Eine riesige Rauchwolke steht über einer Lagerhalle in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Influencer wie die Hamburgerin Kim Gloss finden sich auf einmal in einem bewaffneten Konflikt wieder. Foto: Collage: picture alliance/dpa/AP | Altaf Qadri/ABBfoto

„Vertrauen der Regierung“: Deutsche Influencer loben Dubai – aus Angst vor Gefängnis?

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Deutsche Influencer zogen wegen der Steuerfreiheit, des warmen Klimas oder der modernen Infrastruktur nach Dubai. Jetzt ist die Glamour-City plötzlich von den Auswirkungen des Kriegs betroffen. Doch obwohl die Auswanderer sonst doch alles auf ihren Social-Media-Kanälen teilen, sprechen sie nicht über Angst oder Befürchtungen, die mit der Eskalation in Nahost einhergehen – was man stattdessen findet, sind Lobeshymnen auf die Regierung und die Raketenabwehrsysteme, die auffallend ähnlich klingen. Was steckt dahinter?

Die Hamburger Sängerin, Reality-Show-Teilnehmerin und Influencerin Kim Gloss steht in ihrem Wohnzimmer, hinter ihr Sofa, Teppich und Fernseher, in der Hand eine Tasse. „Guten Morgen, ihr Lieben. Mich erreichen viele besorgte Nachrichten, aber uns geht es gut.“ Sie spricht darüber, wie sehr sie dem Land, dem Raketenabwehrsystem und den Einsatzkräften vertraue. „Ja, es ist eine Ausnahmesituation und ich bin Mutter, aber ich fühle mich hier gut aufgehoben.“ Kim Gloss lobt die Warnsysteme, sie sagt, dass ihre Familie sicher sei. Offensichtlich nehmen die Follower ihr das aber nicht so richtig ab: „Ich habe das Gefühl, dass das, was sie sagt, und das, was sie denkt, auseinandergeht“, schreibt eine Followerin.

Auffällig: Kim Gloss ist bei Weitem nicht die Einzige, die sich so positiv, zurückhaltend und augenscheinlich unbesorgt über die Situation äußert. „Aren’t you scared?“ (Hast du keine Angst?) schreibt Reality-TV-Teilnehmerin Georgina Fleur unter einen Videoausschnitt, auf dem sie mit Sommerkleid und ausgebreiteten Armen über eine Straße in Dubai läuft. Im nächsten Snippet sind mehrere Scheichs zu sehen, dazu der Text: „No, because I know who protects us“ (Nein, weil ich weiß, wer uns beschützt). Auch hier sind die Follower skeptisch: „Ist das vertraglich geregelt oder warum machen jetzt so viele Influencer ,Werbung‘ für das sichere Dubai? Mehr als unangebracht“, steht in einem Kommentar.

Tatsächlich muss, wer bei der Informationsweitergabe über die wirkliche Lage vor Ort erwischt wird, mit hohen Geldstrafen und sogar Gefängnis rechnen. Der offizielle Grund: Es soll „Desinformation“ verhindert werden. Medienberichten zufolge stehen für Verstöße ein Jahr Gefängnis und umgerechnet rund 25.000 Euro Geldstrafe im Raum.

Eine Informantin aus Dubai berichtete der MOPO von der großen Angst, in der sie und ihre Familie derzeit wirklich leben – immer wieder wurde sie in der Nacht vom Alarm wach, brennende Trümmer einer abgeschossenen Drohne schlugen ins „Fairmont“-Hotel ein, es gab Brände. Derzeit gibt es keinen Flugverkehr von und nach Dubai.

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Neben Kim Gloss und Georgina Fleur berichten zahlreiche weitere deutsche Influencer von der „sicheren Lage“ in Dubai, darunter beispielsweise auch Ina Aogo, Ehefrau von Ex-HSV-Spieler Dennis Aogo, oder die Dithmarscherin Fiona Erdmann. Der Wortlaut scheint immer ähnlich: Die Lage sei zwar angespannt, aber man fühle sich im Land sicher und vertraue dem Raketenabwehrsystem voll und ganz. Dazu kommen wunderschöne Aufnahmen vom blauen Himmel, Wasser und den Pflanzen vor Ort.

Derweil eskaliert die Lage im Nahen Osten weiter: Nach dem Iran gab es nun auch Militärschläge zwischen Israel und dem Libanon. Auch zahlreiche deutsche Urlauber sitzen in der Krisenregion fest. (prei)

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