Verrückt: Für mehr Grün und Schatten in der Fußgängerzone werden große Bäume gefällt

Fußgängerzone Harburg: Platanen sollen gefällt werden.
In der Fußgängerzone in Harburg: Diese drei Platanen sollen gefällt werden.

Die Harburger Fußgängerzone soll aufgewertet werden, und das lässt die Stadt sich 6,5 Millionen Euro kosten. Mit vielen Bäumen, Grün-Inseln, Sitzgelegenheiten und einem neuen Pflaster. Was die MOPO jetzt herausfand: Damit es grün wird, werden zunächst einmal drei große Platanen mit üppigem Kronendach mitten in der Lüneburger Straße gefällt. Ist das noch zeitgemäß und wie rechtfertigt die Politik den Plan?

Zusammenfassung:

  • Die Harburger Fußgängerzone wird für 6,5 Millionen Euro aufgewertet.
  • Drei große Platanen in der Lüneburger Straße sollen für die Umgestaltung gefällt werden.
  • Die Politik rechtfertigt die Entscheidung mit dem Gesamtbild des Siegerentwurfs und betont die positiven Aspekte der Neugestaltung.

Riesige Bäume mitten in der Fußgängerzone – das gibt es nur noch in wenigen Hamburger Zentren. In der Harburger Innenstadt sind es noch etwa acht oder neun. Bei den meisten handelt es sich um große alte Platanen, die teils hoch über die mehrstöckigen Gebäude links und rechts der Straße hinausragen. Ihre mächtigen Kronen überspannen den gesamten Straßenraum von Hauswand zu Hauswand.

Lüneburger Straße: Aufwertung für 6,5 Millionen Euro

Doch drei dieser alten, schattenspendenden Bäume werden den nächsten Sommer wohl nicht mehr erleben. Wie die Bezirksverwaltung auf MOPO-Anfrage bestätigt, sollen ausgerechnet die großen Platanen für die Umgestaltung der Lüneburger Straße gefällt werden. Sie befinden sich im mittleren Bereich der Fußgängerzone, dort, wo Bremer Straße und Lüneburger Straße aufeinandertreffen. Auch zwei Säulen-Eichen stehen auf der Fällliste, doch sie sind noch nicht ganz so alt, groß und ortsbildprägend.

Fußgängerzone Harburg: Diese Platane mit großer Krone wird gefällt.
Fußgängerzone Harburg: Diese Platane mit großer Krone wird für die Neugestaltung der Lüneburger Straße gefällt.

Das Preisgericht aus Experten und Politikern hatte die Qual der Wahl unter neun Wettbewerbsbeiträgen zur Umgestaltung der Fußgängerzone und entschied sich am Ende in einer Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit einstimmig für den Entwurf der Landschaftsarchitekten Bruun und Möllers mit BRP. Darunter auch je ein Vertreter von SPD, Grünen und CDU. Die MOPO hakte bei der Politik nach und stellte dabei fest, dass das Verschwinden der Bäume bei der Entscheidung offenbar kein großes Thema war.

Harburger Politiker einstimmig für die Umgestaltung

So zeigte sich im Telefonat mit der Grünen-Abgeordneten Maike Dieckmann, dass ihr gar nicht bewusst war, welche Bäume für den Entwurf gefällt werden müssen. Sie habe gedacht, nur in der Bremer Straße müssten Bäume verschwinden. „Ich habe für den Entwurf gestimmt, weil er ein für uns positives Verhältnis von Versiegelung und Grünflächen vorweist“, sagt sie.

SPD-Chef Frank Richter konnte sich an die Diskussion um eine dieser großen Platanen erinnern – die vor dem Laden „Blume 2000“ steht, an der Einmündung zur Bremer Straße. Der Zweck: mehr Raum zu schaffen und die Rettungsgassen zu optimieren. Warum auch die anderen beiden gefällt werden, das konnte er nicht sagen.

Siegerentwurf Lüneburger Straße
So sieht die Visualisierung des Siegerentwurfs aus. Darin werben die Architekten ausgerechnet mit großen Bäumen.

Richter betont, dass es ihm bei der Entscheidung um das Gesamtbild des Siegerentwurfs gegangen sei, nicht um einzelne Bäume. Die neuen Aufenthaltsbereiche, das Wasserspiel und viel neues Grün, das sei eine Bereicherung. Richter: „Die Bilanz ist ja sehr positiv.“

Am Ende bleiben tatsächlich im ganzen Gebiet in der Fußgängerzone und den angrenzenden Straßen 21 der bisherigen 26 Bäume erhalten. Darunter auch die großen Eichen und Platanen am Südeingang zum Gloria-Tunnel. Weitere 30 Bäume sollen neu gepflanzt werden. Nur trifft es ausgerechnet drei sehr große alte Bäume, die aus der Fußgängerzone verschwinden. Und ob in einer so stark versiegelten Straße junge Bäume überhaupt eine Chance haben, einmal groß zu werden?

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„Natürlich wäre es sinnvoll, möglichst große Bäume zu pflanzen, die schon frühzeitig für Schatten sorgen“, so Richter. Man werde auch darauf achten, dass die jungen Bäume eine möglichst optimale Bewässerung erhalten. Aber man sei ja noch in der Konkretisierungsphase und das sei alles noch nicht entschieden.

Entschieden ist aber, dass drei große schattenspendende Platanen, die dort seit Jahrzehnten stehen, gefällt werden. Um das zu vermeiden, hätten die Bäume wohl schon in der Wettbewerbsausschreibung als geschützt definiert werden müssen. Das war aber offenbar nicht gewollt.

Die Harburger Fußgängerzone soll aufgewertet werden, und das lässt die Stadt sich 6,5 Millionen Euro kosten. Mit vielen Bäumen, Grün-Inseln, Sitzgelegenheiten und einem neuen Pflaster. Was die MOPO jetzt herausfand: Damit es grün wird, werden zunächst einmal drei große Platanen mit üppigem Kronendach mitten in der Lüneburger Straße gefällt. Ist das noch zeitgemäß und wie rechtfertigt die Politik den Plan?