Vogelgrippe grassiert im Norden: Das müssen Sie jetzt wissen
Die Vogelgrippe breitet sich in Deutschland weiter aus – besonders der Norden ist stark betroffen. Schon bei einem einzigen infizierten Tier wird der gesamte Bestand gekeult. Mehr als eine halbe Million Gänse, Enten, Hühner und Puten mussten bereits getötet werden. Warum trifft es ausgerechnet den Norden so stark? Steigen die Preise für Geflügelfleisch? Und wie sollte man reagieren, wenn man einen toten Vogel findet? Die MOPO beantwortet die wichtigsten Fragen.
Wie schlimm ist es?
Fachleute sind alarmiert: Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) stuft das Risiko als hoch ein. Bis Mittwochmittag wurden deutschlandweit bereits 35 Ausbrüche in Geflügelhaltungen und 131 Fälle bei Wildvögeln gemeldet. Besonders Kraniche sind stark betroffen – rund 2000 Tiere sind bereits verendet. Norddeutschland ist am schwersten betroffen: In Niedersachsen gab es mindestens neun Ausbrüche in Geflügelbetrieben, in Mecklenburg-Vorpommern sechs. Die Zahlen steigen kontinuierlich.
Vogelgrippe in Norddeutschland: Warum der Norden besonders betroffen ist
Ist die Seuche schon in Hamburg?
Ja – aber bislang nur bei Wildvögeln. Drei Kraniche starben an der Vogelgrippe, bestätigte die Hamburger Behörde für Justiz und Verbraucherschutz. Zudem gibt es aktuell 14 Verdachtsfälle. Geflügelbetriebe sind bislang nicht betroffen. In Hamburg gibt es rund 2025 Geflügelhaltungen mit etwa 35.500 Tieren.
Warum trifft es den Norden so hart?
Norddeutschland ist besonders stark betroffen, weil die Region auf den Zugvogelrouten liegt und Rastplätze für Kraniche und Wasservögel bietet, die das Virus übertragen. In diesem Jahr sind vor allem Kraniche betroffen. Hinzu kommt die hohe Dichte an Geflügelbetrieben in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern – allein in Niedersachsen leben rund 106 Millionen Tiere. Die hohe Konzentration erleichtert die schnelle Ausbreitung der Krankheit. In den Landkreisen Cloppenburg und Vechta wurden bereits 111.900 Puten getötet oder sind verendet. Tierschützer kritisieren, dass Massentierhaltung die Ausbreitung begünstigt und zu massiven Tierverlusten führt.
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Müssen die Tiere jetzt eingesperrt werden?
Ja, in vielen Landkreisen im Norden gelten schon Stallpflichten und Stimmen aus der Branche drängen sogar auf ein bundesweites Aufstallungsgebot. In Hamburg kommt eine vorsorgliche Aufstallungspflicht ab Freitag, wie die MOPO vorab erfuhr. Geflügelausstellungen und -märkte werden in Hamburg verboten.
Alsterschwäne in Hamburg: Schutzmaßnahmen während der Vogelgrippe
Sind Hamburgs Schwäne in Gefahr?
Die Alsterschwäne werden aktiv geschützt. Seit einigen Tagen werden sie in ihr Winterquartier gebracht – diesmal nicht wie gewohnt am Eppendorfer Mühlenteich, sondern in einer Wildtierstation in Ohlsdorf mit gesicherten, abgetrennten Räumen. Anfang 2023 hatte die Vogelgrippe die Alsterschwäne bereits hart getroffen, etwa ein Viertel der Tiere musste damals getötet werden.
Ist die Lage dieses Jahr besonders schlimm?
Die Vogelgrippe tritt in Deutschland das ganze Jahr über auf, verbreitet sich diesmal jedoch deutlich früher und schneller. Das FLI meldet bereits seit September steigende Fallzahlen – normalerweise steigen diese erst im November. Experten rechnen mit weiteren Ausbrüchen, da der Vogelzug noch andauert. Beim letzten großen Seuchenzug 2020/21 mussten bundesweit mehr als zwei Millionen Tiere getötet werden.
Kann man Geflügel impfen?
Theoretisch ja, doch in Deutschland ist bisher kein Impfstoff zugelassen. Tests laufen aktuell am FLI sowie in den Niederlanden und Frankreich. Bisher setzte man bei der Bekämpfung des Virus auf die Tötung infizierter Tiere. Aufgrund der hohen Verluste sprach sich Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) nun für Geflügelimpfungen aus. Einschränkungen beim Export geimpfter Tiere erschweren allerdings großflächige Impfungen, zudem müssten geimpfte Tiere weiterhin überwacht werden.
Toten Vogel gefunden? So verhalten Sie sich richtig
Können sich Menschen anstecken?
Theoretisch ja, aber nur bei engem Kontakt mit infizierten Tieren. In Deutschland ist bisher kein Fall bekannt. Das FLI sieht derzeit auch kein besonderes Risiko für eine schwerwiegende Erkrankung. Dennoch sollte Geflügel vor dem Verzehr gut durchgegart werden. Die WHO warnt zudem, dass das Virus bei starker Ausbreitung mutieren und für den Menschen gefährlicher werden könnte.
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Was tun bei einem toten Vogel?
Nicht anfassen! Abstand halten und das Veterinäramt informieren. Hunde und Katzen sollten den Kadaver nicht aufnehmen. Wer in der Nähe durch Matsch gelaufen ist, sollte die Schuhe reinigen – das Virus kann haften bleiben.
Werden Gänse und Enten jetzt teurer?
Die Meinungen gehen auseinander. Geflügel-Verbandspräsident Hans-Peter Goldnick geht zunächst nicht von kurzfristigen Preissprüngen aus. Nur rund 20 Prozent der hier konsumierten Gänse stammen aus deutscher Produktion, etwa 80 Prozent aus Ungarn und Polen. Dennoch erwartet Mechthild Cloppenburg von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, dass Saisongeflügel – also Enten und Gänse – in diesem Jahr knapp wird. „Die Verbraucher werden das merken, die Preise dürften steigen“, sagt sie. Auch Weihnachtsgänse in der Gastronomie könnten teurer werden.