Verkehrschaos am Westfield-Center: HafenCity-Anwohner gehen auf die Barrikaden

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Am vergangenen Samstag: Verkehrschaos rund um die HafenCity. Die Straßen waren den Verkehrsmassen nicht gewachsen. Das Parkhaus war voll, in den Straßen standen die Autos dicht an dicht.

Davor, dass die neue Mega-Mall auch mega viel Verkehr zur Folge haben würde, hatten Kritiker frühzeitig gewarnt. Nun aber werden selbst die schlimmsten Befürchtungen noch übertroffen. Der Andrang auf das Westfield-Überseequartier ist so groß, dass der Verkehr in und um die HafenCity am Wochenende erneut total zusammenbrach. Jetzt wird Kritik laut – in Richtung Politik und Verwaltung. War es ein Fehler, eine Mega-Mall von solchen Dimensionen an dieser Stelle zu genehmigen? Welche Maßnahmen ergreifen Polizei und Center-Management, um ein erneutes Verkehrschaos zu verhindern?

MOPO-Leser Robert Fels berichtet, was er am vergangenen Freitag als Kunde im Westfield-Center erlebte: Als er am Abend mit seiner Frau das Einkaufszentrum verlassen wollte, war das Parkhaus total verstopft. „Andere Kunden erzählten uns, dass sie bereits seit mehr als zwei Stunden im Parkhaus feststeckten. Meine Frau setzte sich ins Auto und reihte sich in die wartenden Fahrzeuge ein, die weiterhin keinerlei Fortschritt machten. Aufgrund der beunruhigenden Luftqualität entschied ich mich, die Polizei zu verständigen. Neben dem Verkehrschaos machte mir insbesondere die potenzielle CO₂-Belastung große Sorgen, insbesondere für die anwesenden Familien und Kleinkinder.“

Westfield: Verkehr im Parkhaus brach zusammen

Daraufhin habe die Polizei zwei Mannschaftswagen geschickt. „Ich schlug vor, die Feuerwehr zu alarmieren, um Messungen der Luftqualität vorzunehmen. Dies erfolgte allerdings nicht, obwohl auch die Einsatzkräfte die schlechte Luftqualität bestätigten. Laut Aussagen der Westfield-Mitarbeiter funktionierte die Lüftungsanlage einwandfrei.“ Robert Fels weiter: „Der Einsatzleiter der Polizei veranlasste daraufhin, die Ampelanlage außerhalb des Westfield Centers abzuschalten, um den Verkehrsfluss aus dem Parkhaus zu verbessern. Mitarbeiter des Westfield Centers unterstützten zudem Fahrzeugführer dabei, ihre Autos über eine Rampe aus dem Parkhaus zu bringen. Einige Fahrzeuge mussten dabei sogar angeschoben werden, da die Rampe offenbar zu steil für einen reibungslosen Verkehrsfluss ist. Erst nach etwa 40 Minuten konnte meine Frau mithilfe der Polizei das Parkhaus verlassen.“

Zu einem noch größeren Verkehrschaos kam es dann am Samstag. Der 55-jährige Architekt Ralf Moser, der im Viertel wohnt und arbeitet, erzählt: „Das war eine absolute Katastrophe.“ Er habe mit den Kindern seine 90-jährige Mutter am Stadtrand besuchen wollen, „aber ich habe dann eine Dreiviertelstunde gebraucht, nur, um mit dem Wagen aus der HafenCity rauszukommen – so verstopft waren die Straßen.“

Westfield-Chaos: Straßen gesperrt, Parkhaus dicht

Vielen seiner Nachbarn erging es ähnlich. Am Samstagnachmittag kam kaum einer rein, kaum einer raus, denn der Andrang auf das Westfield-Überseequartier war so gigantisch, dass selbst die 2500 Parkplätze im Center-Parkhaus nicht ausreichten. Die Polizei sperrte Straßen, machte dann auch die Zufahrt zum Westfield-Parkhaus dicht. Überall in den Straßen standen die Autos. Für die 800 Meter von der Elbphilharmonie bis zum Westfield-Center brauchten Autofahrer 45 Minuten.

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Anwohner Ralf Moser, ein 55-jähriger Architekt, ist stinksauer: „Schon vor Westfield war die Verkehrssituation in der HafenCity schlimm. Jetzt kommt die Mega-Mall noch on top“, sagt er. Dabei sei die HafenCity als verkehrsarmes Vorzeigeprojekt gedacht gewesen. „Deshalb bin ich hier hergezogen.“

„Da ging überhaupt nichts mehr“, sagt Anwohner Moser. „Autofahrer sind sogar in der falschen Richtung durch die Einbahnstraße Am Lohsepark gefahren, in der Hoffnung, so aus dem Stau herauszukommen.“ Moser schüttelt besorgt den Kopf. „Vielleicht wird nicht jedes Wochenende so schlimm wie dieses. Aber wir Anwohner befürchten, dass wir jetzt in etwa eine Ahnung davon bekommen haben, was auf uns in nächster Zeit an zusätzlichem Verkehr zukommt.“

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Nicht Westfield, nicht der Betreiber der neuen Mega-Mall, sei verantwortlich. „Die können dafür gar nichts“, sagt der Architekt, der im Netzwerk HafenCity aktiv ist, einer Interessengemeinschaft von Anwohnern und Gewerbetreibenden. „Das Westfield-Quartier setzt vermutlich nur die Vorgaben der Politik um.“ Es sind die Entscheidungsträger im Rathaus, in der Bezirksversammlung und in der Umweltbehörde, die Moser in die Verantwortung nimmt.

Droht am Osterwochenende wieder Chaos?

Viele Bewohner der HafenCity seien tief enttäuscht. „Wir sind hierhergezogen, weil immer wieder davon die Rede war, es entstehe ein Vorzeigeprojekt, das Modell einer autoarmen, lebenswerten, nachhaltigen, gesunden Stadt“, so Moser. Umgesetzt worden sei davon aber bislang wenig. „Stattdessen braust über die Versmannstraße und die Shanghaiallee tagtäglich der Durchgangsverkehr.“ Schon vor Westfield sei die Verkehrssituation schlimm gewesen. „Jetzt kommt die Mega-Mall noch on top.“

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Erneutes Verkehrschaos am Westfield Center am Samstag: Die Polizei sperrte umliegende Anfahrtsstraßen mit Streifenwagen ab.

Wie geht es weiter? Ist Ostersamstag wieder mit langen Staus rund um das Westfield-Center zu rechnen? Die Polizei versichert, sie werde ihr Bestes tun, um das zu verhindern. Künftig seien mehr Beamte vor Ort. Das zuständige Polizeikommissariat 14 sei mit dem Bezirksamt und dem Center im Gespräch, aber auch mit dem HVV, um eine höhere Taktung von Bussen und Bahnen zu erreichen. „Darüber hinaus arbeiten wir an einer Lösung für die Schaltung der Ampel, die Ein- und Ausfahrt des Center-Parkhauses regelt, um hohe Verkehrsspitzenbelastungen besser abfedern zu können.“ Die Ampelschaltung sei nämlich mit ein Grund gewesen, weshalb der Verkehr stockte.

Westfield und HafenCity wiegeln ab: „Sondereffekt“

Das Westfield-Überseequartier selbst spielt die Verkehrsproblematik auf Anfrage der MOPO herunter: Dass in der ersten Phase nach der Eröffnung das Interesse groß sein würde, sei zu erwarten gewesen, so Kim Laureen Tresp, die Sprecherin des Centers. „Wir gehen davon aus, dass sich der Andrang und die damit verbundene Verkehrssituation im weiteren Verlauf wieder beruhigen wird.“ Weiter sagt sie: „Das Westfield Überseequartier ist seit Jahren im konstruktiven Austausch mit allen relevanten Behörden und Einrichtungen zur Entwicklung und Umsetzung sinnvoller Lösungen – auch jetzt in den letzten Tagen.“

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Der Verkehr staute sich auf sämtlichen Anfahrtswegen so stark, dass sich die Polizei entschloss, die Zufahrtsstraßen zum Westfield-Center zu sperren. Da auch die Tiefgarage des Centers bereits voll belegt war, kam es zum Verkehrskollaps in der HafenCity.

Fast identisch die Stellungnahme der HafenCity GmbH: Auch sie erklärt das Verkehrschaos mit dem großen Interesse der Bevölkerung und dem guten Wetter. Dies sei ein „Sondereffekt“, der nicht anhalten werde. Die Entwicklung werde aber intensiv beobachtet, „um dann objektiv die dauerhaften Auswirkungen des Betriebs des Westfield Hamburg-Überseequartiers auf die verkehrliche Lage der HafenCity beurteilen zu können“, so Sprecherin Henrike Thomsen.

Westfield-Verkehrschaos: Wie geht es jetzt weiter?

Beobachten und irgendwann vielleicht mal reagieren – das ist dem Netzwerk HafenCity nicht genug. Die Interessengemeinschaft erhebt weitreichende Forderungen und will, dass sie so schnell wie möglich umgesetzt werden. So verlangt das Netzwerk beispielsweise die Einrichtung von Luftmessstationen, um die Schadstoffbelastung im Viertel zu ermitteln. Außerdem soll umgehend „ein behördenübergreifender Prozess mit wirksamer Bürgerbeteiligung gestartet“ werden – mit dem Ziel, „die Verkehrssituation in der HafenCity nachhaltig zu verbessern, die Belastungen für die Anwohner dauerhaft zu reduzieren und die Straßenräume für Anwohner und für Gäste des Stadtteils lebenswert und sicher zu gestalten.“

Das Netzwerk tritt unter anderem dafür ein, dass in der gesamten HafenCity Tempo 30 eingeführt wird, dass weitere Radwege gebaut werden. Außerdem soll aus den Wohnquartieren der Durchgangsverkehr verbannt werden. Im Hinblick auf das Westfield-Quartier wird ein ganz neues Verkehrskonzept gefordert: Für denkbar hält das Netzwerk den Bau eines Park&Ride-Parkhauses außerhalb der HafenCity: Die Kunden würden dann mit öffentlichem Personennahverkehr zum Einkaufszentrum gebracht werden.

Architekt Ralf Moser sagt: „Die Stadt muss sich entscheiden. Will sie aus der HafenCity, wie versprochen, einen Vorzeigestadtteil machen – oder will sie hier die autogerechte Stadt‘ der Vergangenheit bauen.“