Die Markise des „Café Uhrlaub“ erstrahlt in Regenbogen-Farben.

Die Markise des „Café Uhrlaub“ erstrahlt in Regenbogen-Farben. Foto: Florian Quandt

Hasswelle wegen Regenbogen-Markise geht weiter – eines schockiert das Team besonders

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Sie soll eigentlich für Liebe und Toleranz stehen: Doch seit das „Café Uhrlaub“ an der Langen Reihe eine Regenbogen-Markise hat, hagelt es Hass-Kommentare. Der Inhaber hält dagegen, strich danach auch die Bänke und Tische im Außenbereich kunterbunt an. Die Welle der hässlichen Nachrichten reißt nicht ab. Eines entsetzt das Café-Team dabei ganz besonders.

Stolz postete Inhaber Sherzad Hossin im Februar Fotos seiner neuen Regenbogen-Markise auf Social Media – und erntet seitdem Hass. Seit 2014 betreibt der 38-Jährige das „Café Uhrlaub“ in der Langen Reihe 63 (St. Georg). Hier gibt es Frühstück, deutsche Hausmannskost und Kuchen. Das Café ist, wie viele Läden in dem Viertel, ein besonders beliebter Treffpunkt queerer Gäste. Genau deshalb wählte Sherzad Hossin auch die knallbunte Markise.

Wegen Regenbogen-Markise des „Café Uhrlaub“: Hass-Kommentare reißen nicht ab

Hass-Kommentare erreichen das Café-Team auch weiterhin bei Social Media. Es sind Kommentare wie „Da würde ich mich nicht mal für Geld hinsetzen“, „Alles ist schöner ohne diesen Regenbogen-Zauber“, „Du bist ein Niemand“, „Guck dir deinen Drecksladen mal an“ oder auch „Diese Seuche muss abgeschafft werden, sofort“.

Lassen sich nicht unterkriegen: Inhaber Sherzad Hossin (38, l.) und Servicemitarbeiter Jens Weber (47, l.). Florian Quandt
Lassen sich nicht unterkriegen: Inhaber Sherzad Hossin (38, l.) und Servicemitarbeiter Jens Weber (47, l.).
Lassen sich nicht unterkriegen: Inhaber Sherzad Hossin (38, l.) und Servicemitarbeiter Jens Weber (47, l.).

Doch eines treffe Sherzad Hossin und sein Team ganz besonders: „Was mich echt traurig macht, ist, dass sogar aus der eigenen Community Gegenwind kommt“, schreibt Hossin bei Instagram. Queere Menschen würden ihm vorwerfen, „jedem die Regenbogenfarben aufzudrängen“. Sie würden es als „zu viel“ und „übertrieben“ bezeichnen, wenn im Café alles bunt ist und er oft neue Videos und Statements postet. „Aber glaubt mir – das ist es nicht. Ich sehe jeden Tag die Nachrichten. Den Hass“, schreibt er dazu. „Und genau deswegen mache ich weiter.“

Auch die Tische und Bänke vor dem „Café Uhrlaub“ haben nun Regenbogen-Farben. hfr
Auch die Tische und Bänke vor dem „Café Uhrlaub“ haben nun Regenbogen-Farben.
Auch die Tische und Bänke vor dem „Café Uhrlaub“ haben nun Regenbogen-Farben.

„Es kommt tatsächlich vor, dass wir Kritik aus den eigenen Reihen bekommen“, sagt auch Jens Weber (47), Servicekraft im „Café Uhrlaub“ zur MOPO. „Das ist natürlich besonders schade.“ Denn: „Leider sind hier rund um die Lange Reihe schon viele schwul-lesbische Cafés und Bars verschwunden. Wir wollen sichtbar bleiben.“ Auch juristisch gehe das Team gegen die Verfasser der Hass-Kommentare vor.

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Die gute Nachricht: Trotz allem würden die positiven Reaktionen überwiegen, vor allem im realen Leben. Gäste schreiben Briefe, hinterlassen selbst bemalte Steine mit Sprüchen wie „Bunt statt blöd“, schenken Fähnchen und Servietten in Regenbogenfarben. Auch deshalb nennt Sherzad Hossin sein „Café Uhrlaub“ mittlerweile das „bunteste Café Deutschlands“.

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