negativen Auswirkungen für das Alsterhaus geben werde.