„Weg mit der braunen Scheiße“: Riesen-Erfolg für Hundekotbeutel gegen rechts

'Weg mit der braunen Scheiße - Hunde kacken gegen rechts': Sabrina Altenberend (45), hier mit Hund „Woody“, ist der Kopf hinter den Kotbeuteln mit politischer Botschaft.
„Weg mit der braunen Scheiße – Hunde kacken gegen rechts“: Sabrina Altenberend (45), hier mit Hund „Woody“, ist der Kopf hinter den Kotbeuteln mit politischer Botschaft.

Ein kleines, ärgerliches Loch in einem Hundekotbeutel wurde für Sabrina Altenberend aus Ottensen zu einem Projekt mit ungeahnten Ausmaßen. Zwei Monate nach dem Start ihrer Aktion „Weg mit der braunen Scheiße – Hunde kacken gegen rechts“ hat die Hamburgerin Hundebeutel und Sticker mit entsprechenden Schriftzügen ins gesamte Bundesgebiet und sogar ins Ausland verkauft – und ihr E-Mail-Postfach steht nicht still. Welche schönen Geschichten sie auf dem Weg schon erlebt hat, warum die Aktion aus ihrer Sicht so wichtig ist und was sie als Nächstes plant, hat sie im Gespräch mit der MOPO erzählt.

Langsam, aber sicher haben sich die Sticker und Gassibeutel unter vielen Hundebesitzern in Hamburg verteilt: Braun sind sie, darauf die weiße Aufschrift „Weg mit der braunen Scheiße. Hunde kacken gegen rechts“. „Meine Freunde haben mir gesagt, ich sei verrückt“, berichtet Sabrina Altenberend, die hauptberuflich in Vollzeit als Trauerbegleiterin arbeitet. „Aber ich musste ins Handeln kommen und endlich etwas tun, weil es gerade immer ernster, unruhiger und bedenklicher in unserer Gesellschaft wird. Also habe ich meine Ersparnisse aufgekündigt und 250.000 Beutel bestellt“. Die Idee für Hundebeutel kam ihr, als sie beim Aufsammeln der Hinterlassenschaften ihres Pflegehundes durch ein Loch genau in die braune Scheiße griff.

Diese Hundebeutel gibt es mittlerweile auch im Ausland

Schon kurz, nachdem sie die ersten Beutel am Altonaer Balkon und im Jenischpark aufgehängt hatte, meldete sich eine Kaufinteressentin aus Bremen, berichtet die 45-Jährige. Seitdem erhält sie per E-Mail und Instagram unzählige Anfragen aus ganz Deutschland, mittlerweile sogar aus der Schweiz, Österreich, Luxemburg, Spanien und England. Eine Karte auf ihrer Webseite zeigt, dass die Beutel mittlerweile in 315 Städten und Orten in Europa gesichtet und damit 13.200 Kilogramm „Stoffwechselendprodukte“ aufgesammelt wurden. Die erste Viertelmillion Beutel ist nach dem „Pay What You Want“-Prinzip bereits vergriffen, weitere 1,5 Millionen sind bei Sabrina Altenberend angekommen. Auch die Sticker finden viele Abnehmer, wie Bilder auf Instagram und ihrer Homepage zeigen.

„Die Anfragen sind unheimlich süß und teilweise aus der Hundesicht geschrieben“, berichtet die Hamburgerin. „Da kommt zum Beispiel ,Wir wollen unser Häufchen beitragen‘ oder ,Noch nie war Scheißen so schön‘. Eine Kundin hat mit einem Augenzwinkern geschrieben, dass sie ihrem Hund jetzt die doppelte Ration gibt, damit er mehr kackt.“

Altenberend vermutet, dass die Aktion so gut funktioniert, weil sie den Menschen auf niedrigschwellige Weise etwas von ihrer Ohnmacht angesichts des Rechtsrucks in Deutschland nimmt. Und sie bringe Menschen zusammen, weil sie zu Gesprächen anregt. „Hunde gehen auch mit Respekt und Neugier aufeinander zu. Das sollten wir uns abschauen.“

Sabrina Altenberend kommt mit den Hundebeuteln kaum noch hinterher

Mittlerweile gibt es ein kleines Team, das die Ottenserin unterstützt, weil sie mit der Arbeit nach Feierabend und an den Wochenenden nicht mehr hinterherkommt. Seit dieser Woche managt ein Team der Alsterwerkstätten den kleinen Online-Shop, den sie sich aufgebaut hat, und kümmert sich um den Versand. „Ich musste eine Gesellschaft anmelden und jetzt ist der Plan, dass sich die Beutel selbst finanzieren. Ich will daraus keinen Profit schlagen“, sagt Sabrina Altenberend.

Besonders berührt hat die 45-Jährige die Nachricht von einer Frau aus Sachsen: „Sie schrieb, dass sie schon seit langer Zeit wegen ihrer Angstzustände das Haus nicht mehr verlassen hat. Als sie von unserer Aktion erfahren hat, hat sie sich zum ersten Mal wieder bis an den Gartenzaun getraut, um Beutel aufzuhängen. Immer, wenn ich wegen der Ausmaße der Aktion Schnappatmung bekomme, denke ich daran, weil es mich sehr motiviert.“

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Für die nächsten Wochen hat Sabrina Altenberend noch neues Merchandise geplant, vielleicht Pullover oder Halstücher für Hunde mit der Aufschrift „Ich kacke gegen rechts“. „Da kann man noch so viel machen!“