Hamburg

Wenn Schnaps echt Charakter hat

Stephanie Döring präsentiert im Weinladen St. Pauli Rotwein Juno Magnum und Mehling Grauburgunder trocken.
Stephanie Döring (42) ist gefragte Sommelière und Weinhändlerin.

Warum Stephanie Döring den Kiez liebt, Helbing Kümmel verteidigt und findet, dass Hamburg seine Gastronomie endlich stärker fördern muss.

Stephanie Döring ist die Inhaberin der Bar „Weinladen St. Pauli“ und betreibt einen Online-Weinhandel. Die 42-Jährige mag Oke Göttlich, „Helbing Kümmel“ und den Kiez. Für die Gastro würde sie aber gerne einiges in Hamburg verändern.

1. Wenn Sie einen Tag alles in Hamburg entscheiden könnten, worum würden Sie sich kümmern? Ich würde der Gastronomie den roten Teppich ausrollen. Bürokratische Hürden abbauen und Außenflächen wie Parkbuchten oder breite Gehwege unkompliziert freigeben! In anderen Metropolen ist das Standard, Hamburg würde es einen Schub Lebensqualität verpassen.

2. An welchem Ort in Hamburg geht Ihnen das Herz auf? Auf der Terrasse vor dem „Salt & Silver“ in der St. Pauli Hafenstraße. Ein Sehnsuchtsort. Der Blick weitet sich hier in alle Richtungen – die Elbe rauf und runter, Richtung City und Richtung Welt. Dazu das fantastische Licht und das pure Leben in all seinen Facetten.

3. Wer ist Ihr Lieblingshamburger? Oke Göttlich. Er verkörpert den FC St. Pauli wie kaum ein anderer. Authentisch, nahbar und tief in der Kiez- und Musikkultur verwurzelt. Wenn er bei uns im Weinladen St. Pauli vorbeischaut, denke ich: Was für ein Glück, dass es noch Führungspersönlichkeiten mit Rückgrat gibt.

4. Welches Hamburg-Klischee bewegt Sie am meisten? Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit hat manchmal etwas Tragikomisches. Bestes Beispiel: das „Tor zur Welt“. Ein schöner Titel – aber die Hamburger:innen stehen am liebsten davor, bewundern das schöne Tor und vergessen dabei, dass es noch Innovationspotenzial gibt.

5. Welche Hamburger Spezialität ist für Sie unverzichtbar – und welche völlig überschätzt? Mein Favorit: Helbing Kümmel. Mit seiner feinen Würze und der dezenten Süße ist er für mich ein Stück Hamburg und hat Charakter. Überschätzt ist Hamburger Speck:  Sieht nett aus, ist aber letztlich nur klebriger Hype ohne echten Geschmack.

6. Welcher Hamburger Stadtteil ist der schönste? St. Pauli. Hier habe ich mit dem Weinladen mein Glück gefunden und großartige Menschen getroffen. Der Kiez ist gelebte Diversität – bunt, charmant, schonungslos und extrem liebenswert.

7. Welcher Charakterzug nervt Sie an sich selbst? Ich bin seit meiner frühen Jugend Gastgeberin aus tiefster Leidenschaft. Das sitzt so tief, dass es mir heute manchmal schwerfällt, einfach mal nur Gast zu sein und die Kontrolle abzugeben.

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