Wie krank sind Hamburgs Obdachlose? Behörde schweigt zur Gesundheitsstudie
Wie geht es den Obdachlosen auf Hamburgs Straßen? Diese Frage sollte eigentlich eine Befragung der Sozialbehörde beantworten. Doch die Ergebnisse liegen bis heute nicht vor – und die Behörde erklärt nicht, weshalb. Das sorgt für heftige Kritik.
Harte Worte von Andreas Grutzeck: „Das ist eine Sauerei“, sagt er der MOPO. Die Auswertung zur Gesundheitsbefragung von Wohnungs- und Obdachlosen in Hamburg sei schon lange überfällig, kritisiert der CDU-Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft. „Wir wissen aber von freien Trägern, dass sich der Zustand der Obdachlosen seit Corona dramatisch verschlechtert hat.”
Obdachlose in Hamburg: Mehr Elend auf den Straßen
Tatsächlich berichten Hilfsorganisationen und Anwohner von wachsender Not, mehr Drogenkonsum und immer mehr Menschen auf der Straße – besonders im Umfeld des Hauptbahnhofs. Laut dem Wohnungslosenbericht der Bundesregierung lebten 2024 fast 3800 Obdach- und Wohnungslose in Hamburg – damit hat sich ihre Anzahl seit 2018 nahezu verdoppelt. Zwischen September 2024 und Ende März 2025 starben laut Senat sogar 47 Wohnungslose, 21 davon auf Hamburgs Straßen – am Glockengießerwall, Dammtor oder Schwanenwik, zum Beispiel. Todesursachen sind unter anderem Krankheiten wie Lungenentzündungen, -embolie oder Sepsis.
Der Kommentar zum Thema: Sagt, was Sache ist – damit Hilfe endlich ankommt
Um mehr über die Gesundheit von Hamburgs Obdachlosen zu erfahren, schloss sich die Stadt im Februar 2024 der bundesweiten Erhebung zur Obdachlosigkeit mit einer eigenen, gezielten Befragung dazu an. Doch während die Auswertung vom Bund längst vorliegt, ist die Stadt mit ihrer 20 Monate später noch nicht fertig. Die Hamburgische Bürgerschaft setzte der Sozialbehörde schon eine Frist bis Ende September – doch die verstrich. Zunächst hatte die Hinz & Kunzt berichtet.
Grutzeck hakte Mitte Oktober über eine Kleine Anfrage nach. Die Antwort, die der MOPO vorliegt, bleibt vage: Die Behörde beabsichtige „umfassend zu berichten”, heißt es nur. Die Prüfungen seien noch nicht abgeschlossen. Die acht Detailfragen – etwa wer den Fragebogen erstellte oder wie viele Menschen teilnahmen – blieben unbeantwortet. Auch der MOPO gegenüber erklärte die Behörde lediglich, ein Veröffentlichungsdatum könne man nicht nennen. Was an der Auswertung so lange dauert? Keine Antwort.
Grutzeck vermutet politische Gründe: „Die Ergebnisse sind vermutlich so schlecht, dass man sie erst zeigen will, wenn Gegenmaßnahmen geplant sind.“ Und er mahnt: „Es geht hier um Menschenleben. Ich erwarte, dass die Behörde alles tut, um das Gutachten endlich vorzulegen.“
Ergebnisse kommen nicht: CDU vermutet politische Gründe
Auch bei den Linken sorgt das Verhalten für Kopfschütteln. „Ich verstehe überhaupt nicht, was daran so lange dauert“, sagt die Abgeordnete Olga Fritzsche zur MOPO. „Mein Verdacht ist, dass der Senat die Daten erst selbst interpretieren will. Aber für Fachleute und Hilfsorganisationen sind die Daten allein schon wichtig – sie sollten sofort veröffentlicht werden.“
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Ob aus politischen oder anderen Gründen – warum die Auswertung so lange dauert, bleibt offen. Doch eins ist klar: Noch während sie auf sich warten lässt, beginnt in Hamburg erneut der Winter – für viele auf der Straße.