Wirbel um neuen Trend: Hamburgs Papas sind los – das steckt dahinter

The Walking Dad
Der erste Väterspaziergang zog durch Winterhude.

Etwa 40 junge Väter ziehen mit Kinderwagen durch Winterhude. Sie nennen sich „The Walking Dad“ und stehen für einen neuen Zeitgeist: Väter, die nur am Abendbrottisch Präsenz zeigen, sind überholt. In sozialen Medien suchen viele Papas heute nach Gleichgesinnten und gehen gemeinsam spazieren – eine weltweite Bewegung, die auch umstritten ist.

Mütter, die sich mit anderen Müttern und Kindern auf dem Spielplatz treffen, sind ein gewohntes Bild. Väter, die in großen Gruppen spazieren gehen – eher nicht. Das ändert sich jetzt: Egal ob in Los Angeles, Paris oder Hamburg, viele junge Männer schnappen sich ihre Kinder und ziehen gemeinsam los.

„Ich bin gerade Vater von unserem vierten Kind geworden. Natürlich kenne ich den ein oder anderen Vater vom Sehen oder aus der Kita, aber oft fehlt die Initiative, sich wirklich proaktiv zu verabreden”, sagt Schauspieler Manuel Hasni (37) von der Uhlenhorst, Gründer von „The Walking Dad.de”, einer der neuen Spaziergruppen für Väter.

Väter treffen sich zum Austausch

Der Name ist eine augenzwinkernde Referenz an die US-Serie „The Walking Dead“ (zu Deutsch: „Die wandelnden Toten“), in der sich ein Sheriff während einer Zombie-Apokalypse auf die Suche nach seiner Familie begibt.

The Walking Dad
Die Väter legen mit ihren Kindern einen Zwischenstopp auf einem Spielplatz ein.

Frauen seien besser untereinander vernetzt, während es für Männer weniger Angebote von Vätern für Väter gebe, sagt Hasni. Also richtete er eine Instagram-Seite ein und rief zum ersten Spaziergang Ende April auf.

„Es war der Sonntag des Hamburg-Marathons, darum hätte ich mich auch schon über fünf Teilnehmer gefreut“, so der vierfache Vater. Am Ende wurden es rund 40 Väter mit ihren Kindern, die gemeinsam spazierten und sich im nahe gelegenen Park austauschten.

„The Walking Dad“: „Wir wollen uns nicht abfeiern“

„Es findet meiner Meinung nach gerade eine Transformation statt, die längst überfällig ist. Männer sollten genauso Verantwortung übernehmen wie Frauen es schon lange tun”, sagt der 37‑Jährige. Ein Spaziergang allein sei dafür natürlich nicht genug, aber er könne einen Beitrag leisten. „Jetzt kennen sich schon viel mehr Väter aus dem Viertel, grüßen sich oder sprechen miteinander“, freut sich Hasni.

Manuel Hasni und ein Vater
Manuel Hasni (l.), Gründer von „The Walking Dad.de” mit einem der teilnehmenden Väter.

Auf Instagram und TikTok erleben die „Walking Dads“ aber auch Gegenwind: Vielen Müttern und Vätern ist die Darstellung der Gruppe in den sozialen Medien zu performativ. Die spazierenden Väter stehen gemeinsam aufgereiht auf einer Brücke, Hasni dreht Selfie-Videos und am Ende der Aktion klatschen alle gemeinsam. „Feiert euch mal, weil ihr einmal mit dem Kind rausgeht“, schreibt eine Nutzerin mit ironischem Unterton. „Einfach machen und sich nicht aufspielen, als wäre es etwas Besonderes“, so eine andere.

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Darauf angesprochen erwidert Hasni: „Es geht nicht darum, dass sich Männer dafür abfeiern wollen, weil sie mit ihrem Kind spazieren gehen. Es geht darum, dass sich Männer unkompliziert miteinander verbinden wollen.” Einen neuen Termin gibt es auch schon – am Vatertag ziehen die Väter durch St. Pauli.

Etwa 40 junge Väter ziehen mit Kinderwagen durch Winterhude. Sie nennen sich „The Walking Dad“ und stehen für einen neuen Zeitgeist: Väter, die nur am Abendbrottisch Präsenz zeigen, sind überholt. In sozialen Medien suchen viele Papas heute nach Gleichgesinnten und gehen gemeinsam spazieren – eine weltweite Bewegung, die auch umstritten ist.