„Viva la Bernie”: Kiez-Hinterhof gerettet – wenn Mieter Millionen Euro auftreiben

Für die Künstler und Handwerker im Ensemble in der Bernstorffstraße 117 gibt es jetzt ein Happy End – hoffentlich.
Für die Künstler und Handwerker im Ensemble in der Bernstorffstraße 117 gibt es jetzt ein Happy End – hoffentlich.

Jahrelang schwelte der Streit zwischen Handwerkern und Künstlern aus Altona und ihren Vermietern, zwei Berliner Privateigentümern. Jetzt gibt es eine Lösung – wenn denn die Mieter innerhalb kurzer Zeit drei Millionen Euro aus dem Ärmel schütteln. Wie sie das schaffen wollen und was Fettes Brot damit zu tun hat.

Hoffnung in der Bernstorffstraße 117: Für die Handwerker und Künstler, die hier seit Jahren für den Kauf der rund 5000 Quadratmeter großen Immobilie mit Hinterhof und Werkstätten kämpfen, scheint endlich eine Lösung gefunden. 2017 hatten zwei Berliner Privatinvestoren das Hof-Ensemble gekauft. Seitdem versuchen die Mieter, es selbst zu kaufen, um ihre Gemeinschaft zu sichern und das Ensemble vor Spekulanten zu schützen.

Hamburg: So soll die Lösung für „Viva La Bernie” aussehen

Nun gibt es eine Lösung: die gemeinwohlorientierte Johann-Daniel-Lawaetz-Stiftung. An sie wollen die Eigentümer das Ensemble für 8,5 Millionen Euro verkaufen. Plus Nebenkosten. Die Stiftung plant, es dann per Erbpacht an die jetzigen Mieter zu vergeben, die es so selbstständig verwalten und entwickeln können. Durch die Bestandsmieten soll der Kaufpreis langfristig amortisiert werden.

Der Hof war früher Depot für die Altonaer Ringbahn und wird seit Jahren von der Hofgemeinschaft genutzt.
Der Hof war früher Depot für die Altonaer Ringbahn und wird seit Jahren von der Hofgemeinschaft genutzt.

Doch es gibt einen Haken. Einen Drei-Millionen-Euro-Haken. Denn die Stiftung kann den Preis inklusive der Nebenkosten nicht komplett stemmen. Sie wird zwar einen Kredit aufnehmen, aber nur in dem Wert, den ein unabhängiges Gutachten als Verkehrswert beziffern wird. Noch ist der Betrag unklar, doch die Beteiligten rechnen mit rund sechs Millionen Euro. Heißt: Zwischen drei und 3,5 Millionen Euro fehlen.

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Und prompt sind die Mieter gefragt, das Geld aufzutreiben. Sie können 400.000 Euro eigenständig stemmen – klafft also noch eine Lücke von rund drei Millionen Euro. Laut Absichtserklärung bleiben ihnen nun neun Monate, um das Geld aufzutreiben. „Das ist eine wahnsinnig knappe Angelegenheit“, sagt Ralf Gauger, der Sprecher der Initiative „Viva la Bernie“, zur MOPO. Marktübliche Kredite aufzunehmen sei bei den hohen Zinsen nicht zu schaffen.

Auch Senator Andreas Dressel (SPD) und Anjes Tjarks (Grüne) waren beim Info-Termin am Montag dabei.
Auch die Senatoren Andreas Dressel (SPD) und Anjes Tjarks (Grüne) waren beim Info-Termin am Montag dabei.

Deshalb starten die Künstler und Handwerker jetzt eine Fundraising-Kampagne. Sie bitten die Hamburger und Mäzene um Spenden und solidarische Kredite mit niedrigen Zinsen. Mit dabei: Die Hip-Hop-Band Fettes Brot, die ihr Tonstudio in dem Komplex hat. Am 7. Dezember sollen im Museum für Kunst und Gewerbe Kunstwerke für die Hofgemeinschaft versteigert werden, was von König Boris moderiert wird.

Diese Kunstwerke sollen zugunsten der Initiative versteigert werden.
Diese Kunstwerke sollen zugunsten der Initiative versteigert werden.

„Ich freue mich, dass eine Perspektive für die Hofgemeinschaft erarbeitet wurde“, sagt Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). „Nun kommt es auf die Stadtgesellschaft an, das Projekt tatkräftig zu unterstützen.” Die Stadt selbst wolle Förderungen prüfen, doch eine Finanzspritze darüber hinaus gibt es angesichts der angespannten Haushaltslage nicht.

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Die Stimmung bei der „Viva la Bernie”-Initiative ist trotzdem gut. „Die große Solidarität der Hamburger, die wir über die Jahre erfahren haben, macht mich optimistisch, dass wir es schaffen“, sagt Gauger.