Wut, Angst, Hoffnung: Was Hamburgs Iraner wirklich über die Angriffe Israels denken

Shipa Taghdiri
Iranerin Shipa Taghdiri lebt in Hamburg – zum Angriff Israels auf den Iran hat sie eine klare Haltung.

In keiner anderen Stadt in Deutschland leben so viele Iraner wie in Hamburg. Der israelische Angriff am 13. Juni hat die Community aufgewühlt: Für manche ist er ein längst überfälliger Schlag gegen ein brutales Regime. Andere verurteilen ihn aus Sorge um die Bevölkerung. Einige schweigen – aus Angst, ins Visier der Handlanger des iranischen Regimes zu geraten. Die MOPO hat mit Iranerinnen und Iranern aus Hamburg gesprochen: über ihre Wut, ihre Ängste und ihre Hoffnungen.

„Es musste so passieren!”

Yasmin (21): „Meine Eltern sind Iraner, ich bin in Deutschland geboren, hier studiere ich Politikwissenschaften und Wirtschaft. Wir machen uns große Sorgen um unsere Verwandtschaft. Ich wünsche mir einfach nur, dass auf das Ende des Angriffs etwas Positives folgt. Die Vernichtung von Menschen und die Zerstörung des Landes tun mir natürlich sehr weh. Den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu halte ich für einen Massenmörder.

Doch jeder Verlust birgt auch die Chance auf einen Gewinn. Es musste schlicht so passieren. Das iranische Regime versteht nichts von Diplomatie, man kann es nur mit seinen eigenen Waffen schlagen: Härte gegen Härte. Meine Vermutung aber ist: Israel und die USA verfolgen nur ihre eigenen Interessen. Die Iraner sind ihnen in Wirklichkeit herzlich egal.“

„Mit Terroristen kann man nicht verhandeln”

Sahid (30): „Meinen Nachnamen möchte ich nicht verraten: Ich habe Angst vor den Spionen des Mullah-Regimes. Im Iran habe ich Literatur studiert, seit acht Jahren lebe ich in Deutschland. Der Angriff Israels ist das Ergebnis jahrzehntelanger Provokation: Ständig drohte der Iran mit der Auslöschung Israels.

Ich freue mich über jeden toten iranischen General. Verhandlungen mit dem Mullah-Regime lehne ich grundsätzlich ab – mit Terroristen kann man nicht verhandeln. Die Mullah-Ideologie funktioniert nur mit Hass und Weltfeindlichkeit. Ich hoffe, dass Israel das iranische Regime stürzt. Die Iraner sind dazu nicht in der Lage: Das Regime ist zu brutal, die Opposition zu zerstritten. Ein Regimesturz ist für die ganze Welt besser.“

„Ich habe Angst, dass es zu einem neuen Abkommen kommt”

Shipa Taghdiri (41): „Ich fühle alles gleichzeitig, doch die Wut überwiegt im Moment. Den Angriff unterstütze ich nicht, trotzdem stehe ich nicht auf der Seite des Regimes. Die Politik hat versagt, keiner hat auf die Menschen im Iran gehört. Und jetzt habe ich große Angst, dass es zu einem neuen Abkommen kommt. Wenn das passiert, wäre alles Blut ganz umsonst gewesen. Und dann wird sich das Regime mit Sicherheit an der Bevölkerung rächen.

Meine Wut gegenüber dem Westen ist groß: Niemandem geht es wirklich um die Iraner. Die wirtschaftliche Isolation des Iran wäre die einzige Lösung. Der Iran ist so für die ganze Welt eine Gefahr. Ein Sturz des Regimes ist nur von innen möglich, doch aus Angst traut sich im Land gerade keiner mehr auf die Straße.“

Shipa Taghdiri
Shipa Taghdiri ist wütend, es hätte alles anders kommen können.

„Überall trägt die Bevölkerung den Preis des Krieges, nicht die Machthaber”

Pedram Emami (56): „Ich positioniere mich gegen das iranische Regime. Vor 41 Jahren zog ich aus dem Iran nach Deutschland. Hier arbeite ich als Neurochirurg und bin Präsident der Ärztekammer Hamburg. Den Sinn des Krieges verstehe ich nicht: Überall trägt die Bevölkerung den Preis des Krieges, nicht die Machthaber. In erster Linie ist das Regime grausam zu den eigenen Leuten.

Ich wünsche mir, dass zumindest die Genfer Konventionen eingehalten werden. Beim Krieg geht es fast immer um Eigeninteresse, im Iran eine Demokratie zu installieren interessiert keinen. Von außen kann dem Iran kein neues System aufgezwungen werden. Es ist vermessen, von außen zu bestimmen, was gut für den Iran ist – erst recht, wenn man das Leid der letzten Jahre nicht erlebt hat.“

Pedram Emami
Pedram Emami glaubt: Von außen kann keiner dem Iran ein neues System aufoktroyieren.

„Ich glaube, dass der Krieg in den nächsten Wochen endet”

Amir Keyany (66): „In Hamburg arbeite ich als Hausarzt. Seit 1979 lebe ich hier. Ich freue mich, dass Israel iranische Militärs eliminiert, habe aber auch große Angst um meine Familie. Eine militärische Konfrontation war vorhersehbar und unumgänglich. Doch mit diesem Ausmaß habe ich nicht gerechnet.

Der Westen hat jahrelang falsch gehandelt: Es war klar, dass der Iran Atombomben baut. Unter dem Mullah-Regime wird es keinen Frieden geben. Der Westen hätte viel früher intervenieren müssen, das Problem wurde ewig verschoben. Israel hat das iranische Regime geschwächt. Die Mullahs haben keine Basis mehr in der Bevölkerung. Wenn es am schwächsten ist, müssen die Iraner es von innen stürzen. Der Iran ist bereit für eine freiheitliche Regierung.“

Amir Keyany
Amir Keyany glaubt: Der Westen hätte schon viel früher intervenieren müssen.

„Die Scheiß-Mullahs müssen alle sterben”

Behnush Nayibi (41): „Mit fünf Jahren kam ich nach Deutschland. Ich arbeite im Event- und Konzertmanagement. Der israelische Angriff auf den Iran prägt meinen Alltag. Ständig bin ich am Handy, verfolge das Geschehen. Vor dem Angriff habe ich Netanjahu immer als den schlimmsten Barbaren gesehen. Nun bin ich hin- und hergerissen.

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Wir sind das einzige Volk, das sich nicht über eine Waffenruhe freut. Denn dann nimmt sich das Regime die Menschen im Land vor – Freunde und Verwandte. Meine Emotionen gleichen einem Sturm. Die Scheiß-Mullahs müssen alle sterben. Ich bin davon überzeugt, dass Israel die einzige Kraft ist, die etwas tun kann. Dass die Mullahs endlich Widerstand erleben, sehen, dass sie gar nicht so stark sind, freut mich. Wenn das Regime irgendwann weg ist, wird alles besser. Hoffentlich.“

Behnush Nayibi
Behnush Nayibi ist davon überzeugt, dass Israel die einzige Kraft ist, die etwas gegen die Mullahs tun kann.