„Wollen sorgenfrei duschen“: Der Hilferuf aus der Legionellen-Straße

Die Vonovia-Mieter in Dulsberg haben seit Monaten eine zu hohe Legionellen-Konzentration im Wasser.
Die Vonovia-Mieter in Dulsberg haben seit Monaten eine zu hohe Legionellen-Konzentration im Wasser.

„All I Want For Christmas Is Sanierung“, „Mein Weihnachtswunsch: Vonovia saniert!“, „Wir wollen endlich sorgenfrei duschen!“: Wer in den Tarnowitzer Weg oder den angrenzenden Kattowitzer Weg in Dulsberg einbiegt, kann die etlichen weißen Plakate nicht übersehen, die die Mieter aus ihren Fenstern und von ihren Balkonen gehängt haben. Vor Monaten wurden sie über eine zu hohe Legionellen-Konzentration in ihrem Wasser informiert – nicht das erste Mal, dass die Bakterien dort auftauchten. Vonovia spricht auf MOPO-Nachfrage jetzt von „sehr guten Nachrichten“ – die Freude können die Mieter allerdings nicht teilen.

Bereits im September berichtete die MOPO über die Situation der Bewohner im Kattowitzer Weg und Tarnowitzer Weg: Ende August hatte Vonovia dort per Aushang über den Legionellen-Befall informiert. Der damals zuletzt gemessene Wert betrage 15.900 Koloniebildende Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter Wasser, hieß es.

Legionellen in Dulsberg: Mieter wissen nicht mehr weiter

Zur Einordnung: Dieser Wert darf im Normallfall die 100 KBE pro 100 Milliliter nicht überschreiten. Gelangen die Bakterien zum Beispiel durch das Duschen in die Atemwege, kann das zu Husten, Fieber, Durchfall oder sogar schweren Lungenentzündungen führen.

„Es ist jetzt Ende Dezember und wir wissen immer noch nicht, wie es jetzt weitergeht“, sagt Mieterin Katharina Kunitzky. Sie selbst ist aufgrund einer Nierentransplantation besonders gefährdet. „Wir kriegen zwar immer mal wieder neue Duschfilter vor die Tür gelegt, aber meistens nicht alle vier Wochen wie vorgesehen und die richtigen Adapter fehlen auch.“ Sie duscht seit Monaten entweder kalt oder bei Freunden.

Im Tarnowitzer Weg hängen viele Plakate, die auf die Legionellen-Situation aufmerksam machen sollen.
Im Tarnowitzer Weg hängen viele Plakate, die auf die Legionellen-Situation aufmerksam machen sollen.

„Man steht einfach verloren da“, berichtet Nachbar Christoph Engelbach. „Ich dusche zwar inzwischen wieder warm, weil ich nicht in die Risikogruppe falle, aber es wohnen hier auch so viele Ältere, Schwangere oder Kranke, die das nicht so einfach können.“

Vonovia selbst sei weiterhin schlecht zu erreichen, die Hotline oft überlastet. „Viele Bewohner sprechen auch nicht so gut Deutsch und haben Angst, sich zu beschweren“, sagt er. Mit der Plakat-Aktion wollen sie den Druck auf den Vermieter jetzt weiter erhöhen. „Falls es hier eine Wohnungsbesichtigung gibt, sollten diejenigen immerhin wissen, worauf sie sich einlassen.“

Das sagt Vonovia zur Legionellen-Situation in Dulsberg

Auf MOPO-Nachfrage spricht Vonovia-Sprecherin Panagioata-Johanna Alexiou wiederum von guten Nachrichten: Die letzten Beprobungsergebnisse vom 12. Dezember seien sowohl im Tarnowitzer Weg als auch im Kattowitzer Weg unauffällig gewesen. „Wenn die nächsten beiden Beprobungen ebenfalls negativ ausfallen, können wir von einer unauffälligen Trinkwasseranlage ausgehen.“ Diese sollen im Februar 2025 und ein Jahr später im Februar 2026 stattfinden und seien vom Gesundheitsamt vorgeschrieben. Was das für die Mieter jetzt in ihrem Alltag bedeutet und ob sie weiterhin die Filter brauchen, bleibt allerdings unklar.

„Damit die Werte unauffällig bleiben, haben wir bereits einige Maßnahmen umgesetzt, beziehungsweise werden auch noch die restlichen Arbeiten durchführen. Kurz gesagt: Wir bleiben dran und die Arbeiten sind noch im vollen Gange“, sagt Alexiou. Unter anderem würden undichte Wasserleitungen repariert, Filtereinsätze erneuert und Warmwasserleitungen isoliert, zählt sie auf.

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Dass sich tatsächlich dauerhaft etwas ändert, bezweifeln die Dulsberger Mieter allerdings. Laut einer Anfrage der Hamburger Linken tauchten die Legionellen im Kattowitzer Weg seit 2020 bereits fünfmal auf, im Tarnowitzer Weg kehren die Bakterien sogar seit 2018 regelmäßig zurück. „Es ist wirklich ermüdend“, sagt Christoph Engelbach, der seit 2016 dort lebt.