Warten auf Urkunden und Co.: So überlastet sind Hamburgs Bezirke

Überlastungsanzeige
In mehreren Hamburger Bezirken sind die Mitarbeiter zunehmend überlastet(Symbolbild).

Ewiges Warten auf Geburts- und Sterbeurkunden oder andere Dokumente: Viele Hamburger bekommen täglich zu spüren, unter welch hoher Belastung die Mitarbeiter in den Ämtern stehen. In welchen Bezirken und Behörden die Lage besonders dramatisch ist, zeigt eine aktuelle Senatsantwort auf Anfrage der Linken.

Sind Behördenmitarbeiter nicht mehr in der Lage, ihre Aufgaben angemessen zu erfüllen, zum Beispiel bei anhaltender Unterbesetzung und vielen zusätzlichen Aufgaben, können sie das ihrem Arbeitgeber mit einer sogenannten „Überlastungsanzeige” signalisieren.

In allen sieben Hamburger Bezirksämtern war das Dezernat 3, zuständig für „Soziales, Jugend und Gesundheit“ im vergangenen Jahr besonders überlastet. Hierzu zählt unter anderem das Fachamt für Grundsicherung und Soziales oder auch die Jugend- und Familienhilfe. Gab es hier im Jahr 2023 noch 466 Überlastungsanzeigen, waren es 2024 rund 41 Prozent mehr (655). Das „Abendblatt” berichtete zuerst.

In einem Bezirksamt ist die Lage besonders heikel

Besonders heikel war die Lage erneut im Bezirksamt Wandsbek. Hier gab es schon 2023 mit 280 Überlastungsanzeigen in diesem Dezernat einen hohen Stand. Im Jahr 2024 gingen 307 dieser Anzeigen ein. Wandsbek liegt damit deutlich vor allen anderen Bezirken, dahinter folgen Hamburg-Nord mit 180 Überlastungsanzeigen im Dezernat 3 und Hamburg-Mitte mit 93 Anzeigen.

Beim Bürgerservice, der sich unter anderem um die Registrierung von Geburten und Sterbefällen kümmert, stellten 2024 in Hamburg-Nord die meisten Mitarbeiter eine Überlastungsanzeige (34), darauf folgt Wandsbek mit 18 Anzeigen.

Das Bezirksamt Wandsbek sitzt im Rathaus an der Schloßstraße.
Das Bezirksamt Wandsbek sitzt im Rathaus an der Schloßstraße.

Als Gründe werden in Wandsbek unter anderem „nicht besetzte Stellen” und „plötzliche Ausfälle im Team” genannt, wodurch eine Mehrbelastung entstanden sei. Über die langen Wartezeiten an den Servicestellen für Geburts- und Sterbeurkunden hatte die MOPO bereits im Januar mit Bezirkschef Thomas Ritzenhoff (SPD) gesprochen. Er zeigte sich optimistisch, Rückstände nun wieder aufzuholen, da alle Stellen inzwischen besetzt seien und die Ausstellung von Sterbeurkunden temporär von anderen Ämtern übernommen werde.

In dieser Behörde sind viele Mitarbeiter überlastet

Die Krankenstände in den Ämtern und Behörden können auch etwas über die dortige Überlastung aussagen. Mit 15,4 Prozent war der Krankenstand im vergangenen Jahr im Bürgerservice des Bezirksamts Eimsbüttel am höchsten. Es folgten das Dezernat 3 im Bezirk Altona mit 14,1 und das in Mitte mit 13,8 Prozent.

Überarbeitete Mitarbeiter gibt es jedoch nicht nur in den Bezirksämtern, sondern auch in den Behörden. In der Justizbehörde wurden 2024 erneut die meisten Überlastungsanzeigen gestellt (223), danach folgten die Sozialbehörde (34) und die Innenbehörde (31).

Die Linke ist empört angesichts dieser Zahlen: Die für Jugend und Soziales zuständigen Dezernate in den Bezirksämtern „pfeifen aus dem letzten Loch”, sagt Olag Fritzsche, Sozialexpertin der Fraktion. Der Senat müsse hier endlich für Verbesserungen sorgen.

Hamburgs Linke fordert Konsequenzen

„Die Misere in den Bezirksämtern ist hausgemacht: Diese Ämter sind unattraktiv im Vergleich zu denen im Umland, die nach dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst bezahlen”, ergänzt Haushaltsexperte David Stoopp. „Zehn Prozent der Stellen bleiben deshalb unbesetzt. Das erhöht den Druck auf alle anderen und Druck macht krank.” Hamburg müsse einen Metropolzuschlag zahlen und sich bemühen, mehr Fachkräfte in die Stadt zu holen.

Die Stadt sei laut Senatsantwort „eine gute und verlässliche Dienstherrin” für die Beschäftigten. Mit der Personalkampagne „Jobs so bunt wie das Leben” werde dies auch beworben. „Auch bei grundsätzlich aufgabengerechter Personalausstattung lassen sich besondere Arbeitssituationen und Belastungsspitzen nicht ausschließen”, schreibt der Senat weiter.

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Im Rahmen der Fürsorge für die Beschäftigten komme dem „Schutz vor Überforderungen und gegebenenfalls nachteiligen gesundheitlichen Auswirkungen eine hohe Bedeutung zu”. Dem trage man „durch ein ausdifferenziertes Betriebliches Gesundheitsmanagement und regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen in den Behörden und Ämtern Rechnung.” Aufgrund von „Personalfluktuation, Erkrankungen und Aufgabenveränderungen” ließen sich „Personalengpässe nicht immer vermeiden”.

Ewiges Warten auf Geburts- und Sterbeurkunden oder andere Dokumente: Viele Hamburger bekommen täglich zu spüren, unter welch hoher Belastung die Mitarbeiter in den Ämtern stehen. In welchen Bezirken und Behörden die Lage besonders dramatisch ist, zeigt eine aktuelle Senatsantwort auf Anfrage der Linken.