Was ist das denn? Stadtteil schmunzelt über diesen Nackedei
Geht man die Poolstraße entlang, guckt man beim Schaufenster des Schmuckgeschäfts von Jonathan Johnson vermutlich zweimal hin. Was, bitte, ist das denn? In der Auslage ist ein liegender nackter Mann zu sehen. Aus Plüsch. Diese ungewöhnliche Deko hat auch etwas mit Donald Trump zu tun.
Der Mann im Schaufenster hat wuschelige Haare, einen dunklen Schnurrbart, kräftiges Brusthaar und einen Plüsch-Penis. Er stützt seinen Kopf in die Hand und liegt auf der Seite. Goldschmied Oliver Pfeiffer alias Jonathan Johnson (48) hat die Puppe von der befreundeten Berliner Künstlerin Micki Tschur ersteigert. Das Kunstwerk heißt Burt Reynolds, es ist eine eine Hommage an den gleichnamigen US-Schauspieler, der in den 70er und 80er Jahren durch seine Filme zur Action-Ikone wurde.
Die Geschichte der Puppe begann 1911
Und für noch etwas ist er berühmt: Er ließ sich als einer der ersten Männer nackt ablichten, seitlich auf einem Bärenfell liegend. Das Foto erschien 1972 als Ausklapp-Bild in der „Cosmopolitan“ und schlug große Wellen. Über Nacht wurde Reynolds damit zum Sexsymbol.
Die Künstlerin Micki Tschur fertigte die Puppe nicht nur als Hommage an den US-Schauspieler, sondern auch als künstlerische und feministische Antwort auf eine deutliche ältere Puppe an. 1911 traf der Künstler Oskar Kokoschka die wenige Jahre ältere Komponistin Alma Mahler. Sie verliebten sich, sie wurde seine Muse und war Inspiration vieler seiner späteren Bilder.
Oskar Kokoschka fertigte Puppe seiner Geliebten an
Nachdem sich Alma Mahler von dem krankhaft eifersüchtigen Künstler trennte, ließ er eine lebensgroße Puppe von ihr herstellen, sogar mit echtem Menschenhaar. Er ging sogar soweit, sie mit sich in Cafés zu nehmen. Die Burt-Puppe soll demnach ein Gegenstück zu der Version von Kokoschka sein.
Und was sagen die Passanten, wenn sie den Plüsch-Burt erblicken? „Es gab natürlich auch Leute, die an unserem Schaufenster entrüstet stehen geblieben sind und meinten, dass das so nicht in Ordnung sei. Aber die meisten reagieren positiv“, erzählt Oliver Pfeiffer.
Der Wahl-Hamburger ersteigerte die Puppe im November 2024. „Zum derzeitigen Zeitpunkt nach der US-Wahl war es uns wichtig, eine weichere Form von Männlichkeit in Form der Puppe in unserem Schaufenster zu haben. Nackt, ungefährlich und mit Humor.“
Die Marke Jonathan Johnson verbindet Schmuck mit Aktivismus. In verschiedenen Kollektionen beschäftigt sich Oliver Pfeiffer mit den Themen Liebe, Hass, Doppelmoral, Feminismus und Antifaschismus. Seinen Unmut und seine Frustration wegen aktueller politischer Geschehnisse verarbeitet er in seiner Kunst.
Das könnte Sie auch interessieren: „Comics können auch ernste Geschichten erzählen und politisch sein”
„Gerade in düsteren Zeiten, versuche ich etwas Weiches und Absurdes in mein Schaufenster zu bringen“, sagt er. Absurde Zeiten würden absurde Maßnahmen erfordern. Und so liegt der Plüsch-Bart nun im Schaufenster und erheitert die Passanten. Und dort bleibt er auch liegen – zu verkaufen ist die Puppe nicht.