Die Angst vorm U-Bahn-Schubser: Eine deutschlandweit gefürchtete Tat
Der schreckliche Vorfall an der U-Bahnstation in Wandsbek, bei dem eine Person eine andere mutmaßlich vor eine U-Bahn gestoßen hat und beide ums Leben kamen, wirft viele Fragen auf. Klar ist: Solche Gewalttaten sind äußerst selten, aber sie schockieren besonders, weil sie mitten im Alltag passieren.
Die Rechtslage ist eindeutig: Wird eine Person absichtlich auf die Gleise oder direkt vor eine einfahrende Bahn geschubst, handelt es sich nach deutschem Strafrecht in der Regel um Mord oder Totschlag, abhängig von Vorsatz und Motiv. Entscheidend ist, ob der Täter den Tod des Opfers billigend in Kauf nimmt oder gezielt herbeiführen will.
Nur geringe Zahl an Fällen bundesweit
Glücklicherweise sind gezielte Angriffe, wie es nun offenbar einen in Hamburg gegeben hat, sehr selten. Für die vergangenen Jahre liegen bundesweit keine Auswertungen vor. 2021 waren es aber 47 Fälle, das Jahr davor 29, in denen Menschen vorsätzlich auf Gleise gedrängt oder gestoßen wurden – darunter sind auch nicht tödliche Vorfälle. Die Statistik unterscheidet allerdings nicht immer klar zwischen S-Bahn, U-Bahn oder Fernverkehr.

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- U-Bahn-Mord: Geschichte eines sinnlosen Todes
- Block-Prozess: Wird der Patriarch doch noch angeklagt?
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Im Vergleich zur Gesamtkriminalität allein an Hamburgs Bahnhöfen sind die Zahlen jedenfalls sehr gering. So wurden 2024 insgesamt 8389 Fälle an den rund 70 Bahn- und S-Bahn-Stationen der Hansestadt von der Bundespolizei registriert.
Radfahrer stirbt nach Rempler in Ohlsdorf
Hamburg selbst hat in der Vergangenheit schon mehrfach mit ähnlichen, wenn auch nicht immer tödlich endenden Vorfällen zu tun gehabt. Im August 2023 hatte ein Unbekannter einen 21-Jährigen am U-Bahnhof Dehnhaide in Barmbek-Süd ins Gleisbett gestoßen. Der Mann konnte sich gerade noch in Sicherheit bringen, bevor ein Zug einfuhr. Zuvor war es zwischen den beiden Männern aus noch unbekannten Gründen zu einer Auseinandersetzung gekommen. Der mutmaßliche Täter wurde später in Niedersachsen in seiner Wohnung festgenommen. Er muss sich wegen versuchter Tötung verantworten.
Wie gefährlich Zusammenstöße auf dem Bahnsteig sein können, zeigt ein Fall, der sich ein Jahr zuvor im Juni 2022 am Bahnhof in Ohlsdorf ereignete. Dort waren ein 62-jähriger Mann und ein Radfahrer aufeinandergetroffen, der daraufhin kopfüber zwischen die Wagen einer anfahrenden S-Bahn stürzte. Der 56-Jährige starb an der Unfallstelle. Während die Staatsanwaltschaft in ihrer Klage davon ausging, dass der Angeschuldigte den Radfahrer gezielt angerempelt hatte, sah das Landgericht keinen hinreichenden Tatverdacht auf eine Körperverletzung mit Todesfolge.
Achtjähriger in Frankfurt vor Zug gestoßen
Auch in anderen Städten gab es in der Vergangenheit ähnliche, teils tragische Vorfälle. So wurde 2019 am Hauptbahnhof in Frankfurt am Main ein achtjähriger Junge von einem Mann absichtlich vor einen einfahrenden ICE gestoßen und getötet. Die Tat wurde vom Gericht als Mord gewertet – der Täter aber wegen der psychischen Krankheit paranoide Schizophrenie als schuldunfähig eingestuft und in die Psychiatrie eingewiesen.
In der U-Bahnstation Ernst-Reuter-Platz in Berlin wurde 2016 eine 20-jährige Frau von einem Mann vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen und getötet. Der Tatverdächtige, der zuvor aus Hamburg nach Berlin gereist war, wurde später wie schon beim Fall in Frankfurt als schuldunfähig eingestuft und in die Psychiatrie eingewiesen.
Reaktionszeit am Bahnsteig sehr gering
Solche Taten berühren die Öffentlichkeit besonders stark, weil sie mitten im Alltag und aus dem Nichts passieren: auf vollen Bahnsteigen, in U-Bahn-Stationen, wo Menschen oft arglos warten. U- und S-Bahnzüge fahren mit hoher Geschwindigkeit ein, die Reaktionszeit für Fahrer:innen ist winzig, und es gibt kaum physische Barrieren zwischen Bahnsteigkante und Gleis.
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