In diesem Bestandsgebäude von Vonovia in Hamburg soll eine neue Power-to-Heat-Anlage das Heizen sauberer machen.

In diesem Bestandsgebäude von Vonovia in Hamburg soll eine neue Power-to-Heat-Anlage das Heizen sauberer machen. Foto: Vonovia/Offenblende

Vonovia startet in Hamburg Heiz-Pilotprojekt mit Tauchsiedern

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Mit Tauchsiedern gegen Stromverschwendung: Vonovia startet in Hamburg ein Pilotprojekt, bei dem überschüssiger Wind- und Solarstrom erstmals direkt in Wohnhäusern zum Heizen genutzt werden soll. Rund 500 Wohnungen sind beteiligt – doch das Modell steckt noch in der Testphase.

Der Wohnungskonzern Vonovia startet in Hamburg ein Pilotprojekt, bei dem überschüssiger Ökostrom zum Heizen genutzt werden soll. Nach Angaben des Unternehmens wurden dafür 25 über die Stadt verteilte Heizungsanlagen, die rund 500 Wohnungen versorgen, mit elektrischen Heizstäben nachgerüstet. Die Anlagen werden vom Berliner Start-up decarbon1ze gesteuert.

Hamburg: So funktioniert Power-to-Heat

Die Idee: Strom aus Wind- und Solaranlagen, der bei Netzengpässen sonst abgeregelt würde, erhitzt Wasser in bestehenden Speichern. Diese dienen damit als „Windstrombatterie“. Fehlt der Öko-Strom, springt weiterhin Gas ein. Nach Unternehmensangaben soll das Gas sparen und den Treibhausgas-Ausstoß senken.

Ganz neu ist die Technik in Hamburg nicht: Bereits heute wird Strom in großen Power-to-Heat-Anlagen etwa in Wedel oder im Karolinenviertel in Wärme umgewandelt und ins Fernwärmenetz eingespeist. Auch in Stadtteilen wie Mümmelmannsberg gibt es entsprechende Lösungen für Quartiere.

Vonovia: Das ist daran neu

Der Ansatz von Vonovia unterscheidet sich jedoch, weil die Technik nicht zentral in großen Anlagen eingesetzt wird, sondern direkt in einzelnen Wohngebäuden und deren bestehenden, bisher rein fossilen Heizsystemen. „Wann immer kostengünstiger Grünstrom zur Verfügung steht, ersetzt dieser das herkömmliche Gas. Auf diese Weise versorgen wir ganze Quartiere – trotz fossiler Heizanlage – zu einem signifikanten Anteil mit grüner Wärme“, sagt Vonovia-Chef Luka Mucic.

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Grundlage des Projekts ist ein 2023 eingeführter Paragraf im Energiewirtschaftsgesetz. Er soll den wirtschaftlichen Einsatz solcher Stromdirektheizungen ermöglichen. Seit Oktober 2024 läuft dazu eine auf zwei Jahre angelegte Testphase in sogenannten Entlastungsregionen, vor allem im Norden und Nordosten Deutschlands.

Vonovia verweist auf großes Potenzial: 2024 seien in Deutschland knapp 10 Terawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien abgeregelt worden, vor allem aus Windkraftanlagen im Norden. Ob sich das Hamburger Modell im Alltag und in größerem Maßstab bewährt, muss sich allerdings erst noch zeigen. Kritiker mahnen grundsätzlich, dass Power-to-Heat-Anlagen einen zügigen Netzausbau und den Rückbau fossiler Heizanlagen nicht ersetzen dürfen. Wie grün die Technologie wirklich ist, hängt zudem damit zusammen, wie sich der genutzte Strom genau zusammensetzt. (nf)

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