Wie viel Elend geht in dieses Haus? Das plant die Stadt jetzt am Hauptbahnhof
Junkies, Obdachlose, Dealer, Prostituierte, Alkoholiker – rund um den Hauptbahnhof in St. Georg trifft sich eine Klientel, die menschliches Elend in den traurigsten Facetten zeigt. Genau dort will die Sozialbehörde jetzt Abhilfe schaffen und plant ein umfassendes Hilfsangebot im ehemaligen Bürohaus in der Repsoldstraße 27, direkt neben der Drogenberatungsstelle „Drob Inn“. Lesen Sie hier, was genau die Stadt jetzt am Hauptbahnhof plant – und wann es losgehen soll.
Oberstes Ziel der Behörde sei eine spürbare und langfristige Entlastung des Bahnhofsviertels, aber auch eine deutliche Verbesserung der Alltagssituation für die „Klientel“. Gemeint sind drogenabhängige und obdachlose Männer und Frauen. Zwar gibt es im „Drob Inn“ am August-Bebel-Park Drogenkonsumräume und einige wenige Schlafplätze, doch die Anzahl der Hilfebedürftigen übersteigt das Angebot bei weitem. 300 bis 400 schwer drogenkranke Menschen, so schätzen die „Sozialraumläufer“ von St. Georg, die seit März 2024 im Einsatz sind, halten sich regelmäßig rund um den Hauptbahnhof auf. Eine starke Belastung für Anwohner, Mitarbeiter der umliegenden Firmen, Besucher und Touristen.
30 Notschlafplätze und psychiatrische Betreuung
Derzeit geht es bei der Raumplanung des 6500 Quadratmeter großen Gebäudes an der Repsoldstraße in die Feinkonzeption. Die ersten 30 Notschlafplätze sollen bereits im ersten Quartal 2025 bezugsfertig sein. Mit Leichtbauwänden werden 30 Einzelzimmer mit Waschmöglichkeiten entstehen. Außerdem soll eine Grundversorgung angeboten werden, wie eine Kleiderkammer, Beratungsangebote sowie eine psychiatrische Begleitung durch eine Ambulanz direkt im Haus, eine sogenannte Überlebenshilfe.
Staatsrätin Petra Lotzkat zur MOPO: „Die Menschen dort brauchen Hilfe, ihre prekäre Lebenssituation nicht nur zu stabilisieren, sondern auch langfristig zu verändern. Wenn diese Angebote alle in einem Haus vereint sind, ist die Erfolgschance einer Veränderung viel höher, als wenn sie erst irgendwo hinfahren müssen, geschweige denn selbständig Termine machen müssten.“
Psychiatrische Ambulanz soll im zweiten Quartal 2025 öffnen
Die psychiatrische Ambulanz soll im zweiten Quartal in dem Haus an der Repsoldstraße ihren Betrieb aufnehmen. Bis Ende 2025 sind außerdem Schlafplätze ausschließlich für Frauen geplant – als Erweiterung des Vereins „Ragazza“, der Drogenberatung für Frauen anbietet. Die Ausschreibungen für die verschiedenen Angebote in dem Haus am Hauptbahnhof laufen, einzig das „Drob Inn“ steht bereits als Betreiber der 30 Notschlafplätze fest. Angedacht sind langfristig auch Beratungsangebote von Bezirk und Jobcenter sowie Werkstätten und Ateliers in Form von Therapiegruppen.
Die Sorge von in St. Georg lebenden und arbeitenden Menschen, dass ein weiteres Angebot für Drogenabhängige noch mehr hilfsbedürftige Menschen in den ohnehin schon belasteten Stadtteil anlocken würde, nimmt Staatsrat Tim Angerer ernst. „Aber wir brauchen mehr Rückzugsmöglichkeiten und Hilfsangebote für diese Menschen, die sich dort aufhalten“, so Angerer. Und fragt: „Wie könnte man den Sozialraum rund um das ,Drob Inn‘ am Hauptbahnhof entlasten ohne das Haus in der Repsoldstraße?“
Tunnel soll besser beleuchtet werden
Auch die Gestaltung der umliegenden Grünflächen sowie der Tunnel Richtung Münzviertel fließt mit ein in die Pläne des neuen XL-Drogenprojekts. Eine Überlegung ist etwa, die Repsoldstraße für den Autoverkehr zu beruhigen. Der Tunnel Richtung Münzviertel soll besser beleuchtet werden.
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Auch wenn der Fokus des Vorhabens auf suchtkranken Menschen liegen wird, soll kein öffentlicher Trinkerraum in dem ehemaligen Bürogebäude integriert werden. Dies hatte unter anderem Markus Schreiber, Vorsitzender des Bürgervereins St. Georg und ehemaliger Bezirkschef von Hamburg-Mitte, gefordert. Hintergrund ist das Elend am Hansaplatz, wo sich die Trinkerszene trifft. Lotzkat: „Wir kennen bislang keine erfolgreichen Konzepte eines solchen Raumes.“ Auch einen Drogenkonsumraum wird es in der Repsoldstraße 27 nicht geben, wie er im „Drob Inn“ nebenan besteht. „Das Ziel des Angebots in der Repsoldstraße soll eine langfristige Verbesserung der dort hilfesuchenden Menschen sein“, so Lotzkat.