Wohnungschaos nach Reparatur: Vonovia lässt schwerbehinderte Mieterin im Stich

Fühlt sich allein gelassen: Andrea Rieß (63) in ihrer Küche.
Fühlt sich allein gelassen: Andrea Rieß (63) in ihrer Küche.

Die Wohnung von Andrea Rieß in Hummelsbüttel ist klein. Sie hat 33 Quadratmeter und nur ein Zimmer. Seit mehr als einem Monat ist die Wohnung noch kleiner geworden, weil der Vermieter Vonovia der 63-Jährigen das Zimmer mit Möbeln vollgestellt hat. Grund waren Reparaturarbeiten in der Küche. Für Rieß gibt es keinen Platz mehr zum Leben. Sie fühlt sich alleingelassen.

Seit fünf Wochen kann Andrea Rieß nicht mehr kochen. Der Herd ist abgeknipst und steht mit dem Kühlschrank und weiteren Küchenmöbeln in dem einzigen Zimmer der Wohnung am Lentersweg, das kaum noch zu durchqueren ist. Auch ihr Bett kann die schwerbehinderte 63-Jährige kaum erreichen.

Handwerker hinterließen Chaos: Schwerbehinderte fühlt sich vom Vermieter Vonovia allein gelassen

Grund für diese Situation war der Austausch eines Fensters in der Küche am 4. September. Die Handwerker hatten die Möbel entfernen müssen, um die Arbeiten ausführen zu können. Noch am selben Tag sollte der Herd wieder angeschlossen werden, die Möbel zurückgeräumt. Eigentlich. Denn es geschah – nichts.

„Ich weiß nicht, wie oft ich bei Vonovia angerufen habe“, sagt Ute Klähn, eine langjährige Freundin von Andrea Rieß, die die Sache in die Hand genommen hat, weil die 63-Jährige selbst dazu nicht in der Lage ist. „Es ist alles schwer erträglich für sie und eine große Belastung.”

Andrea Rieß in ihrem vollgestellten einzigen Zimmer.
Andrea Rieß in ihrem vollgestellten einzigen Zimmer.

Inzwischen hat Klähn ihre Freundin sogar in ihrer Wohnung aufgenommen, obwohl sie selbst nur ein Zimmer hat und gerade einen Rippenbruch auskuriert. Die beiden Frauen teilen sich die engen Räumlichkeiten seit Wochen, was für beide eine zusätzliche Belastung darstellt. Sie wandten sich an den Mieterverein zu Hamburg.

Mieterverein setzte Vonovia mehrere Fristen – doch nichts geschah

Der setzte dem Unternehmen Vonovia mehrmals eine Frist zum Rückbau der Küche. Doch auch die letzte Frist am 1. Oktober verstrich, ohne dass etwas passierte.

„Bei einigen Vermietern hat sich die Gepflogenheit breitgemacht, anzunehmen, dass Mieter nach Arbeiten in ihrer Wohnung selbst aufräumen“, stellt Paul Mann, Rechtsanwalt beim Mieterverein, fest. Doch das widerspreche der Gesetzeslage. Und: „Gerade Menschen, die körperlich nicht dazu in der Lage sind, stehen dann da wie der Ochs vorm Berg.“

Im Fall von Andrea Rieß sieht der Rechtsanwalt den besonders eindeutigen Fall einer Pflichtverletzung, da für den Anschluss des Herdes ein Elektriker bestellt werden muss. Der Mieterverein, der zuletzt mehrere solcher Fälle hatte, sieht mehrere Handlungsmöglichkeiten: Zunächst sollte eine Frist gesetzt werden. Wenn das nicht hilft, habe man das Recht, die Miete zu kürzen. Wenn auch das nichts hilft, kann der Klageweg beschritten werden. Oder aber man beauftragt selbst den Handwerker und holt sich das Geld vom Vermieter zurück. Paul Mann: „Das kann allerdings zu einer unangenehmen Belastung des Mietverhältnisses führen. Dafür ist nicht jeder gemacht.“

Vonovia entschuldigt sich für die Verzögerungen – und verspricht eine Erstattung der Mietkosten

Im Fall von Andrea Rieß kam erst Bewegung in die Sache, als die MOPO sich der Sache annahm. Zwar reagierte das Unternehmen Vonovia, das immer wieder wegen unterschiedlichster Probleme in die Schlagzeilen gerät, tagelang nicht auf die Bitte um Stellungnahme in der Sache. Doch ganz plötzlich wurden Andrea Rieß am Dienstag die Handwerker vorbeigeschickt.

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Nur: Die räumten im Auftrag von Vonovia zwar die Möbel zurück in die Küche. Doch der Herd ist immer noch nicht angeschlossen. „Die Handwerker sagten uns, dass sie dafür keine Lizenz besäßen“, sagt Ute Klähn. Und: Die Arbeitsplatte passt wegen des neuen Fensters nicht mehr und muss neu angefertigt werden.

Die beiden Frauen, die sich schon gefreut hatten, dass endlich etwas passierte, sind verzweifelt. Denn einen Termin für die erneut notwendigen Arbeiten, haben sie nicht bekommen. Die Warterei geht in die nächste Runde.

Vonovia verspricht, dass die Küche spätestens nächste Woche wieder in Ordnung gebracht wird. „Leider kam es auf unserer Seite zu Verzögerungen, für die wir uns ausdrücklich entschuldigen. Für die entstandenen Einschränkungen erhält unsere Mieterin eine Mietminderung für den gesamten Zeitraum“, erklärte eine Sprecherin.

Die Wohnung von Andrea Rieß in Hummelsbüttel ist klein. Sie hat 33 Quadratmeter und nur ein Zimmer. Seit mehr als einem Monat ist die Wohnung noch kleiner geworden, weil der Vermieter Vonovia der 63-Jährigen das Zimmer mit Möbeln vollgestellt hat. Grund waren Reparaturarbeiten in der Küche. Für Rieß gibt es keinen Platz mehr zum Leben. Sie fühlt sich alleingelassen.