Hinter einem gewaltigen Totenkopf: Das ist Hamburgs geheimste Kneipe
Auch nach vielen Jahren in Hamburg kann man immer noch „neue Ecken“ entdecken: etwa die wohl verrückteste Kneipe der Stadt, verborgen hinter einem hohen Sichtschutzzaun und längst nicht für jeden zugänglich. Was – und vor allem wen – man antrifft, wenn man durch die als überdimensionaler Totenkopf getarnte Tür läuft – und warum die Kneipengänger ihren Ort auch vor der Außenwelt beschützen müssen.
Einen seltenen Blick auf die Kneipe namens „El Dorado“ erhaschen kann man auf dem Facebook-Kanal der japanischen Punk-Band Buddhadatta, die hier am Ostersamstag auftrat. „In Hamburg gibt es ein Punkdorf, das immer noch lebt und nicht ausgestorben ist. Einfach unglaublich!“, kommentiert die Band die Konzertankündigung vergangene Woche.
Denn die Kneipe befindet sich nicht etwa neben den vielen anderen mitten in Ottensen, sondern auf dem Bauwagenplatz an der Gaußstraße, seit 1992 ein antikapitalistisches Kleinod: eine große Wohngemeinschaft mit etwa 40 Nachbarn, die einander unterstützen und eben regelmäßig in ihrer Kneipe treffen.
Kneipe auf dem Gaußplatz – uriger Ort mitten in Ottensen
Unter dem Post von Buddhadatta finden sich erfreute Kommentare von Menschen, die anhand des Videos feststellen, dass sich die Kneipe seit Jahrzehnten nicht verändert hat. Besonders markant ist die Eingangstür, die die Form eines mehrere Meter großen Totenkopfes mit leuchtenden, roten Augen hat. Drinnen sieht es aus wie in einer recht gewöhnlichen, urigen Kneipe: Die Wände sind mit Stickern beklebt, es gibt einen kleinen Tresen und ein paar Tische.
Hier traf die MOPO vor einigen Monaten die langjährigen Bewohner Dirk und Steffi. An einen Bauwagen-Stellplatz kommt man nur über Kontakte, ähnlich verhält es sich mit dem Zugang zu Konzerten.
Bauwagen-Bewohner berichten von Brandanschlägen
Eintritt zu ihrem ungewöhnlichen Zuhause gewähren die Nachbarn nicht leichtfertig, vor allem in den vergangenen Jahren: Im Gespräch mit der MOPO berichteten sie von Brandanschlägen, Leuten, die am Zaun „dumm rumpöbeln“, und Passanten, die die Nachbarn mit etwas alternativerem Aussehen offen auf der Straße anfeinden würden. AfD-Aufkleber, die man noch vor Jahren in Altona nicht für möglich gehalten hätte, seien auch hier mittlerweile angekommen.
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Kein Wunder, dass die Bewohner vom Gaußplatz auch ihr „El Dorado“ schützen wollen: einen der letzten urigen Orte in einem gentrifizierten Altona. (prei)
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