Wirtschaftskrimi um Bunker-Hotel-Betreiber: Firmen insolvent – was dahintersteckt
Führungskräfte, die von heute auf morgen die Seiten wechseln. Gegenseitige Strafanzeigen, der Versuch feindlicher Übernahmen, und ein Konkurrenzkampf zwischen ehemaligen Geschäftspartnern, der am Ende in einer ganzen Reihe von Insolvenzen mündet. Was sich da – ziemlich unbemerkt von der Öffentlichkeit – seit einem Jahr in Hamburg abspielt, ist ein echter Wirtschaftskrimi. Die Kontrahenten: zwei Betreiber von Nobelhotels, die sich einen rücksichtslosen Konkurrenzkampf liefern.
Einer der beiden Streithähne ist die Firma RIMC. Branchenfremden wird der Name nichts sagen. Bei diesem Hamburger Unternehmen, dessen Hauptsitz sich in der Heimhuder Straße (Eimsbüttel) befindet, handelt es sich um einen sogenannten „White-Label-Betreiber“. Das sind Firmen, die Hotels im Auftrag anderer verwalten. International ist RIMC eine ganz große Nummer. Die Firma rühmt sich, in 35 Jahren 200 Hotelprojekte erfolgreich umgesetzt zu haben. Das „Reverb by Hard Rock“, das sich in den oberen Etagen von Hamburgs Grünem Bunker an der Feldstraße befindet, gehört zu den Häusern, die von RIMC aktuell betrieben werden.
RIMC: Ein Hotel nach dem anderen rutscht in die Insolvenz
Doch seit geraumer Zeit läuft es überhaupt nicht rund im Unternehmen. Ganz im Gegenteil: Eine Pleite jagt die nächste: Erst trifft es 2024 die Betreiberfirmen dreier Nobelhotels im niederbayerischen Bad Griesbach – insolvent. Danach sind die Betreiberfirmen eines Hotels in Admont (Obersteiermark) und eines in Wien betroffen – ebenfalls insolvent. Neu ist: Ende Juni 2025 hat auch noch die Betreiberfirma eines Hauses in Graz Insolvenz anmelden müssen. In allen Fällen handelt es sich um Tochterunternehmen von RIMC.
Angeblich sind von rund 20 Hotels, die sich vor etwas mehr als einem Jahr im „Portfolio“ des Unternehmens befanden, nur noch acht übrig – Zahlen, die Marek N. Riegger, Chef des Unternehmens, allerdings auf Nachfrage unkommentiert lässt.
Was dahintersteckt, dass RIMC-Hotels umzufallen scheinen wie Domino-Steine? Was das für das Bunker-Hotel bedeutet? Und ob auch dort bald mit schlechten Nachrichten zu rechnen ist?
Der MOPO hat Riegger jetzt erzählt, was sich aus seiner Sicht seit Mitte vergangenen Jahres abgespielt hat: Demnach habe es einen tiefgreifenden Konflikt mit einem Mitgesellschafter gegeben. Das habe das Unternehmen „operativ und strukturell vor große Herausforderungen gestellt“.
„Konkurrent warb Mitarbeiter und wollte auch unsere Hotels übernehmen“
Heißt im Klartext: Fünf von acht Abteilungsleitern seien „völlig überraschend und zeitgleich“ zu einer vom Mitgesellschafter initiierten Konkurrenzfirma gewechselt. Deren Ziel sei es offensichtlich gewesen, Hotelbetriebe zu übernehmen. „Damit wäre eine erhebliche Schädigung der RIMC verbunden gewesen“, so Riegger. Nach MOPO-Informationen erstatteten im Anschluss beide Parteien gegenseitig Strafanzeige.
Die MOPO hat den einstigen Mitgesellschafter natürlich um eine Stellungnahme gebeten – er ließ aber wissen, es gebe eine Vereinbarung mit RIMC, über den Sachverhalt nicht öffentlich zu reden. Zumindest er werde sich daran halten.
Zurück zum RIMC-Chef. Der sagt, sein Unternehmen habe die Übernahmeversuche abwehren können. Gleichzeitig habe RIMC damit begonnen, sich von ausgewählten Hotelbetrieben „zu trennen“. Hotelstandorte in Wien, Bad Griesbach, Offenbach, Poznań, Admont, Graz und Cottbus seien „zurückgegeben“ worden. Angeblich ein „normaler Prozess“: Es gehöre zum Geschäftsmodell von RIMC, Hotels zu übernehmen und sich wieder von ihnen zu trennen, so Riegger. Insolvenzen seien nicht geplant gewesen, aber „leider notwendig“. Grund für die Insolvenz in Österreich seien gesetzliche Änderungen bei Corona-Zuschüssen, so RIMC.
Nach MOPO-Informationen stehen im Zusammenhang mit den Insolvenzen Forderungen in zweistelliger Millionenhöhe im Raum.
Eins zieht sich wie ein roter Faden durch die Insolvenzen des Herrn Riegger: Bevor es so weit ist, ändert er die Firmierung des betreffenden Tochterunternehmens: „RIMC“ verschwindet dann aus dem Namen und wird durch „HBG“ (für Hotelbetreibergesellschaft) ersetzt. Wir können nur vermuten, was das soll.
83-jähriger Italiener neuer Geschäftsführer: Ein Schelm, der Böses dabei denkt
Hellhörig macht jedenfalls, dass soeben erneut eine Umfirmierung stattgefunden hat: Mitte Mai wurde aus der RIMC-Tochterfirma RIMC International Hotels & Resorts GmbH die HBG International Hotels & Resorts GmbH. Und: Marek N. Riegger wurde als Geschäftsführer ersetzt durch einen 83-jährigen Italiener. Branchenkenner sagen augenzwinkernd: „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.“ Auf Fragen der MOPO zu diesem Sachverhalt geht Riegger nicht ein, sagt nur, der Italiener sei „ein erfahrener Hotelier“.
Und wie geht’s im Bunker-Hotel weiter, das im Juli 2024 eröffnet wurde? Nach anfänglichen „Herausforderungen“, so Riegger, entwickele sich der Standort „sehr positiv“. Dass mit Fabian Engels innerhalb eines Jahres schon der zweite General-Manager ausgeschieden sei, bedeute gar nichts. Engels sei nicht gefeuert worden, sondern habe den Bunker auf eigenen Wunsch verlassen. Aktuell leite Olga Kaufmann das Haus, eine Frau, die seit vielen Jahren für RIMC tätig sei und schon diverse Hotels geführt habe.
Unterdessen malt Marek N. Riegger die Zukunft seines Unternehmens in rosigen Farben: Der Gesellschafterkonflikt sei erfolgreich beigelegt, alle Geschäftsanteile wieder im Eigentum der Familie. „Die RIMC ist vollständig zurück in der Spur – mit einem klaren strategischen Kompass und dem Anspruch, nach mehr als 35 Jahren auch in Zukunft als verlässlicher Partner in der internationalen Hotellerie zu agieren.“