Wird Olympia zur Milliardenfalle? Ökonom warnt vor Preisexplosion
Soll Hamburg sich für die Olympischen Spiele bewerben oder nicht? Diese Frage spaltet die Hamburgerinnen und Hamburger seit Wochen. Bis zum Volksentscheid am 31. Mai ist es nicht mehr lange hin, und die Debatte wird immer hitziger. In einem aktuellen Interview warnt der Ökonom Alexander Budzier nun vor einer Preisexplosion: Die Olympischen Spiele könnten Hamburg mehr als 10 Milliarden Euro kosten.
In einer aktuellen Studie hat der Ökonom Alexander Budzier (University of Oxford) die Kosten aller Olympischen Spiele im Zeitraum von 1960 bis 2024 untersucht. Er kommt zu dem Schluss, dass die Kosten für Olympische Spiele seit Jahrzehnten das Budget übertreffen. In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ erklärt er, warum Olympia auch für Hamburg zur Kostenfalle werden kann.
Budzier: 10 Milliarden für Olympia sind realistischer
Hamburg plant mit Kosten von rund 4,8 Milliarden Euro – eine plausible Schätzung und vergleichbar mit den Kosten von Paris, so der Ökonom. Bei dieser Berechnung sei allerdings ein gravierender Kostenpunkt nicht beachtet: die öffentlichen Ausgaben für Infrastruktur und Begleitmaßnahmen. Gemeint sind damit Ausgaben für den „Bau oder Umbau von Stadien, die nötige Verkehrsinfrastruktur, das olympische Dorf, aber auch viele temporäre Maßnahmen wie Straßensperrungen oder Medienzentren“, so Budzier in dem Bericht. Diese Kosten werden vom IOC jedoch nicht übernommen und müssen vom Gastgeber selbst getragen werden.

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Derzeit plant Hamburg für diese zusätzlichen Posten mit rund 1,3 Milliarden Euro. Budzier hält es jedoch für realistischer, mit rund 10 Milliarden Euro zu rechnen. Dabei ist bereits ein Inflationsaufschlag von 10 bis 15 Prozent berücksichtigt. Besonders die Idee des Senats, das Olympiastadion gar nicht in die Kostenkalkulation aufzunehmen, weil der HSV ohnehin ein neues Stadion braucht, hat aus Sicht des Forschers „schon ein Geschmäckle“.
Auf die Frage, warum die Schätzung und die tatsächlichen Kosten immer so weit auseinanderliegen, hat er eine klare Antwort: Um politische Zustimmung zu sichern, wird groß geplant und klein gerechnet. Seit 1960 übersteigen die Kosten für Olympia das eingeplante Budget.
Positive Effekte würden überschätzt
Und die angekündigten positiven Effekte? Werden überschätzt, sagt er. Die Zahlen belegen nicht, dass Olympia die Wirtschaft ankurbelt. Im Gegenteil: In Paris kam es während der Spiele zu Einbußen im Einzelhandel und in der Tourismusbranche. Die Kundschaft sei entgegen den Erwartungen ferngeblieben. „Die Stadt musste Händler entschädigen – Kosten, die in der offiziellen Olympia-Kalkulation wieder nicht auftauchen“, mahnt Budzier in dem Bericht. Um ausländische Investoren anzulocken, reicht oft schon der Effekt der Olympia-Bewerbung. Ob sich Olympia positiv auf die Stadtentwicklung auswirkt, zeige sich erst Jahre später.
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Insgesamt sagt Budzier: „Olympia ist eine riskante Wette. Daher würde ich eher dafür plädieren, in Dinge zu investieren, von denen die Menschen direkt profitieren – etwa in funktionierende Krankenhäuser, Pflegeheime oder gut instand gehaltene Straßen.“ (kla)
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