Hamburg

„Wir hatten nur zehn Minuten“: Bewohner bangen um ihr Zuhause

Einsatzkräfte stehen am 23. Juli vor einer Häuserzeile in der Holstenstraße im Stadtteil Altona. Das Haus in der Mitte ist akut einsturzgefährdet.
Einsatzkräfte stehen am 23. Juli vor einer Häuserzeile in der Holstenstraße im Stadtteil Altona. Das Haus in der Mitte ist akut einsturzgefährdet.

Nur zehn Minuten, um ein Leben einzupacken: Ein Bewohner aus dem akut einsturzgefährdeten Haus in Altona erzählt von der Evakuierung. 

Zehn Minuten hatten die Bewohner, um ihre wichtigsten Sachen zu packen – dann mussten sie das einsturzgefährdete Haus an der Holstenstraße verlassen. Nun kommt Bewegung in die Sache: In den kommenden Tagen sollen Arbeiten am Haus starten.

„Wir waren im Schock und haben wie panisch unsere Sachen gepackt“, erzählt Felix Maus der MOPO von dem Moment als klar war: Das Haus in der Holstenstraße 197 könnte einstürzen, alle Bewohner müssen raus. Nur zehn Minuten hätten er und die anderen Bewohner Zeit gehabt, um die wichtigsten Sachen aus ihren Wohnungen zusammenzuraffen. „Man kann in so einem Moment gar nicht klar darüber nachdenken, was man mitnehmen soll“, erzählt der 55-Jährige. Kurz darauf hätten die Bewohner am Straßenrand gestanden und der Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk ungläubig zugeschaut, wie diese das Haus absicherten.

Altona: Feuerwehr brachte 14 Bewohner in Sicherheit

Das fünfgeschossige Wohnhaus an der Holstenstraße 195/197 war am 23. Juli wegen erheblicher Mängel an der Standsicherheit geräumt worden: Massive Risse klaffen an der Rückseite des Gebäudes. Die Feuerwehr brachte 14 Bewohner in Sicherheit, das Technische Hilfswerk stützte den Altbau ab. Der Friseur im Erdgeschoss ist geschlossen. Auch das Nachbarhaus mit der Nummer 199 bleibt gesperrt. Maus ist seitdem in einem Hotel untergebracht – die Übernachtungskosten trägt der Eigentümer.

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? „Die konkrete Ursache für die festgestellte Einsturzgefahr wird derzeit noch untersucht und festgestellt“, erklärt der Anwalt des Eigentümers der MOPO. Möglicherweise habe eine unzulässige Wandöffnung das Gebäude destabilisiert. Eine abschließende Klärung stehe noch aus.

Haus in der Holstenstraße: Bezirk greift durch

Die Mieter erklärten hingegen in einer gemeinsamen Mitteilung, über Jahre hinweg auf zunehmende Schäden und Mängel hingewiesen zu haben. Der Anwalt des Eigentümers betont, gemeldete Schäden seien stets behoben worden und stünden nicht im Zusammenhang mit der Räumung. Von den neuen Rissen habe der Eigentümer Mitte Juni erfahren und daraufhin gehandelt.

„Derzeit hat die Standsicherung des Gebäudes oberste Priorität, auch um ein jedenfalls vorübergehendes Betreten des Gebäudes durch die Mieter und die Abholung deren privater Gegenstände zu ermöglichen“, sagt er.

Das Bezirksamt hat ein sogenanntes HOZ-Verfahren zur „Herstellung ordnungsgemäßer Zustände“ eingeleitet. Damit werden Eigentümer verpflichtet, Missstände zu beseitigen.

Haus einsturzgefährdet: Arbeiten sollen bald starten

Und es kommt Bewegung in die Sache: Am Freitag habe das Bezirksamt erfahren, dass sich ein Statiker und eine Fachfirma die Situation vor Ort angeschaut hätten und ein Konzept erstellt werden sollte, so der Bezirksamtsprecher. „Da diese – dem Bezirksamt übermittelten – Informationen zu ungenau waren, hat das Bezirksamt Altona den Eigentümer an die Anordnung vom 24. Juli 2026 erinnert und im gleichen Zuge aufgefordert, bis Montag, 3. August 2026, konkretere Informationen zu übermitteln – andernfalls würde das in der Anordnung festgesetzte Zwangsmittel erhoben“, so Sprecher Mike Schlink weiter.

Daraufhin habe das Amt weitergehende Informationen erhalten: „Daraus geht hervor, inwiefern das Gebäude abgestützt werden kann. Außerdem geht aus den Informationen hervor, dass mit den entsprechenden Arbeiten in den kommenden Tagen begonnen werden soll.“ 

Maus wünscht sich vor allem eins: Wieder in das Haus zurückkehren zu können, in dem er schon seit mehr als 20 Jahren lebt. „Wir haben eine sehr gute Hausgemeinschaft und hoffen sehr, dass wir zurück in diese Gemeinschaft können.“

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