Eine Frau hängt Wäsche auf

Besonders junge Frauen sind dem Mythos zufolge gefährdet. Foto: IMAGO / Westend61

Warum Sie zwischen Weihnachten und Neujahr keine Wäsche waschen sollten

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Weder Tattoos noch freizügige Kleidung oder Outings jeglicher Art könnten meine Oma schocken, für ein Kind der Nachkriegsgeneration ist sie ausgesprochen modern. Dennoch fiel sie aus allen Wolken, nachdem ich beiläufig fallen ließ, wie viel Kleidung ich nach Weihnachten noch zu waschen habe. Bitterernst warnte sie mich davor, zwischen den Jahren die Waschmaschine anzuschmeißen, die fürchterlichsten Dinge könnten dann passieren. Es geht um Geister, das Jenseits und tote Familienmitglieder – ein Aberglaube, der in einer aufgeklärten Gesellschaft bemerkenswert weit verbreitet ist.

Kommentare unter Instagram-Posts zu dem Thema zeigen, dass die Angst nicht nur bei Omas und (Schwieger-)Müttern, sondern auch in der jungen Generation im deutschsprachigen Raum tief verwurzelt ist. „Die Wäsche nicht draußen hängen lassen, weil sich sonst die wilde Jagd darin verfängt… Ich halte mich tatsächlich daran!“, steht da zum Beispiel.

Aberglaube verbietet Wäschewaschen zwischen den Jahren

Auch wird deutlich, dass es vom Wäsche-waschen-Mythos verschiedene Ausführungen gibt: Da gibt es die Mitglieder der Esoteriker-Fraktion, die richtig tief drinstecken und überzeugt sind, dass in den Raunächten (25. Dezember bis 6. Januar) die Grenzen zwischen Diesseits und Jenseits verwischen und noch mehr Geister unterwegs sind als sonst. Letztere führen in den zwölf Nächten eine „Wilde Jagd“ am Himmel durch und könnten sich in der aufgehängten Wäsche verfangen – so schrieb es schon Jacob Grimm in seiner „Deutschen Mythologie“. Deren Erscheinungsjahr ist nun aber auch schon 190 Jahre her.

Besonders hartnäckig und seit vielen Generationen hält sich zudem die Überzeugung der „normalen“ Abergläubigen (zu denen wohl auch meine Oma gehört), dass (insbesondere weiße) Bettlaken, die zwischen Weihnachten und dem 6. Januar draußen aufgehängt werden, von den Geistern als Leichentücher genutzt werden, in die sie im kommenden Jahr dann wahlweise die Person, die sie aufgehängt hat, oder eines ihrer Familienmitglieder wickeln werden, das sie vorher umgebracht haben.

Ein bisschen Sexismus ist auch Teil des Aberglaubens: Eine Version besagt, dass junge Frauen (oder wahlweise Jungfrauen) die „wilden Reiter“ anlocken, wenn sie weiße Wäsche zwischen den Jahren aufhängen – also vergewaltigt werden.

Genervte Hausfrauen – und andere Aberglauben

Wem inzwischen ganz schaurig zumute ist, der kann sich entspannen: Ziemlich wahrscheinlich war der ganze Aberglaube eine Erfindung genervter Hausfrauen, denn noch vor zweihundert Jahren war Wäschewaschen eine mühselige, oft Tage dauernde Prozedur, vor der sie wenigstens zwischen Weihnachten und Neujahr mal ihre Ruhe haben wollten.

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Dennoch: Der Jahreswechsel ist eine mit vielen Erzählungen, Bräuchen und auch Ängsten besetzte Zeit. Das beginnt mit dem Verbrennen von Feuerwerk, das ursprünglich dazu gedacht war, die bösen Geister des Vorjahres durch Krach und Lichter zu vertreiben und frisch ins neue Jahr zu starten. Und da ist noch mehr Aberglaube: Ein volles Portemonnaie zu Silvester steht für finanzielles Glück im neuen Jahr, ein Schwein steht für Glück, Reichtum, Fruchtbarkeit, Linsen für Wohlstand, Karpfen und Trauben stehen für Glück. Schuhe oder Möbel zu verrücken, bringt Unruhe oder Unglück ins Haus, und das traditionelle Bleigießen schließlich kann angeblich die „Zukunft voraussagen“.

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