Wie sich eine junge Mutter in der Hip-Hop-Szene etabliert

Tänzerin „Mady” liebt das Tanzen.
Tänzerin „Mady” liebt das Tanzen.

„Mady“ ist ziemlich beschäftigt. Gerade probt sie täglich mehrere Stunden für die Gala der HipHop Academy am kommenden Wochenende. Dazu kümmert sie sich noch um ihren fast anderthalb Jahre alten Sohn, verdient mit Tanz-Battles und Auftritten ihren Lebensunterhalt und betreut zwei Jugendliche als „Tanz-Patin“. Einfach ist das alles nicht. Warum die 23-Jährige durchhält.

Mady liebt das Tanzen. Schon als Kind trat sie in ihrem Heimatland Kamerun mit traditionellen afrikanischen Tänzen auf. Mady – mit vollem Namen Medeleine Estelle Menguoloune Toupka – kam mit 17 Jahren nach Hamburg. Sie wollte ihren Vater kennenlernen, der hier lebt, erzählt sie der MOPO.

Doch einfach war es am Anfang nicht. Sprachbarriere und Einsamkeit dominierten die ersten Monate. Doch dann platzte der Knoten. Weil sie zum Hip-Hop fand.

Hamburg: Wie eine junge Einwanderin Heimat fand

Und das war Zufall: Zwei Bekannte nahmen sie mit zur Hamburger HipHop Academy, erinnert sich Mady. Sie ging eigentlich nur mit, um Anschluss zu finden, sagt sie und lacht. Mit der so ganz anderen Tanzrichtung als Afro-Tanz konnte sie zunächst nicht viel anfangen.

Mady findet mit einer Mischung aus Afro-Tanz und HipHop ihren eigenen Stil.
Mady findet mit einer Mischung aus Afro-Tanz und Hip-Hop ihren eigenen Stil.

Doch dann sprang der Funke über: Innerhalb kurzer Zeit schloss Mady die renommierte Tanz-Ausbildung hier ab, lernte übers Tanzen ihren Partner kennen und bekam während der Zeit sogar einen Sohn. Heute ist Hip-Hop ein großer Teil ihres Lebens: „Afro-Tanz fühlt sich an wie meine Familie, in die ich hineingeboren wurde. Hip-Hop ist meine gewählte Familie“, sagt sie. Für ihren eigenen Stil versucht sie auch gern, die beiden Tanzarten miteinander zu kombinieren.

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Und der Traum von Tanzen hat sie nicht mehr losgelassen. Dafür schmiss sie sogar die Schule nach der 12. Klasse hin. Mit Erfolg: Heute lebt sie mit ihrer Familie in Horn und kann sich ausschließlich durchs Tanzen finanzieren. Leicht ist es aber nicht, räumt sie ein. Vor allem, weil sie als junge Mutter nicht jeden angebotenen Auftritt annehmen kann.

HipHop Academy: Mady tanzte beim Tag der Deutschen Einheit mit

Doch mit ihrer Gage als Tanzlehrerin, mit Preisgeldern aus Tanz-Battles und bezahlten Auftritten hält sie sich über Wasser. Auch beim Auftritt der HipHop Academy in der Elphi am Tag der Deutschen Einheit tanzte sie mit. Und betreut auch noch zwei „Tanz-Patenkinder“ in der Tanzgruppe „Calypso Army“.

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„Ich hatte am Anfang niemanden“, sagt sie. Deshalb wolle sie jetzt eine Stütze für andere junge Tänzer sein. Warum ihr das Tanzen so viel bedeutet? Tanzen sei für sie eine Art zu reden, ohne sprachlich etwas sagen zu müssen. „Ich will nicht nur tanzen, um zu tanzen, sondern weil ich mich und andere Leute repräsentieren möchte“, sagt sie. „Ich erwarte nicht gut auszusehen, sondern daraus meine eigene Kunst und mein eigenes Ich rauszuziehen. Wie ein Poet, aber in Bewegung.“

Tanzen in Hamburg: Mady will eine Inspiration sein

Kein Wunder also, dass sie auch während ihrer Schwangerschaft tanzte – und sich ihr Körper schon einen Monat nach der Geburt wieder bewegen wollte, wie sie erzählt. Also tastete sie sich langsam wieder ran, versuchte sich bei ersten Battles. Ihren Sohn nahm sie kurzerhand mit. Er wartete zum Beispiel mit ihrer Schwester vor den Räumen, wurde mit Kopfhörern gegen die laute Musik geschützt und von Mady in den Pausen gestillt. Mittlerweile haben sie ihren Rhythmus gefunden. „Er ist schon richtig musikalisch und klatscht mit“, sagt sie.

Ihre Ziele für die nächsten Jahre? Sich als Künstlerin weiter zu etablieren und eine gute Mutter sein, sagt sie. „Und selbst lernen und anderen etwas beibringen und eine Inspiration für junge Menschen sein, die nach mir kommen.“

Mady tritt mit der HipHop Academy bei der Gala am 1., 2. und 3. Dezember auf Kampnagel auf. Das diesjährige Thema: Eine Zeitreise durch die Hip-Hop-Kultur mit mehr als 100 Schülern der Akademie unter Regie von Philipp Kaufmann (Deichkind).