Altonaer Bahnhof

Der Verein „Stadtbild Deutschland“ will die historische Fassade des Altonaer Bahnhofs zurück: Ilona Delattre (21), Gerd Jückstock (73), Etta Ehlers (72) und Markus Erich-Delattre (58). Foto: Bettina Blumenthal

Verwegener Plan: Sie wollen Altonas alten Bahnhof wiederauferstehen lassen

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Die Fassade des alten, 1974 abgerissenen Altonaer Bahnhofs wieder auferstehen zu lassen – über diese Idee hat die MOPO schon vor zwei Wochen berichtet. Immer mehr Bürger unterstützen sie. Die Chance besteht, dass dieser Traum in Erfüllung geht, denn wenn voraussichtlich 2029 der Fern- und Regionalbahnhof Altona an den Diebsteich verlegt wird, soll das Bahnhofsumfeld neu gestaltet werden.

Eine Gruppe von Mitgliedern des Vereins „Stadtbild Deutschland“ rührt derzeit die Werbetrommel für den Wiederaufbau. Ihre Vorstellung ist, dass hinter der rekonstruierten Fassade ein modernes Bauwerk entstehen könnte mit Platz für Events oder eine Markthalle – ähnlich wie beim Stadtschloss in Berlin, dem „Humboldt-Forum“.

Durch den Wiederaufbau soll Altona sein Herz, seinen Identifikationspunkt zurückerhalten

Die Kampagne unter dem Motto „Komm schon, Hamburg, fass dir ein Herz“ wird beispielsweise von dem pensionierten Lehrer Gerd Jückstock (73) unterstützt, der der Meinung ist, dass Altona durch die „Abrisspolitik vergangener Jahrzehnte“ sein Gesicht verloren habe. Durch den Wiederaufbau der alten Bahnhofsfassade würde Altona „sein Herz, seinen Identifikationspunkt“ zurückerhalten, meint er.

Ein Foto aus den 1950er Jahren: der Altonaer Bahnhof. MOPO-Archiv
Altonaer Bahnhof
Ein Foto aus den 1950er Jahren: der Altonaer Bahnhof.

Ähnlich sieht es der Sozialpädagoge Markus Erich-Delattre: „Ein Wiederaufbau des bedeutsamen Eingangsportals mit seinen Rundbögen wäre ein wichtiger Schritt zur Verbesserung des Altonaer Stadtbilds und kann mit vielfältigen – auch sozialen – Nutzungen verknüpft werden. Die Chance, diesen Ort neu zu gestalten, sollte genutzt und nicht leichtfertig durch Gedankenlosigkeit und billigen Gewerbebau verspielt werden.“

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Im Sommer hatten Bürger die Gelegenheit, auf die Planungen zur Gestaltung des Bahnhofsumfelds Altona Einfluss zu nehmen und ihre Wünsche zu äußern. Auch dabei hatten sich außerordentlich viele für den Wiederaufbau des alten Bahnhofs ausgesprochen.

„Gläserne Werkstatt“ an diesem Samstag: Den Planern bei der Arbeit über die Schulter gucken

Nun beginnt die  entscheidende nächste Runde: Ein Gestaltungswettbewerb hat begonnen. Fünf gemischte Teams aus den Fachbereichen Architektur und Freiraumplanung sind seit Mitte November dabei, konkrete Ideen zu entwickeln. 

Am Samstag, 29. November, wird es eine „Gläserne Werkstatt“ (von 10 bis 13.30 Uhr im Altonaer Kaispeicher, Große Elbstraße 279) geben, bei der die Bürger die Möglichkeit haben, den Teams bei der Arbeit über die Schulter zu schauen und die ersten Ideen mit ihnen zu diskutieren. Mit Spannung wird erwartet, ob eins der Architektenbüros die Wiederaufbauidee aufgreift.  Im Rahmen der Veranstaltung besteht außerdem die Möglichkeit, den Schellfischtunnel, einen stillgelegten Eisenbahntunnel, durch den früher Fisch vom Hafen zum Bahnhof transportiert wurde, zu besichtigen.

NS-Propaganda an der Fassade des Altonaer Bahnhofs: „Sieg oder bolschewistisches Chaos“ Stadtteilarchiv Ottensen
Altonaer Bahnhof
NS-Propaganda an der Fassade des Altonaer Bahnhofs: „Sieg oder bolschewistisches Chaos“

„Es geht um die Frage, was diesen Ort architektonisch markant macht, ihm Wiedererkennbarkeit gibt“

Darauf, wie sehr viele Altonaer ihrem alten Bahnhof nachtrauern, geht Oberbaudirektor Franz-Josef Höing übrigens auch im Aufgabenpapier für den Wettbewerb ein: „Man mag es als romantisch, rückwärtsgewandt oder vordergründig abtun, wenn immer wieder an die historische imposante Bahnhofsarchitektur erinnert wird. Sie wirkt bis heute nach. Die an ihrer Stelle errichteten Gebäude haben es nie vermocht, dieses Vakuum zu füllen, und alle Versuche in der Vergangenheit, sie zu erweitern, umzubauen und ihnen ein neues, überzeugendes, der Stadt zugewandtes Gesicht zu geben, haben bis dato nicht getragen.“ Beim Wettbewerb gehe es um die Frage, „was diesen Ort architektonisch markant macht, ihm Bedeutung und Wiedererkennbarkeit gibt“.

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