Was die nächste Signa-Pleite für den Hamburger Elbtower bedeutet
Verloren stehen die roten Kräne rund um die verwaiste Elbtower-Baustelle in der HafenCity: Die Firma, die mit dem Rohbau beauftragt ist, hat die Arbeiten vor zwei Monaten aufgrund fehlender Zahlungen der strauchelnden Signa-Gruppe eingestellt. Am Donnerstag reichten jetzt deren zwei wichtigste Immobiliengesellschaften Insolvenzanträge ein. Was bedeutet das für Hamburgs umstrittenstes Hochbau-Projekt – könnte jetzt tatsächlich Bewegung in die Sache kommen?
Es war abzusehen – und doch ist es ein weiterer Paukenschlag: Die Signa Development AG und die Signa Prime Selection AG haben beim Handelsgericht Wien die Eröffnung von Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt.
Elbtower gehört zum Portfolio der Signa Prime Selection
„Es ist bekannt, dass sich im Immobilienbereich in den vergangenen Monaten externe Faktoren negativ auf die Geschäftsentwicklung ausgewirkt haben“, hieß es in der Insolvenzerklärung. Tatsächlich war das nur eine Frage der Zeit, nachdem die Muttergesellschaft Signa Holding bereits Anfang Dezember Insolvenz beantragt hatte und sich die Firmen des wankenden Immobilien-Geflechts von René Benko alle gegenseitig mit Geld beleihen.
Die Prime ist nach Unternehmensangaben „die größte Gesellschaft im Immobilienbereich von Signa“. Erst vor kurzem war deren Chef Timo Herzberg fristlos entlassen worden – die Vorwürfe: Vetternwirtschaft und Vorteilsnahme. Zum Portfolio gehören die abgerissene Gänsemarkt-Passage, die Alsterarkaden – und eben auch der Elbtower.
Welche Rolle spielt die Signa Prime beim Elbtower?
Trotzdem sieht man sich bei der Hamburger Baubehörde weiterhin als nicht betroffen. Denn das Bauprojekt Elbtower ist nicht direkt in der Prime, sondern in einer ihrer Tochterfirmen, der Elbtower Immobilien GmbH, angesiedelt. Man beobachte die Situation aufmerksam, sodass gegebenenfalls weitere Schritte eingeleitet werden könnten, heißt es umständlich auf MOPO-Nachfrage.
Die Insolvenz besagter Tochterfirma dürfte aber nicht in weiter Ferne liegen. Denn die Prime ist selbst Partei des Elbtower-Kaufvertrags und in der Rolle der Patronatsgeberin. Heißt vereinfacht: Sie ist dazu verpflichtet, ihre Tochter finanziell auszustatten.
Eine andere Tochtergesellschaft der Prime, die Flüggerhöfe GmbH, hat zudem am Donnerstag schon einen Insolvenzantrag gestellt: Bei dem Gebäudeensemble am Rödingsmarkt in der Altstadt wurden die Arbeiten ebenfalls Ende Oktober eingestellt.
Signa-Pleite: Was wird jetzt aus dem Hamburger Elbtower?
Eine Insolvenz könnte aber auch Bewegung in das Elbtower-Projekt bringen: „Solange Unklarheit über die Zukunft der Signa Prime beziehungsweise Signa Prime Selection GmbH herrscht, wird da wohl nichts passieren“, sagte Commerz-Real-Chef Henning Koch kurz vor Weihnachten im „Handelsblatt“. Wenn sich die Dinge sortierten, könnte aber zügig ein Neustart erfolgen.
Der Senat erklärte bereits, dass die Stadt im Falle einer Insolvenz das Elbtower-Grundstück zurückerhalte. Dann gäbe es drei Möglichkeiten: Abriss, Weiterbau mit neuem Investor oder Hamburg springt selbst ein. Letzteres ist aber sehr unwahrscheinlich. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte staatliche Finanzhilfen bereits ausgeschlossen. Das Motto: Keine weitere Elphi!
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So ganz sicher scheint der Rückkauf allerdings nicht: Die „Zeit“ berichtete vor Kurzem über eine Klausel im Elbtower-Vertrag: Das Wiederkaufsrecht greife erst, wenn die Insolvenz „innerhalb eines Jahres nach Fertigstellung“ eintritt“, heißt es demnach.
„Kein Cent Steuergeld für diesen Pleite-Turm“, forderte die Linken-Politikerin Heike Sudmann. „Dabei ist es ganz egal, ob sich ein Herr Kühne oder andere Investoren als Retter andienen wollen. Rot-Grün hat die ganze Zeit auf das Prinzip Hoffnung gesetzt nach dem Motto ,wird schon gut gehen‘. Es ist aber nicht gut gegangen.“