Wird die Oberstufe reformiert? Was sich bald für Hamburgs Abiturienten ändert

Bald greifen neue Regeln für das Abitur. Wird in dem Zuge auch die Hamburger Oberstufe reformiert? (Symbolbild)
Bald greifen neue Regeln für das Abitur. Wird in dem Zuge auch die Hamburger Oberstufe reformiert? (Symbolbild)

Werden sich Hamburgs Abiturienten künftig in einem fünften Fach prüfen lassen? Und muss die Profil-Oberstufe doch wieder Leistungskursen weichen? Bald greifen neue Vorgaben der Kultusministerkonferenz (KMK), um das Abitur deutschlandweit vergleichbarer zu machen. Die MOPO erklärt, was das für Hamburgs Schüler bedeutet.

Worum geht es bei der Oberstufen-Diskussion?

Das Abitur soll über die Bundesländer hinweg vergleichbarer werden. Das ist das Ziel der neuen Regelungen, die die KMK schon im Jahr 2023 beschlossen hat. Sie betreffen die zwei Jahre Oberstufe, aus der Leistungen zu zwei Dritteln in das Abitur einfließen. Die eigentliche Abiturprüfung, für die es das Zentralabitur gibt, zählt nur zu einem Drittel. Die Änderungen sollen ab dem Schuljahr 2027/28 greifen.

Welche Änderungen will die Kultusministerkonferenz?

Die Hälfte der schriftlichen Abituraufgaben in den Kernfächern (Deutsch, Mathe, der ersten Fremdsprache und naturwissenschaftlichen Fächern) soll aus einem länderübergreifenden Pool stammen. Die Leistungskurse sollen bundesweit auf maximal drei begrenzt werden – in einigen Bundesländern gibt es derzeit vier. Zudem müssen Schüler jetzt 36 Kursnoten ins Abi einbringen und nicht wie bisher zwischen 32 und 40.

Auch die Anzahl der schriftlichen Klausuren in den Fächern und ihre Gewichtung werden festgelegt. Die Naturwissenschaften werden mit mindestens drei Stunden in der Woche gestärkt und Schüler müssen gesellschaftliche Fächer nun sechs Halbjahre lang belegen (bisher vier).

Worüber wird jetzt in Hamburg diskutiert?

Hamburger Elternräte und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW Hamburg) fordern in diesem Zuge eine Reform der Hamburger Oberstufe – denn die Bundesländer haben durchaus Gestaltungsspielraum. Besonders diskutiert wird, ob ein fünftes Prüfungsfach eingeführt wird und inwieweit sich die neuen KMK-Vorgaben zu den Leistungskursen mit der Hamburger Profil-Oberstufe vertragen. Hier wählen Schüler nämlich Fächerkombinationen (ein Profil), was fächerübergreifendes Lernen fördern soll.

Was sagt die Opposition zu den Oberstufen-Plänen?

Die CDU bezweifelt, dass die Profil-Oberstufe den KMK-Vorgaben entspricht. „Aus diesem Grund wollen wir als CDU-Fraktion die Leistungs- und Grundkurse wiedereinführen“, sagt Birgit Stöver zur MOPO. „Um Schülerinnen und Schüler zu entlasten und ihnen eine zusätzliche Wahlfreiheit zu bieten, welche sie im Rahmen der Profiloberstufe derzeit nicht haben.“ Um fächerübergreifendes Lernen weiter zu ermöglichen, könnten ergänzende Maßnahmen wie Tutorien dienen.

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Die Linke will genau das Gegenteil: Die Profiloberstufe sollte erhalten und ausgebaut werden, sagt Sabine Ritter der MOPO. „Schule sollte vom Kind her gedacht werden und auch den individuellen Interessen entsprechen können und nicht einfach trichtermäßig Fachwissen vermitteln. Das gelingt mit der Profil-Oberstufe besser als mit einem starren Leistungs- und Grundkurssystem.“ Und das fünfte Prüfungsfach? Das sollten Schüler selbst entscheiden können. „Die Prüfungslandschaft muss insgesamt neu gedacht werden“, sagt Ritter. „Unter Zeitdruck Wissen abzufragen, entspricht nicht mehr dem, was Menschen im Berufsleben und Studium können müssen.“

Reform der Oberstufe: Was wollen die Eltern?

Auch die Elternräte wollen die Profil-Oberstufe stärken. „Fächerübergreifendes Lernen ist der Weg der Zukunft“, sagt Torsten Schütt der MOPO. Er ist Sprecher der Elternräte der Stadtteilschulen und selbst Vater von fünf Kindern. „Schüler müssen lernen, über den Tellerrand hinwegzudenken.“ Dafür fordern die Elternräte auch mehr Flexibilität bei Fächerkombinationen, Bildungsplänen und auch beim Einsatz von digitalen Prüfungsformaten. Ein fünftes Prüfungsfach befürwortet Schütt: „Das kann gerade schwächeren Schülern helfen, ein gutes Abi zu machen, weil sie so schlechtere Noten ausgleichen können.“

Vor allem aber wünschen sich die Eltern eine breite gesellschaftliche Debatte. „Es müssen mehr Menschen dazu gehört werden, als nur eine Arbeitsgruppe in der Schulbehörde“, sagt Schütt.

Oberstufenreform: Was sagen die Lehrer?

Für die GEW Hamburg gibt es kein Entweder-Oder. „Vielmehr geht es darum, das bestehende System weiterzuentwickeln, ohne dabei einen Rückschritt zu Leistungskursen zu machen oder bei der Profiloberstufe zu verharren. Beide Modelle funktionieren unterschiedlich gut und haben jeweils ihre Vor- und Nachteile“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Yvonne Heimbüchel der MOPO. „Entscheidend ist daher, eine echte Weiterentwicklung in den Blick zu nehmen.“

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Ein fünftes Prüfungsfach dürfe zudem „nicht zulasten der ohnehin stark belasteten Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte“ gehen. Lehrkräfte seien durch den Korrekturaufwand erheblich belastet. Die GEW fordert neben 350 zusätzlichen Stellen daher auch alternative Prüfungsformate – auch digitale oder hybrid-digitale Varianten.

Was plant die Hamburger Schulbehörde?

Die hält sich bedeckt. Dabei ist sie in Zugzwang, bald einen Reformentwurf vorzulegen, denn die Schulen müssen die Umstellung vorbereiten. Die neuen KMK-Regeln sind seit 2023 bekannt. Der MOPO gegenüber erklärte die Behörde allerdings, dass es noch keine konkreten Überlegungen zur Umsetzung gebe. „Klar ist aber, dass es keine große Oberstufenreform geben wird und die Profiloberstufe auch nicht infrage steht. Stattdessen geht es nur darum die Vorgaben der KMK umzusetzen.” Es gebe einen internen Beratungsprozess und ein Entwurf wird im Januar erwartet.

Ritter kritisiert: „Die Schulbehörde agiert hinter geschlossenen Türen, dabei betrifft das Thema nicht nur die Behörde, sondern Schüler, Lehrer und Eltern. Das finde ich beklagenswert.“