Verkehrswende: Darum wird dieses Hamburger Prestigeprojekt verschoben
Der im Jahr 2023 präsentierte Siegerentwurf war gigantisch: Auf der Veddel will die Hochbahn ein riesiges, zweiteiliges Gebäude bauen, in dem mehr als 100 Busse gestapelt werden können. Aber das ist nicht alles: Der „Zusammenhub“ soll gleichzeitig zu einem Quartierstreff werden, der den bislang deutlich vernachlässigten Stadtteil aufwerten soll. In diesem Jahr sollten eigentlich die Bagger anrollen – doch daraus wird erst einmal nichts.
„Die Anwohner brauchen dringend eine bessere Nahversorgung“, sagte der Bezirkschef von Hamburg-Mitte, Ralf Neubauer (SPD) bei der Vorstellung der Pläne im August 2023. Bis es so weit ist, könnte es allerdings noch dauern: Den Baustart peilte die Hochbahn ursprünglich für 2025 an, doch das verzögert sich laut Sprecher Christoph Kreienbaum. „Grund sind unvorhersehbare Planungen im öffentlichen Straßenraum, die das Bebauungsplanverfahren und somit auch das Baugenehmigungsverfahren beeinflussen“, erklärt er umständlich.
Bauarbeiten für „Zusammenhub“ auf der Veddel verzögern sich
Mit diesen „unvorhersehbaren Planungen“ sind Vorhaben des Landesbetriebs Straßen Brücken und Gewässer (LSBG) gemeint, der dort perspektivisch den Straßenraum umgestalten will. Da wolle man natürlich zusammenarbeiten, betont Kreienbaum. Einen neuen Zeitplan gibt es bislang noch nicht, wahrscheinlich wird aufgrund der Verzögerung aber auch die ursprünglich angekündigte Eröffnung im Jahr 2029 nicht zu halten sein.
Allem voran ist der von der Hochbahn so getaufte „Zusammenhub“ ein Busbetriebshof. Auf den vier Stockwerken des größeren Gebäudeteils werden um die 160 E-Busse gestapelt, die über eine Rampe hinauffahren können. Entstehen soll das 20.000 Quadratmeter große Prestigeprojekt direkt am S-Bahnhof Veddel, an dem die Linien S3 und S5 halten. Auf dem Vorplatz fahren heute bereits einige Buslinien, ansonsten gibt es dort bislang Parkplätze und ein Park + Ride.
Was wird es im „Zusammenhub“ auf der Veddel geben?
Das Park + Ride wird ebenfalls durch einen Neubau mit 300 Stellplätzen ersetzt, dazu kommen Abstellplätze für 600 Fahrräder, Car-Sharing und Moia-Sammeltaxis. Die VW-Tochter ist seit Anfang 2023 auch in Wilhelmsburg und auf der Veddel unterwegs. Fahrgäste bestellen ein Moia zu ihrem Zielort und teilen sich das Fahrzeug mit anderen, die den gleichen Weg haben.
Laut Hochbahn-Technikvorstand Jens-Günter Lang soll der „Zusammenhub“ aber nicht nur ein schnöder Bus-Stapelplatz werden: Im zweiten Teil des Gebäudes werden ein Supermarkt, eine Drogerie, ein Ärztehaus, ein Hostel, ein Fitnessstudio und voraussichtlich eine Apotheke unterkommen. Zwischen den Gebäuden haben die Architekten eine Piazza mit Café geplant.
Ursprünglich sollte auf dem Platz neben der S-Bahn der „Elbdome“ gebaut werden, ein großes Sportstadion für Basketball. Am Ende erhielt allerdings doch die Hochbahn den Zuschlag. Der „Elbdome“ wird in Rothenburgsort gebaut, etwa 500 Meter von den Elbbrücken entfernt.