„Werden schießen und euch zerstören“: Die riskante Flucht der Kreuzfahrtschiffe
Wochenlang saßen sie im Persischen Golf fest – in Dubai, Abu Dhabi und Doha. Am Samstag nutzten die Kreuzfahrtschiffe „Mein Schiff 4“, „Mein Schiff 5“ und die „MSC Euribia“ dann ihre Chance und durchquerten die Straße von Hormus – offenbar unter Bedrohung der Revolutionsgarden. Die frühzeitige Flucht hat nun auch Auswirkungen auf die Fahrpläne der Kreuzfahrtschiffe.
Durch den Iran-Krieg im Persischen Golf gestrandete Kreuzfahrtschiffe haben am Samstag im Konvoi erfolgreich die Straße von Hormus durchquert. Dabei blieb den Schiffen nur ein kleines Zeitfenster: Erst am Freitag hatte Iran die Öffnung der Straße von Hormus verkündet – und kurze Zeit wieder rückgängig gemacht. Als Grund nannte er die anhaltende Blockade iranischer Häfen durch die USA. Der Iran gehe militärisch gegen die Schiffe vor, hieß es. Und dazu soll es laut einer Nachrichtenagentur auch gekommen sein.
Mindestens ein Schiff beschossen
Demnach haben die iranischen Revolutionsgarden nach der erneuten Schließung der Meerpassage auf mindestens ein Schiff geschossen. Wie die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) am Samstag mitteilte, berichtete der Kapitän eines Tankers von einem Angriff durch zwei Patrouillenboote der Revolutionsgarden nordöstlich von Oman. Der Tanker und die Besatzung seien in Sicherheit gewesen.
Auch für die „Mein Schiff 4“ der Hamburger Kreuzfahrtreederei Tui Cruises sei die Situation brenzlig gewesen: So erklärte die Sicherheitsfirma Vanguard Tech, die Revolutionsgarden hätten das ohne Passagiere fahrende Kreuzfahrtschiff beim Durchqueren der Straße von Hormus auf der Seite des Oman bedroht. Die Revolutionsgarden hätten laut dem Kapitän erklärt: „Wir führen einen Einsatz aus, wir werden schießen und euch zerstören.“
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Nahe des Schiffes sei ein Einschlag gemeldet worden, Schäden seien aber nicht gemeldet worden. Eine Unternehmenssprecherin wollte sich gegenüber der Nachrichtenagentur AFP nicht über die Bedrohung der „Mein Schiff 4“ äußern.
Abgesagte Tui-Kreuzfahrten finden doch statt
Wie Tui Cruises am Samstag mitteilte, hätten die „Mein Schiff 4“ und die „Mein Schiff 5“ die Orient-Region erfolgreich verlassen und würden sich nun auf dem Weg in Richtung Mittelmeer befinden. „Die vergangenen Wochen haben uns alle vor außergewöhnliche Herausforderungen gestellt“, so Wybcke Meier, CEO Tui Cruises. „Mein besonderer Dank gilt unseren Kapitänen, den Crews sowie allen Teams an Bord und an Land, die mit großer Professionalität, Umsicht und Einsatz dazu beigetragen haben, diese Situation zu bewältigen.“
Nach der Evakuierung der Passagiere waren nur noch kleine Crews an Bord verblieben. In Kapstadt und Malta soll die Crew dann aber vollständig an Bord gehen. Das bedeutet auch: Zwei zunächst abgesagte Kreuzfahrtreisen können nun doch stattfinden. Das betrifft die Kreuzfahrten im Mittelmeer Mitte Mai: für die „Mein Schiff 4“ ab 17. Mai in Triest und für die „Mein Schiff 5“ ab 15. Mai ab Heraklion.
Unsichere Lage hält an
Auch die „MSC Euribia“, die in Dubai festsaß, schaffte es „in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden“ aus der Meerenge, wie die Schweizer Gesellschaft MSC mitteilte. Die geplante Kreuzfahrt nach Nordeuropa mit Start ab Kiel am 16. Mai werde wie geplant stattfinden. „Gäste, deren Kreuzfahrten abgesagt wurden, haben die Möglichkeit, ihre Buchung auf diese Fahrt umzubuchen, falls sie dies wünschen“, hieß es von MSC. Die Gesellschaft wollte sie direkt kontaktieren.
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Nach Angaben des Schiffsdatendienstes MarineTraffic war das Kreuzfahrtschiff „Celestial Discovery“ – die ehemalige „Aida aura“ – am Freitag das erste, das seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar die Straße von Hormus durchquerte. Die unsichere Lage rund um die Meerenge hält indes an. (mp/afp/dpa)
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