Von Kohle zu grünem Gas: Auf Moorburgs Trümmern zum Wasserstoff-Neustart

Elektrolyseur Moorburg
So könnte das Gebäude mit dem Elektrolyseur am Standort Moorburg einmal aussehen.

Hamburg will „Wasserstoff-Hauptstadt“ werden: Heizen mit Kohle und Gas war gestern – in der Industrie gilt grüner Wasserstoff als Hoffnungsträger für eine klimagerechte Zukunft. Auf dem Gelände des Kohlekraftwerks Moorburg entsteht aktuell eine riesige Wasserstoff-Produktionsstätte – schon länger, ganz unabhängig vom „Hamburger Zukunftsentscheid“. Die MOPO zeigt exklusiv, wie die neue Halle aussehen soll, was es mit den Wasserstoffplänen auf sich hat und warum die Hürden dafür so hoch sind.

Meter um Meter wühlen sich Bagger durch einen gigantischen Haufen aus Stahl und Beton. Vor wenigen Monaten stand hier noch das Herzstück des Kohlekraftwerks Moorburg – zwei riesige Kesselhäuser. Dort wurde Kohle verfeuert, um Strom zu erzeugen. Im März wurde das erste Kesselhaus gesprengt, im April folgte das zweite. Jetzt bricht dort die Ära des grünen Wasserstoffs an.

Neben dem Schrottberg beginnt der Bau einer Halle für den Elektrolyseur. Ein Gerät, das mithilfe von Strom Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt.

Beim Neubau in Moorburg achtet das Konsortium aus dem privaten Investor Luxcara und den stadteigenen Energiewerken darauf, möglichst viele Teile des alten Kraftwerks wiederzuverwenden, wie etwa den geschredderten Bauschutt.

Strenge EU-Regeln für grünen Wasserstoff

Woher der Strom für den Elektrolyseur kommen darf, dafür gibt es seit Juli „harte Regeln“ der EU, sagt Projektleiter Christoph Cosler. Für grünen Wasserstoff braucht es grünen Strom aus Wind- oder Solarenergie. Und der Strom muss aus einer Anlage stammen, die neu ist. Sie darf nicht länger als drei Jahre vor dem Wasserstoffprojekt an den Start gegangen sein. Eine weitere Regel: Der Elektrolyseur darf nur Strom in der Zeit beziehen, in der dieser auch wirklich erzeugt wird. Mit Solarstrom könnte das Gerät nachts also nicht laufen.

Die neuen Regeln stellen Produzenten vor neue Herausforderungen und zusätzliche Kosten. „Wir wollen nicht weg vom grünen Wasserstoff, aber er muss nicht grüner als grün sein“, sagt Cosler und hofft, dass sich politisch noch mehr bewegt: „Unser Ziel ist es, noch 2027 in Betrieb zu gehen.“

10.000 Tonnen grüner Wasserstoff aus Moorburg

Jährlich sollen rund 10.000 Tonnen grüner Wasserstoff in Moorburg entstehen. Anschließend würde das Gas mit einem von 13 großen Trailern aus einem hauseigenen Fuhrpark zu den Kunden gelangen. Feste Verträge mit möglichen Abnehmern gibt es bislang allerdings nicht.

Christoph Cosler
Projektleiter Christoph Cosler erklärt den Baufortschritt in Moorburg.

Zwar gilt grüner Wasserstoff als Gamechanger hin zur klimagerechten Industrie, bisher ist er allerdings schwer verfügbar und richtig teuer. Unternehmen sind daher vorsichtig, was große Investitionen angeht: Stahlhersteller ArcelorMittal Europe etwa kündigte im Sommer an, er werde seine Werke in Bremen und Eisenhüttenstadt zunächst nicht wie angekündigt auf grünen Wasserstoff umstellen – trotz 1,3 Milliarden Euro bewilligter Förderung.

Das „Henne-Ei-Problem“

Ein „Henne und Ei“-Problem nennt das Elisabeth Ziemann von den Hamburger Energienetzen. Ohne Abnehmer keine Produktion, ohne Produktion keine Abnehmer. Hamburg geht daher in Vorleistung: Bis 2027 soll ein 40 Kilometer langes Rohrsystem für den Transport von Industrie-Wasserstoff entstehen. Nach Betriebsstart ist eine Erweiterung auf 60 Kilometer geplant.

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Die Ablösung der Erdgas-Energiemenge durch grünen Wasserstoff, könnte jährlich ganze 1,4 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Das entspräche neun Prozent der gesamten CO2-Emissionen der Stadt. Feste Abnehmer gibt es auch hier noch nicht, aber „Kunden, die an Wasserstoffanlagen planen“, sagt Ziemann. „Wir schaffen erstmal die Basis und blicken optimistisch in die Zukunft.“ Kommende Woche findet übrigens die weltweit größte Wasserstoff-Messe in Hamburg statt.