Eugen Block mit seiner Tochter Christina.

Eugen Block mit seiner Tochter Christina (Archivbild). Foto: imago/Stephan Wallocha

„Verlogen“: Jetzt mischt sich Eugen Block erneut in den Prozess ein

Sein Auftritt wurde mit Spannung erwartet: David Barkay (68), Ex-Mossad-Agent und mutmaßlich Chef des Entführungs-Rollkommandos, das die Block-Kinder in der Silvesternacht 2023/2024 von Dänemark nach Deutschland brachte. An drei Tagen sagte er als Kronzeuge vor dem Hamburger Landgericht aus und belastete unter anderem auch Eugen Block schwer, den er meistens nur „den Patriarchen“ nannte. Das lässt Block nicht auf sich sitzen und holt jetzt zum Gegenschlag aus.

An jedem Prozesstag wurde David Barkay, graues Haar und im Anzug, vom Sicherheitspersonal bis zur Saaltür des Landgerichts begleitet. Immer mit dabei: seine zwei Anwälte, ein deutscher und ein israelischer. Barkay sprach auf Englisch, seine Aussagen wurden von einer Dolmetscherin dann auf Deutsch übersetzt. Von den Sorgen der Familie Block will er von einem in Frankfurt ansässigen israelischen Geschäftsmann erfahren haben, der ihn Anfang des Jahres 2023 kontaktierte.

Chef-Entführer Barkay belastete Eugen Block im Prozess

Barkay hat laut eigener Aussage eine lange Karriere im israelischen Geheimdienst hinter sich. In seinem Notizbuch findet sich immer wieder das Wort „Kämpfer“. „In der israelischen Weise unterteilen wir die Leute immer in Büro und Feld. Und die Leute im Feld nennen wir Kämpfer. Selbst wenn sie nur in einem Auto sitzen“, sagte er. Seine Aussagen sind daher auch mit etwas Vorsicht zu bewerten, immerhin ist er als Ex-Agent in der Manipulation gut geschult.

„Der Grund, warum mich der Familienanwalt dem Patriarchen vorgestellt hat, das war ein kurzes Meeting“, erzählte Barkay in seiner Befragung durch die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt. „Ich wurde als Bibelmann beschrieben und derjenige, der die Kinder zurückbringen würde. So wie ich es verstanden habe, war Eugen Block die ganze Zeit involviert.“



Der holt jetzt über seinen Anwalt Gerhard Strate zum Gegenschlag aus. „Was bei der Befragung durch die Vorsitzende der Strafkammer in den letzten drei Verhandlungstagen und in der Berichterstattung durch die Medien völlig ausgeblendet wird, ist der Umstand, dass Barkay in der Anhörung durch die Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei Anfang November in einem entscheidenden Punkt seiner Darstellung ein enormes Ausmaß an Verlogenheit offenbarte“, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung.

Denn Barkay wurde vor seinem Auftritt vor dem Gericht bereits Anfang November befragt, nachdem die Staatsanwaltschaft freies Geleit für ihn von Israel nach Hamburg ausgehandelt hatte. Zuvor wurde er mit internationalem Haftbefehl gesucht. Die Inhalte dieser Befragung sind in einem über 300seitigen Protokoll niedergeschrieben. Dieses Dokument wurde in den Prozesstagen mehrfach zitiert.

Eugen Blocks Anwalt: Barkay als Zeuge „völlig ungeeignetes Beweismittel“

Eugen Block und sein Anwalt beziehen sich dabei auf Barkays Aussagen rund um die gefälschten Dokumente über angeblich pädophile Neigungen des Kindsvaters Stephan Hensel und dessen Anwalt Gerd Uecker. Im Sommer 2023 habe Barkay ihr diese Beweise präsentiert, hatte Christina Block ausgesagt. Sie war damit daraufhin zur Polizei gegangen, die das Verfahren jedoch schnell einstellte.

David Barkay (68) soll der Chef des Entführer-Kommandos in der Silvesternacht sein. Screenshot Instagram
David Barkay
David Barkay (68) soll der Chef des Entführer-Kommandos in der Silvesternacht gewesen sein.

„Er, Barkay, habe einem Russen, der sich im Darknet auskennt, dessen Namen Barkay aber nicht offenbaren wollte, damit beauftragt, nur nach den Stichwörtern ,Anwalt‘ und ,Deutschland‘ zu suchen“, heißt es in der Mitteilung von Eugen Blocks Anwalt. „Woraufhin durch den Russen zwei Anwälte, einer davon der Anwalt von Hensel, zutage gefördert seien. Wie neben dessen Anwalt auch noch Stephan Hensel ins Spiel kam, vermochte Barkay bei seiner Befragung nicht zu beantworten.“ Auch den Zufall, warum mit diesen allgemeinen Begriffen die Namen von Hensel und seinem Anwalt ans Licht kamen, habe Barkay nicht erklären können.

„Was bei der Befragung Anfang November deutlich wurde: Die Fälschung dieser Dokumente (…) war mit hoher Warscheinlichkeit Barkays Werk“, zu diesem Schluss kommen Eugen Block und sein Anwalt Strate. „Sollte, wofür alles spricht, die Fälschung der angeblich aus dem Darknet stammenden Dokumente tatsächlich Herrn Barkay zum Urheber haben, ist dieser Zeuge als professioneller Fälscher generell ein völlig ungeeignetes Beweismittel. Auf seine Aussage kann nichts gestützt werden, selbst wenn einzelne Teile seiner Aussage als schlüssig erscheinen mögen“, betonte Anwalt Strate.

Zuvor hatte Eugen Block mithilfe seines Anwalts schon mehrfach versucht, eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt einzubringen, die er in dem Prozess als befangen ansieht. Das Landgericht hatte die Beschwerde bislang zurückgewiesen.

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