Was Weidel und Trump zum Rotieren bringt: 13 erstaunliche Fakten zur Windkraft
Die ersten modernen Windräder stehen in Deutschland seit 1983. Trotzdem haben Demagogen wie Alice Weidel („Windräder der Schande abreißen“) und Donald Trump („Windturbinen sind ökonomisches Desaster“) sie als plakatives Sinn- und Feindbild moderner Umweltpolitik auserkoren: Die Rotoren sind wieder in aller Munde.
1. Hier boomt die Industrie: Schwächelnde deutsche Industrie? Nicht beim Wind. Deutschland ist nach China und den USA weltweit auf Platz drei bei der installierten Leistung. Allein an Land stehen 28.766 Anlagen.
2. Viele Arbeitskräfte, wenig Strom: Hamburg ist als Stadtstaat Importeur von Windenergie – der Platz reicht einfach nicht – und produziert mit seinen 68 Anlagen nur 2,5 Prozent seines Strombedarfs mit Wind. Trotzdem arbeiten laut Branchenverband BWE in der Metropolregion Hamburg 25.000 Menschen in rund 1500 Unternehmen in der regenerativen Energiewirtschaft, größtenteils im Bereich Windenergie.
3. Hamburgs Wind vom Berg: Viel Wind gibt es in luftigen Höhen, und auch in Hamburg drehen sich Rotoren auf einem kleinen Berg, ähm Hügel: Auf dem 40 Meter hohen Energieberg in Georgswerder produzieren Windräder Strom, wo die Hamburger zuvor jahrzehntelang ihren Giftmüll hingekippt haben.
4. Warum es nachts auf der leeren A1 staut: Beklagt wird oft der Ausbau-Stau bei der Windenergie. Aber auch Ausbau sorgt in Hamburg für Stau. Denn große Windräder müssen als Schwerlasttransport über die marode Norderelbbrücke. Dafür werden die Transporte gebündelt, und es kommt in solchen Transportnächten zu vier bis fünf Sperrungen auf der A1.
5. Zentimeterarbeit im Elbtunnel: Eine Handbreit Wasser unterm Kiel oder eine Handbreit Luft überm Blatt: Nur 29 Zentimeter Platz zur Decke waren bei einem Probetransport eines großen Rotorblatts durch den Elbtunnel im Oktober 2024. Zwar sollen auch künftig Anlagen über die A7 transportiert werden, aber bei dieser Feinstarbeit wird es erst einmal die Ausnahme bleiben.
6. Ein Rad macht mächtig Wind: Ein einziges modernes Windrad kann ungefähr 3000 Haushalte mit sauberem Strom versorgen. Um die gleiche Menge zu produzieren, brauchte man vor 20 Jahren noch zehn Windenergieanlagen.
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7. Der Energieanteil: Im windigen Februar 2024 produzierten Windräder den Rekordwert von 44,3 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms. Im Schnitt stammt ein Drittel des in Deutschland erzeugten Stroms mittlerweile aus Windenergie. Mit Wind könnten rechnerisch knapp 40 Millionen deutsche Haushalte mit Strom versorgt werden.
8. Der Giraffen-Effekt: Wie beim Kopf der Giraffe ist die Gondel eines Windrades viel größer, als sie von unten aussieht. Große Gondeln sind größer als ein Haus, durchschnittliche wiegen 50 bis 70 Tonnen. Rotoren sind teils so lang wie ein Fußballfeld: Offshore-Anlagen haben rund 107 Meter lange Blätter. An Land sind viele zwischen 35 bis 50 Meter lang und an der breitesten Stelle vier bis sechs Meter breit.
9. Volles Fitness-Programm: Windkrafttechniker müssen Ausdauer und Muskeln besitzen. Denn die wenigsten der rund 200 Meter hohen Anlagen haben Fahrstühle, und so müssen die Mitarbeiter über Steigleitern und Treppen zur Gondel steigen, wenn etwas repariert werden muss.
10. Offshore-Park könnte ganz Hamburg versorgen: 900.000 Haushalte sollen bald vom größten Offshore-Windpark in der deutschen Nordsee versorgt werden, bei dem gerade der letzte Rotor montiert wurde.
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11. Flügelschlagen im Schutzgebiet: Windenergie in Schutzgebieten ist in Hamburg kein Tabu mehr. Der Senat hat Gebiete in der Sülldorfer und Rissener Feldmark, an der Dove Elbe und mehr ausgewiesen. Bürger protestieren. Umweltverbände sind nicht grundsätzlich gegen Windenergie, aber sehen an bestimmten Standorten Gefahren. Beim Nabu heißt es: „Windkraftanlagen gehören nicht an Gewässer oder in Wälder, weil es hier zu den meisten Unfällen mit Vögeln oder Fledermäusen kommt.“
12. Ämter rotieren zu wenig: „Uns werden viele Steine in den Weg gelegt“, sagt Jens Heidorn, Hamburger Vize-Chef des Bundesverbandes Windenergie e.V., über die zähen Genehmigungsverfahren in der Hansestadt. Er schätzt: „Grundsätzlich könnte die Stromproduktion aus Wind hier verdreifacht werden.“ Aber vor allem durch den Bau größerer Anlagen und durch Repowering (Vergrößerung) von Anlagen.
13. Geschichte wiederholt sich: Wie heute Weidel und Trump kämpfte vor mehr als 400 Jahren schon einmal jemand gegen Windmühlen. Der „Ritter von der traurigen Gestalt“ Don Quijote. Im Roman von Cervantes legt der törichte verhinderte Held sich dann auch noch mit einer Hammelherde und Weinschläuchen an und wird am Ende im Käfig auf einem Ochsenkarren in seine Heimat zurückgebracht.