Völlig marode: Hamburger Autobahnbrücke wird bis zu fünfmal pro Tag gesperrt

Norderelbbrücke
Autos auf der Norderelbbrücke (Archivbild)

Wer nachts mit seinem Auto auf der A1 unterwegs ist und über die Elbe fahren will, muss öfter mal warten. Doch das liegt nicht an einem gewöhnlichen Stau, sondern am maroden Zustand einer nur allzu gut bekannten Hamburger Brücke. Bei ganz bestimmten Fahrzeugen muss diese nämlich mehrmals gesperrt werden. Was dahinter steckt, was das Ganze auch mit der Energiewende zu tun hat und warum ein Neubau noch Jahre auf sich warten lässt, lesen Sie hier.

„Die Infrastruktur, vor allem die der Bahn, ist in den vergangenen Jahrzehnten vernachlässigt worden – nicht nur in Hamburg, sondern in ganz Deutschland“, sagte Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) bereits. Deshalb sind unzählige Straßen und Brücken marode und müssen jetzt innerhalb kürzester Zeit saniert oder sogar neu gebaut werden.

A1 Hamburg: Norderelbbrücke wird für Schwerlast gesperrt

Eine davon ist die Norderelbbrücke auf der Autobahn A1, die von der Bundesanstalt für Straßenwesen im vergangenen März die Note „ungenügend“ (3,5) kassiert hatte. Für Groß- und Schwerlasttransporte bedeutet das, dass sie zum Schutz des Bauwerks nicht einfach so über die Brücke fahren können, sie müssen in dem Zeitraum zwischen 22 und 6 Uhr morgens extra angemeldet werden. Überqueren sie dann im vorgeschriebenen Schritttempo die Elbe, wird die Brücke für alle anderen Verkehrsteilnehmer komplett gesperrt.

Als Schwerlasttransporte werden solche bezeichnet, deren Gewicht über 44 Tonnen liegt. Das können zum Beispiel größere Generatoren oder Schiffschrauben sein, sagt Torben Wiencke, Sprecher der Autobahn GmbH des Bundes, die für Hamburgs Autobahnbrücken zuständig ist. Aufgrund der Energiewende werden über diese Brücke zudem immer mehr Windkraftanlagen gekarrt.

Die Vollsperrungen fänden bis zu fünf Mal pro Nacht statt und dauerten in der Regel zwischen 20 und 25 Minuten. „Je nachdem, wie viele Transporte gesammelt und dann über die Brücke geschickt werden“, sagt Wiencke. Da die Transporte aber lange Strecken über Autobahnen führen, könne es immer mal wieder zu Verzögerungen kommen.

Norderelbbrücke nicht für die aktuellen Verkehrsmengen ausgelegt

Die Norderelbbrücke verbindet Rothenburgsort und Wilhelmsburg und wurde 1963 als ursprünglich vierspurige Brücke eröffnet. Aufgrund der immer weiter wachsenden Anzahl an Autos und Lkw wurden 20 Jahre später kurzerhand die beiden Standstreifen zu Fahrstreifen umgewandelt. Derzeit fahren dort täglich 136.000 Autos mit einem Schwerlastanteil von 21 Prozent, für solche Verkehrsmengen war die Brücke nie ausgerichtet. Für das Jahr 2030 rechnet die Autobahn GmbH sogar mit 160.000 Fahrzeugen und 27 Prozent Schwerlastanteil pro Tag.

Zwei Wochen lang wurde die Norderelbbrücke im Sommer 2024 untersucht und gewartet.
Zwei Wochen lang wurde die Norderelbbrücke im Sommer 2024 untersucht und gewartet.

An einem Neubau der Brücke führt also kein Weg vorbei: Anfang August wurde die Norderelbbrücke bei der alle sechs Jahre stattfindenden Hauptuntersuchung inspiziert. Einen Monat danach wurde bekannt, dass Schweißnähte beschädigt waren. Daraufhin war die Brücke kurzfristig im September für eine Woche für Großraum und Schwerlasttransporte gesperrt. Die finalen Ergebnisse des „Brücken TÜV“ liegen laut der Autobahn GmbH bis heute immer noch nicht vor, obwohl diese bereits für September angekündigt waren.

Neubau der Norderelbbrücke soll 2026 starten

Die neue Norderelbbrücke soll ab dem Jahr 2026 gebaut werden – dafür gibt es allerdings Stand jetzt noch gar kein Planrecht, obwohl das Verfahren bereits seit August 2023 läuft. Grund dafür sind Einwendungen im Anhörungsverfahren, weswegen noch im Dezember ein überarbeiteter Antrag eingereicht werden soll. Aktuell ist vorgesehen, dass ab 2029/2030 die ersten Fahrzeuge über die neue Brücke rollen.

Aber hält die Elbquerung die extremen Verkehrsmengen solange überhaupt noch aus? „Das Bauwerk ist sicher“, betonte das Bundesverkehrsministerium kürzlich in einer Antwort auf eine Anfrage der Unionsfraktion im Bundestag. Es werde durch besonders geschulte Bauwerksprüfer ständig überwacht.