Warum die Beatles aus diesem Hamburger Club flogen – und ein Kondom anzündeten
Die Geschichte der Beatles ist untrennbar mit der Reeperbahn verbunden – die einen wären möglicherweise niemals so erfolgreich geworden, wären sie nicht so häufig für Hungerlöhne auf dem Kiez aufgetreten, die andere zehrt noch heute vom Mythos der Band. Besonders das „Indra“ (Große Freiheit 64), in dem die Briten ganze 48 Nächte in Folge auftraten – und letztendlich hochkant aus dem Club flogen. Dessen heutiger Inhaber Samuel Michalak hat der MOPO berichtet, warum er nicht nur von dem Erbe der Band profitiert.
Michalak, der von allen nur Sam genannt wird, weiß, wie man einen Musikclub in wirtschaftlich schwierigen Zeiten über Wasser hält – auch wenn er zugibt, dass es nicht gerade rosig aussieht. „Solange man mit der Zeit geht, kann man es schaffen. Gift ist eine ,Das haben wir schon immer so gemacht‘-Einstellung“. So steht bei ihm seit neuestem eine große Auswahl alkoholfreier Cocktails auf der Karte – für gesundheitsbewusste Gäste. Er führt das Indra seit dem Ende der Corona-Pandemie.
„Indra“-Chef setzte die Polizei auf die Beatles an
1950 gegründet, ist uns das „Indra“ heute vor allem durch die aufeinanderfolgenden 48 Auftritte vertraut, die die Beatles dort im Jahr 1960 gaben. Damals noch unbekannt, spielten sie bis zu sieben Stunden pro Nacht für eine richtig miese Bezahlung. Sie schliefen in einer fensterlosen Kammer im nahegelegenen „Bambi Filmtheater“ und parallel zu ihren Auftritten liefen Strip-Shows, sodass sie – vorsichtig formuliert – nicht immer die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums erhielten.
Nachdem die Beatles einen Vertrag mit dem Konkurrenten „Top Ten Club“ unterschrieben hatten, wurde der damalige „Indra“-Besitzer Bruno Koschmider sauer und setzte die Polizei auf die Gruppe an. Daraufhin wurde Bandmitglied George Harrison aus Deutschland ausgewiesen, da er als 17-Jähriger gar nicht hätte auftreten dürfen.
Wo St. Pauli noch wie früher ist
Vor 400 Jahren zogen Seilmacher, die man „Reepschläger“ nannte, dorthin, wo sich später Bordelle an Musikclubs und urige Kneipen reihten. Sie brauchten eine lange, gerade Bahn, auf der sie ihr Handwerk ausüben konnten. Und das war für die Seefahrt ganz und gar unverzichtbar. So gaben sie der Straße den Namen, den sie heute noch trägt: Reeperbahn. Viel hat sich verändert in den vergangenen vier Jahrhunderten, besonders im letzten, dem der Kiez seinen Ruf der verruchten Meile verdankt und in dem zuletzt viel von Niedergang die Rede war. Aber zwischen den vielen neuen Kiosken und Supermärkten gibt es sie noch: Läden, die den Ruf der Meile als legendärer Feierort begründet haben, an dem einst sogar die Beatles groß wurden. Die MOPO hat die Menschen dort gefragt, wie viel von der alten Reeperbahn noch übrig ist, was sich verändert hat und welche Entwicklung Hamburgs bekanntester Straße zum Verhängnis werden könnte.
Paul McCartney und Pete Best mussten ihm wenig später zurück nach England folgen: Sie zündeten kurz vor ihrer Abreise ein Kondom in ihrer Unterkunft an – ihren Angaben zufolge als Lichtquelle. Es ging für eine Nacht in die Davidwache und anschließend zurück nach Hause. Im Jahr 1961 kamen die Beatles wieder nach Hamburg und gaben ihre legendären Konzerte unter anderem im „Top Ten Club“, im „Kaiserkeller“ und im „Star-Club“. Auch ins „Indra“ kehrten sie wieder zurück, nachdem alle Beteiligten sich ein wenig abkühlen konnten.
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Wohlhabend macht das Beatles-Erbe Samuel Michalak nicht: „Ich habe hier viele Touristen, die nur mal schnell ein Foto machen wollen. Etwas trinken oder zu einem Konzert kommen wollen sie nicht – stattdessen kam es schon vor, dass diese Rundgänge unsere Gigs gestört haben. Ich freue mich über die mit den Beatles verbundene Historie, aber ich bin kein Museum.“