Hamburg
Weniger als erwartet: Övelgönner protestieren gegen Umbau der Elbchaussee
Die Elbchaussee soll für die Zukunft fit gemacht werden – dazu sollen rund 180 Parkplätze wegfallen. Anwohner demonstrieren gegen die Pläne der Stadt.
Sie seien keine Fahrradgegner, betonen die Demonstranten auf dem Schulberg, sie wollen vielmehr eine Lösung für alle Verkehrsteilnehmer. Wie genau die aussehen soll, bleibt an diesem Sonntagmittag offen. In der Hitze kamen deutlich weniger Teilnehmer als erwartet
Man kann es als Kulturkampf bezeichnen, was sich seit Monaten und Jahren zwischen Fahrradfahrern, Autoliebhabern und Anwohnern der Elbchaussee abspielt. Die Elbchaussee sei für Radler gefährlich, es brauche endlich sichere Radwege, sagen die einen. Ja schon, aber die Parkplätze an der Straße – legale und geduldete – dürfen dafür aber nicht geopfert werden, entgegnen die autofahrenden Anwohner.
Gebaut wird längst schon, zum Beispiel zwischen dem Rathaus Altona und dem Hohenzollernring. Der Abschnitt, der seit Monaten für den Autoverkehr gesperrt ist, soll nach dem ursprünglichen Zeitplan noch im Sommer freigegeben werden.
Das kritisieren die Anwohner an den Umbau-Plänen
Demnächst nähern sich die Bagger dem Schulberg oberhalb der „Strandperle“ und des „Ahoi Strandkiosk“. Hier oben befindet sich, neben der Himmelsleiter, einer von nur zwei Zugängen runter zu den beiden Gastronomiebetrieben. Auch „Strandperle“-Inhaberin Pia Fintelmann und „Strandkiosk“-Geschäftsführer Fatmir Rusani, Anwohner der Straße Övelgönne unterhalb der Elbchaussee, machen ihrem Ärger auf der Demonstration am Sonntag Luft.
„Wer hier wohnt, legt einen großen Teil seines Weges zu Fuß zurück“, so Fintelmann, verweist auf den vor allem für mobilitätseingeschränkte Menschen durchaus beschwerlichen Aufstieg von unten zur Elbchaussee. „Es geht uns darum, dass Övelgönne auch künftig für alle erreichbar bleibt.“ Und: „Diese Veranstaltung richtet sich nicht gegen den Radverkehr, wir wünschen uns alle sicherere Radwege.“ Der aktuell geplante Radweg-Ausbau, in dessen Zuge, so die Initiative „Rettet die Elbchaussee“, etwa 180 Parkplätze (offizielle und geduldete) wegfallen sollen, sei nicht der richtige Weg.
Fatmir Rusani erklärt, seine Familie lebe nach der Geburt des Kindes, das er und seine Frau erwarten, in dritter Generation an der Straße Övelgönne. „Meine Eltern sind beide über 70. Ich frage mich, wie sie und bald auch wir mit Kinderwagen noch gut an unser Haus rankommen sollen, wenn die Parkplätze alle wegfallen.“ Er berichtet, dass er für die Besorgungen für sich, seine Eltern und den Strandkiosk oft mehrmals am Tag unterwegs sei und nicht wisse, wie er das ohne Parkplatz bestreiten solle.
750 Teilnehmer zur Demonstration erwartet, 100 kamen
Die Initiative „Rettet die Elbchaussee“, die die Demonstration unter dem Namen „Ein Herz für Övelgönne“ ins Leben gerufen hatte, betont auch, wie wichtig die Parkplätze für Pflegedienste und Ärzte, Handwerker und Paketboten seien. „Das Naherholungsgebiet Elbstrand mit seinen vielen Ausflüglern und den Bewohnern Övelgönnes darf von seiner Lebensader Elbchaussee nicht abgeschnitten werden“, sagen sie.
Erwartet hatte man etwa 750 Demo-Teilnehmer, gekommen waren etwa 100. Darunter waren vor allem Anwohner. Und Oliver Dietzmann von der Interessensgemeinschaft Blankenese betont, dass man vor allem an den Entscheidungen beteiligt werden wolle: „Die Verkehrsbehörde soll den Planungen noch ein paar Monate mehr geben, damit eine sinnvolle Lösung gefunden werden kann, die alle mitnimmt. Wir brauchen gemeinsame Lösungen.“
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