• Königin Elizabeth II. fährt am 28. Mai 1965 in einem offenen Wagen vom Rathaus zum Jungfernstieg.
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Vor 55 Jahren: Als die englische Queen Hamburg verzauberte

Hamburg, so sagt man, sei die britischste aller Städte des europäischen Festlands. Vielleicht ist das der Grund, weshalb die Hamburger regelmäßig ausflippen, wenn die Stars aus dem Buckingham Palace zu Gast sind. Überall flattern Union Jacks, Tausende säumen die Straßen – so war es 1965, als die Queen da war, so war es auch 1987, als sich Charles und Diana die Ehre gaben.

Der Besuch von Elizabeth II. am 28. Mai 1965 war in England keineswegs unumstritten. Das britische Staatsoberhaupt zu Gast in dem Land, das den Zweiten Weltkrieg ausgelöst hatte – auch noch 20 Jahre danach hielt das mancher auf der Insel für unpassend. Umso begeisterter waren die Hamburger, als sie trotzdem kam: 70.000 Menschen jubelten ihr zu, als sich die Queen bei herrlichem Sonnenschein auf dem Rathausbalkon zeigte. Der „Staatsbesuch des Jahrhunderts“ schrieb die „Times“.

Queen in der Innenstadt

Die Queen auf dem Weg zu einem Alsterdampfer. 

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1965 kam Queen Elizabeth zu Besuch nach Hamburg

Ein winziges Detail am Rande aber wuchs sich zu einem Skandal aus, von dem die Weltöffentlichkeit kaum Notiz nahm, der in Hamburg jedoch umso höhere Wellen schlug: Als nämlich Bürgermeister Paul Nevermann (SPD) die Queen auf der Treppe des Rathauses begrüßte, stand an seiner Seite nicht – wie im Protokoll vorgesehen – seine Ehefrau, sondern die Frau des Zweiten Bürgermeisters. Sie war sozusagen als „First Lady“ eingesprungen. Für Verleger Axel Springer der willkommene Anlass, den verhassten Bürgermeister abzusägen: Seine Zeitungen wies er an, detailliert über die zerrüttete Ehe Nevermanns und dessen Affäre mit einer weit jüngeren Industriellengattin zu berichten …

Queen im Cabrio

Die Queen mit Bürgermeister Paul Nevermann. 

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Nach zwei Tagen verließ die Queen die Stadt wieder. Als die Yacht „Britannia“ ablegte, säumten 200.000 Menschen das Elbufer, und ein Polizeimusikkorps spielte: „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“. Kurz darauf sagte auch Nevermann Hamburg Adieu und trat zurück.
Der nächste Besuch von Superstars aus dem britischen Königshaus ließ 22 Jahre auf sich warten.

1987 besuchten Charles und Diana Hamburg

Der 6. November 1987 war ein regnerischer Tag. Aber als Prinzessin Diana – gehüllt in einen Wollmantel mit Kunstpelzkragen, auf den Lippen ihr schüchternes Lächeln – die Gangway des Flugzeugs herunterschritt, ging die Sonne auf! Dass Prinz Charles auch dabei war, nahm das Volk eher am Rande zur Kenntnis.

Diana vor dem Alsterhaus

Diana und Charles vor dem Alsterhaus. 

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Bei der Eröffnung der „Britischen Wochen“ im Alsterhaus blieb einigen mitgereisten britischen Reportern das Herz stehen: Nämlich als sie sahen, wie Charles seiner Frau ganz galant ein Stück Schokolade reichte. Alle fragten sich verblüfft, wodurch sich die Beziehung von Prinz und Prinzessin, die damals längst als zerrüttet galt, plötzlich verbessert habe. Ein britisches Blatt titelte sogar: „Krauts, ihr habt diese Ehe gerettet!“

Als nachmittags ihre Königlichen Hoheiten eine Hafenrundfahrt unternahmen, kam es zu einem Zwischenfall ganz anderer Art. Die elegante Senatsbarkasse „Hamburg“ passierte gerade die besetzten Häuser der Hafenstraße, da enthüllten deren Bewohner briten-feindliche Transparente. Kurz darauf wurden Leuchtkugeln auf einen Polizeiwagen und einen Polizeihubschrauber abgefeuert.

Lady Di

1987: Beim Besuch des NDR begrüßt ein Mädchen der Finkwarder Speeldeel Lady Di und den britischen Thronfolger.

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In Gefahr befand sich niemand. Trotzdem erzählte das britische Boulevardblatt „The Sun“ seinen Lesern die Geschichte vom „Raketenangriff auf die königliche Barkasse“. Eine ziemliche Übertreibung. Völlig unbeeindruckt trug sich Diana danach ins Goldene Buch ein und nahm mit ihrem Mann an einem Gala-Dinner im Rathaus teil. Sie strahlte und lachte.

Ob 1965 oder 1987 – jedes Mal haben die Royals der Stadt Glanz verliehen – aber ihr auch Unglück gebracht. Denn Paul Nevermann ist nicht der Einzige, der seinen Hut nehmen musste. Sieben Monate nach Charles’ und Dianas Besuch erklärte auch Klaus von Dohnanyi seinen Rücktritt. Ein böses Omen? Nein, bloß Zufall!

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