Vorbild für Hamburg? In diesem Bezirk soll das Parken revolutioniert werden

Kein Parkplatz mehr frei – Bilder wie diese gibt es aus allen Hamburger Bezirken.
Kein Parkplatz mehr frei – Bilder wie diese gibt es aus allen Hamburger Bezirken.

Kaum ein Thema emotionalisiert in Hamburg so sehr wie das Parken: Öffentlicher Parkraum ist knapp, Stellplätze müssen öfter mal für breitere Gehwege oder größere Radspuren weichen. Seit vielen Jahren wird deshalb über Quartiersgaragen als Lösung diskutiert, doch das gestaltete sich meist als schwierig. Jetzt soll es in einem Bezirk tatsächlich vorangehen.

Quartiersgaragen sind Parkhäuser, die nur für die Anwohner gedacht sind.Sie haben entweder den Charakter einer klassischen Tiefgarage oder werden in die Höhe gebaut und bieten dann im Erdgeschoss noch Platz für andere Unterbringungen. Letzteres ist etwa der Plan für den geplanten Stadtteil Oberbillwerder: In den dortigen Quartiersgaragen gibt es dann nicht nur Raum für Autos, sondern auch Platz für Co-Working-Spaces, eine Fahrradwerkstatt, Car-Sharing, Drogeriemärkte und Gastronomie.

So soll es einmal aussehen: Visualisierung eines „Mobility Hubs“ für den neuen Stadtteil Oberbillwerder.
So soll es einmal aussehen: Visualisierung einer Quartiersgarage für den neuen Stadtteil Oberbillwerder.

Auch im Bezirk Hamburg-Nord wird seit Jahren über Quartiersgaragen diskutiert. Im Dezember 2024 forderten die Grünen, externe Gutachter damit zu beauftragen, unter welchen Bedingungen solche Projekte im Bezirk realisiert werden können. Die regierende Deutschland-Koalition (CDU, SPD, FDP) beschloss dann wiederum, das eigene Bezirksamt damit zu beauftragen. Im Sommer 2025 sollten die Ergebnisse vorgestellt werden.

Ergebnisse gibt es allerdings noch keine. Laut Bezirksamt müssten dafür alle verfügbaren Stellplätze gezählt werden, um einen Parkplatz-Mangel in den einzelnen Quartieren herauszuarbeiten. Dafür habe die Behörde allerdings keine Kapazitäten.

Mögliche Flächen für Quartiersgaragen in Hamburg-Nord

Aber: Tatsächlich ist der Senat ja bereits dabei, den von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) forcierten Masterplan Parken voranzubringen. Dieser wurde nach der Bürgerschaftswahl im Februar beschlossen und soll unter anderem sämtliche Stellplätze der Stadt erfassen. Wäre das einmal geschafft, könnte man auch in Hamburg-Nord mögliche Flächen und Standorte für Quartiersgaragen suchen, heißt es jetzt vom Bezirksamt. Vorstellbar sei das etwa am Gewerbestandort Alsterdorfer Straße oder im Bereich Langenhorn Markt.

Allerdings: So gut sich das Konzept anhört, die Leute müssen eben auch mitmachen. Nicht alle geben den bequemen und billigen Stellplatz (wenn sie denn einen finden) vor der Haustür so leichtfertig auf. Wer bezahlt schon bis zu 100 Euro im Monat, wenn Bewohnerparken 65 Euro im Jahr kostet? Im bayerischen Fürth, wo derartige Projekte vorangetrieben wurden, zeigte sich teils ein absurdes Bild: volle Straßen, leere Parkhäuser.

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Dazu kommt die Frage, ob es überhaupt angebracht ist, mehr Parkraum zu schaffen – regt das nicht wiederum zum Autofahren an? Das Umweltbundesamt hat darauf eine einfache Antwort: Sammelgaragen seien „eine der effektivsten Maßnahmen“, um die Autos von der Straße zu holen. Gleichzeitig müssten aber eben auch die Stellplätze in den Straßen abgeschafft werden und das Parken in umliegenden Vierteln Geld kosten. Zusammen mit Car-Sharing, E-Scooter-Anbietern und Fahrradstationen könnten Quartiersgaragen dann zu einer Mobilitätszentrale im Viertel werden.