Warum Autofahren bald deutlich langsamer in Hamburg wird
Im Schnitt kracht es auf Hamburgs Straßen 175 Mal pro Tag – häufig, weil zu schnell gefahren wird oder der Abstand nicht stimmt. Genau diese Zahlen legte die Polizei bei einer Pressekonferenz auf den Tisch – und kündigte an, die Kontrollen im Stadtgebiet deutlich zu verschärfen. Aber wie schnell sind Hamburgs Autofahrer in der Stadt wirklich unterwegs? In ein paar Jahren könnte dieser Wert jedenfalls drastisch sinken.
„Wir werden die Überwachung verstärken, vor allem bei der Geschwindigkeitskontrolle“, sagte Thomas Model, Leiter der Verkehrsdirektion. Denn überhöhte Geschwindigkeit sei immer noch die Unfallursache Nummer 1 in der Hansestadt.
So viele Autos werden in Hamburg täglich geblitzt
Schon heute hat Hamburg den Beinamen „Blitzerhauptstadt“: Die Polizei nutzt derzeit 48 fest installierte und 20 mobile Blitzgeräte. Letztere werden für den Überraschungseffekt immer wieder woanders im Stadtgebiet aufgestellt. Pro Tag schießen die Geräte im Schnitt rund 2500 unliebsame Erinnerungsfotos für Autofahrer. „Es wird immer noch zu schnell gefahren in dieser Stadt, obwohl es die Baustellen-Situation gibt“, bilanzierte Polizeivizepräsident Mirko Streiber.
Laut Inrix-Daten der Verkehrsbehörde waren Hamburgs Autofahrer an einem Werktag im Jahr 2025 im Schnitt mit 37,7 km/h unterwegs. Nachts stieg die durchschnittliche Geschwindigkeit naturgemäß an auf durchschnittlich 43,4 km/h, während sie in den Stoßzeiten auf 32 bis 33 km/h sank. Seit 2020 pendelte die durchschnittliche Geschwindigkeit an einem Werktag zwischen 39,7 km/h und 37,7 km/h.
So schnell fahren Autos in Hamburg im Durchschnitt
Aber Achtung: Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte, die Extreme glätten: Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 37,7 km/h über einen gesamten Tag können manche beispielsweise auch 90 km/h fahren – und andere in Stauzeiten nur 10 km/h. Generell seien diese Werte im Bereich einer natürlichen Schwankung, sagt ein Sprecher der Verkehrsbehörde. Einen konstanten Rückgang der Geschwindigkeit könne man bislang nur bedingt bestätigen.
Doch in den kommenden Jahren könnte sich das Tempo tatsächlich verändern – durch autonome Fahrzeuge, die künftig überall in der Stadt unterwegs sein sollen: So fahren die Roboter-Sammeltaxis der VW-Tochter Moia bereits auf ausgewählten Teststrecken, aber auch der größte Taxi-Vermittler Free Now plant mit autonomen Fahrzeugen, etwa in bislang unterversorgten Gebieten.
Diese autonomen Projekte gibt es derzeit in Hamburg
Dazu kommen mehrere autonome Buspläne der Hochbahn sowie das Projekt „ahoi“ der Verkehrsbetriebe Hamburg Holstein (VHH): eine autonome Ergänzung zu den bestehenden Auto-Shuttles „hvv hop“, die im Bezirk Harburg unterwegs sind – aktuell noch mit Fahrer. Diese sammeln Fahrgäste auf und bündeln sie unterwegs, wenn möglich, zu Fahrgemeinschaften.
„Diese autonomen Fahrzeuge zeichnen sich dadurch aus, dass sie exakt im vorgeschriebenen Geschwindigkeitsniveau bleiben und den notwendigen Abstand halten“, erklärte Thomas Model von der Hamburger Polizei. Je mehr solcher Fahrzeuge es gäbe, desto geringer würde die Geschwindigkeit in der Stadt.
Gibt es künftig keine Blitzer mehr in Hamburg?
In modernen Pkw gibt es zudem immer häufiger einen intelligenten Geschwindigkeitsassistenten: Das Auto erkennt per Kamera und Kartendaten das Tempolimit und warnt, wenn der Fahrer zu schnell fährt. Manche Modelle regeln auf Wunsch auch sanft die Geschwindigkeit herunter.
„Ob man in zehn Jahren gar keine Blitzer mehr haben muss? Soweit würde ich nicht gehen“, schätzte Model. „Aber die technische Weiterentwicklung wird viel verändern.“