Wenn Schlachter außer Fleisch auch Pflanzen verwursten

Veganer Leberkäse
Der vegane Leberkäse der Stadtmetzgerei Bär, angerichtet auf dem Wiedingschen Küchentisch.

Passt das zusammen? Ein Schlachter, der pflanzliche Lebensmittel herstellt, der Tofuwurst neben Bierschinken anbietet? Der Erfolg von Matthias Bär gibt die Antwort: Es passt zusammen. Aus ganz Deutschland wird Pflanzenwurst bei dem Oberpfälzer bestellt. Gerne auch veganer Leberkäse.

Alles begann damit, dass Bär und seine Frau Jacqueline immer mal wieder Fleischalternativen gekauft haben. „Geschmacklich war das aber nicht das, was wir erwartet hatten“, sagt Matthias Bär, der die Stadtmetzgerei in Sulzbach-Rosenberg bei Nürnberg mit seinen Eltern, seiner Frau und seiner Schwester betreibt. Also setzte er sich selbst ran, zuerst an eine vegane Leberwurst, danach an den Aufschnitt.

„Vegane Wurst ist ein Konfrontationsthema“

„Es kam bei den Kunden so gut an“, sagt Bär, „dass wir weitergemacht haben.“ Es folgen pflanzliche Lyoner oder Aufschnitt mit frittiertem Tofuhack. Beim Leberkäse zögert Bär erst, weil es ein Traditionsprodukt ist. Und natürlich kennt er die Vorbehalte von Fleischessern. „Vegane Wurst ist ein Konfrontationsthema“, sagt er, um hinzuzufügen: „Jeder soll essen, was er möchte.“ So kam auch der vegane Leberkäse und mit ihm das Interesse von vegan lebenden Menschen aus ganz Deutschland – auch ich habe ihn schon mehrfach bestellt. Mit süßem Senf schmeckt er wie das tierische Original, zumindest nach meiner vagen Erinnerung.

Frank Wieding vor Teller mit Gras und Steinen
MOPO-Autor Frank Wieding (58) isst seit mehr als 40 Jahren kein Fleisch. Gras und Steine musste er trotzdem noch nie essen.

Aber es sind nicht nur einige Fleischesser, die maulen, wenn eine Metzgerei Pflanzenwurst verkauft. Auch viele Veganer tun sich schwer, in einer Metzgerei, die Tiere in Stücke zerteilt oder verwurstet, einzukaufen. Ich kann das gut verstehen, musste auch länger über das ethische Dilemma nachdenken, bevor ich meine Bestellung abschickte. Beginnt nicht genau so die Ernährungswende, wenn ausgerechnet Schlachter anfangen, Pflanzenwurst herzustellen?

Jackfood: Vegane Wurst vom Fleischer

Matthias Bär produziert mittlerweile an zwei Tagen die Woche vegane Wurst. Und hat die Marke Jackfood, in Anlehnung an den Namen seiner Frau, kreiert. Inzwischen gibt es die Produkte auch beim größten deutschen Vegan-Versand Velivery – der zum Fleischunternehmen Ponnath gehört. Und was plant Matthias Bär als nächstes? Er veganisiert das Heiligtum der Bayern – die Weißwurst.

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Bär ist längst nicht mehr alleine. Die Stadt-Fleischerei Bartsch in Oldenburg bietet unter anderem vegane Currywurst und Rostbratwurst an. In Großenkneten (Landkreis Oldenburg) sitzt Biofleisch Bakenhus, die veganen Pinkel und Aufschnitt anbieten. Passend zur Grünkohlsaison hat die Fleischerei Monse aus Oldenburg vegane Pinkelwurst. Und wer zu faul zum Selberkochen ist, bekommt auch zubereiteten veganen Grünkohl. Bouletten, Schnitzel und Currywurst, alles aus Erbsenprotein, hat die Schlachterei Lars Bode aus Bockenem (Landkreis Hildesheim) im Sortiment. Mit seinen mehr als 50 Mitarbeitern liefert er seine Erbsen-Produkte auch an Mensen und Kantinen – und der NDR widmete ihm in diesem Jahr eine Nordreportage, die es noch in der Mediathek gibt. Lars Bode ist sich sicher: „Wer könnte Fleischersatzprodukte besser machen als der Fleischer?“

Passt das zusammen? Ein Schlachter, der pflanzliche Lebensmittel herstellt, der Tofuwurst neben Bierschinken anbietet? Der Erfolg von Matthias Bär gibt die Antwort: Es passt zusammen. Aus ganz Deutschland wird Pflanzenwurst bei dem Oberpfälzer bestellt. Gerne auch veganer Leberkäse.