Wie der Iran-Krieg Hamburgs Hafen und Lieferketten unter Druck setzt
Was wie ein ferner Krieg wirkt, trifft auch Hamburg: in den Hafen, die Logistik, Lieferketten. Raketenangriffe haben die Energieinfrastruktur im Iran und in Katar schwer beschädigt, die Straße von Hormus ist für Schiffe nur noch unter hohem Risiko passierbar. Durch die Meerenge läuft rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggas-Handels. Wird die Passage unsicher, steigen Transport-, Versicherungs- und Energiekosten. Was Branchen erwarten.
Akute Versorgungsengpässe in Deutschland erwartet die Handelskammer derzeit zwar nicht. Für international tätige Unternehmen seien die Folgen aber längst spürbar. „Verteuern sich Transport und Fertigung über einen längeren Zeitraum, wirkt sich das auf die Produkte aus“, sagte Kammer-Sprecher Peter Feder zur MOPO. Im Schiffsverkehr in der Golfregion komme es bereits zu Buchungsstopps, ausfallenden Direktanläufen und steigenden Kosten.
Hamburg: So trifft der Iran-Krieg die Industrie
Auch der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe warnt vor den Folgen. Reedereien müssten Routen ändern, Umwege fahren und längere Transitzeiten einplanen, sagte Hauptgeschäftsführer Florian Keisinger zur MOPO. Das bringt die Logistik unter Druck: Transporte werden teuer, Abstimmungen schwieriger. Zugleich rückten Häfen als kritische Infrastruktur noch stärker in den Fokus. Fragen der physischen Sicherheit, hybrider Bedrohungen und der Cybersicherheit gewännen in solchen Krisen zusätzlich an Gewicht. „Seehäfen sind Seismografen globaler Entwicklungen“, so Keisinger.
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Und Hamburgs Industrie? Nach Einschätzung des Industrieverbandes trifft es etwa Chemie, Maschinenbau und Elektronik – also Branchen mit hohem Fracht- und Energiebedarf. In der Transportbranche macht Kraftstoff rund ein Drittel der Gesamtkosten aus. In der Chemie schlagen hohe Öl- und Gaspreise doppelt durch, weil sie dort nicht nur Energiequelle, sondern auch Rohstoff sind. Hinzu kommt: Rund 40 Prozent des weltweiten Heliums kommen aus Katar. Das ist auch für die Halbleiterindustrie wichtig. Dauerhaft hohe Energiepreise, teurere Transporte und stockende Lieferketten könnten den Standort Hamburg empfindlich treffen.
Teure Lebensmittel? Der Verband rät zur Ruhe
Und der Druck reicht schon über Hafen und Industrie hinaus. Die Handwerkskammer warnt vor stark gestiegenen Energiepreisen und möglichen Engpässen bei Materialien. Steigende Preise würden am Ende an Verbraucher weitergegeben. Der Verband des Lebensmittel-Einzelhandels Hamburg rät im Gespräch mit der MOPO dagegen zur Ruhe: Bei Lebensmitteln sei die Krise bisher nicht angekommen. Bei frischem Obst und Gemüse könnten höhere Transportkosten zwar bald spürbar werden, müssten aber nicht eins zu eins bei den Kunden landen.
Für Hamburg heißt das: Der Preisschock läuft nicht nur über die Zapfsäule. Er kommt vor allem über Schiffe, Lieferketten und Betriebe.