„Wie komme ich zum Arzt?“, „kommt die Polizei?“ Anwohner in Sorge wegen U5-Baustelle

Die Fläche vor dem Einkaufszentrum Steilshoop hat sich seit einem Jahr in eine Baustelle verwandelt.
Die Fläche vor dem Einkaufszentrum Steilshoop hat sich seit einem Jahr in eine Baustelle verwandelt.

Schon seit einem Jahr hat sich der Bereich vor dem Einkaufszentrum in Steilshoop in ein riesiges Labyrinth aus rot-weißen Absperrbaken verwandelt – doch damit ist noch lange nicht Schluss. In ferner Zukunft soll dort einmal die neue U-Bahn-Linie U5 halten. Bevor es so weit ist, stehen den Anwohnern allerdings noch acht Jahre Großbaustelle ins Haus. Am Montag veranstaltete die Hochbahn einen Infoabend, bei dem neben der gefährdeten Gesundheitsversorgung und Rettungseinsätzen auch das wohlbekannte Einkaufszentrum eine Rolle spielte.

„Ich wohne seit 50 Jahren in Steilshoop – und genauso lange warte ich auch schon auf eine U-Bahn“, sagte ein Anwohner am Montag unter zustimmendem Gelächter und Geklatsche auf den gut gefüllten Stuhlreihen am Campus Steilshoop. Denn obwohl in dem Stadtteil rund 20.000 Menschen leben, gibt es dort bislang weder eine S- noch eine U-Bahnhaltestelle.

U5: Steilshoop soll seine erste U-Bahn bekommen

Das will die Politik endlich nachholen: Die neue U-Bahn-Linie U5 soll auch in Steilshoop halten, genauer gesagt direkt am Einkaufszentrum in der Gründgensstraße. Seit 2024 gibt es dort deshalb eine Vollsperrung für Autos und Busse. Letztere werden nun über den Gustav-Seitz-Weg, die Steilshooper Allee und den Alfred-Mahlau-Weg umgeleitet. Das bedeutet für viele einen längeren Fußweg.

Im Jahr 2033 sollen Fahrgäste mit der U5 nach Steilshoop fahren können. Hier in der Visualisierung zu sehen: Die Gründgensstraße mit zwei U5-Aufgängen.
Im Jahr 2033 sollen Fahrgäste mit der U5 nach Steilshoop fahren können. Hier in der Visualisierung zu sehen: Die Gründgensstraße mit zwei U5-Aufgängen.

Die Hochbahn beginnt ab Mitte Juni mit dem Abriss des Fußgängertunnels, der das Einkaufszentrum mit der Kirche verbindet. Ab September sollen dort die Wände für die künftige Baugrube entstehen. Der eigentliche Aushub dieser Baugrube beginnt dann 2026. In dieser Baugrube wird später die neue Haltestelle gebaut.

U5 in Steilshoop: Sorge über Gesundheitsversorgung

„Aber wie kommen wir dann noch mit Rollator oder Rollstuhl zum Ärztehaus oder zur Kirche?“, gibt ein Anwohner zu bedenken. „Alle Gebäude auf der Südseite sind entweder über eine Treppe oder barrierefrei über den Cesar-Klein-Ring erreichbar“, erklärt Sascha Benz, Verkehrsplaner der U5. „Das ist ein ziemlicher Umweg, das stimmt, aber aufgrund der Nähe zum Baufeld ist es nicht anders möglich.“ Das betreffe auch den Zugang zur Askanier-Apotheke an der Gründgensstraße.

Deren Inhaberin Dorothea Metzner war ebenfalls zu Gast auf dem Infoabend: „Ich kann nur darum bitten, die Gesundheitsversorgung dieses Stadtteils nicht auf die leichte Schulter zu nehmen“, appellierte sie an die anwesenden Hochbahn-Vertreter. „Diese Versorgung ist sowieso schon schlecht und darf nicht zusammenbrechen.“ Die Verantwortlichen versprachen, das Thema noch einmal mitzunehmen.

U5 in Steilshoop: Sorgen um künftige Notarzteinsätze

Andere Anwohner machten sich Sorgen um künftige Notfälle – können Feuerwehr und Polizei überhaupt noch schnell in den Stadtteil kommen? „Ja“, beruhigte Ulf Lengnick von der Polizei die Anwesenden. „Alle Einsatzkräfte sind in die Planungen eingebunden, keiner muss befürchten, dass die sich verfahren.“ So richtig überzeugt wirkten die Anwesenden allerdings nicht – mehrere erzählten, wie sie eine solche Situation erst vor einigen Tagen beobachtet hätten.

„Das kann schon mal so wirken, als ob die Autos herumirren, das kann dann aber daran liegen, dass der akute Einsatzort von vorneherein nicht vollkommen klar ist“, antwortete Lengnick.

Läuft alles nach Plan, verläuft der Neubau der U5 gleichzeitig mit der Sanierung des maroden Einkaufszentrums: Entstehen sollen an dessen Stelle neue Wohnungen, Dachgärten und moderne Nahversorgung. „Wie sollen zwei so große Baustellen gleichzeitig abgewickelt werden?“, fragte ein Anwohner nach. „Das wird hier und da nicht einfach werden“, gab Ludger Schmitz von der Planungsgesellschaft „Steg“ zu. Trotzdem gibt er sich optimistisch, dass das klappen kann. Derzeit sei die Stadt dabei, einen sogenannten Sanierungsvertrag mit dem Eigentümer abzuschließen. Das sollte eigentlich bereits Ende 2024 erledigt sein.

Das ist der künftige Zeitplan für die neue Linie U5

In Steilshoop soll mit dem Rohbau der Haltestelle ab dem Jahr 2030 begonnen werden – im Jahr 2033 könnte laut Plan dann die erste U-Bahn dort halten. Ein kurzes Prusten aus dem Publikum, eine ältere Dame hielt sich erschrocken die Hand vor dem Mund. „Entschuldigung“, kicherte sie. „Aber diese Zeit-Dimensionen sind schon enorm.“

Insgesamt soll die U5 ab 2040 auf einer Strecke von 25 Kilometern von Bramfeld im Osten bis zu den Arenen im Westen pendeln. Die Hochbahn rechnet mit Gesamtkosten in Höhe von 14,5 bis 16 Milliarden Euro sowie 315.000 zusätzlichen Fahrgästen.