Verkehr in Hamburg: So viel schlimmer war es früher wirklich

Am 1. Februar 1981 stießen im Elbtunnel ein Renault R4 Kombi und ein VW Golf 1 zusammen.
Am 1. Februar 1981 stießen im Elbtunnel ein Renault R4 Kombi und ein VW Golf 1 zusammen.

Auf die Frage, was mich in den Jahrzehnten als MOPO-Polizeireporter am meisten belastet hat, antworte ich regelmäßig: Schwere Verkehrsunfälle mit eingeklemmten Menschen. Das Thema Verkehrssicherheit war vor 40 bis 50 Jahren gerade erst im Kommen, und bei einem Crash war die Überlebenschance der Fahrzeuginsassen oft gering. Die Feuerwehr brauchte in Extremfällen Stunden, ehe sie Eingeklemmte aus den völlig deformierten Autowracks befreit hatte.

Der Renault R4 Kombi war an der Fahrerseite vollkommen deformiert, vermutlich war der Fahrer mit hohem Tempo auf einen vor ihm fahrenden VW Golf 1 aufgefahren. Der Unfall geschah am 1. Februar 1981 im Elbtunnel. Doch mehr kann ich zu dem Bild nicht sagen, ich habe es in meinem Archiv entdeckt und erinnere mich nicht an den Unfall. Kein Wunder: An einem durchschnittlichen Wochenende fotografierte ich oft ein halbes Dutzend schwerer Verkehrsunfälle. Und Tote gab es dabei regelmäßig.

1970 gab es so viele Verkehrstote wie nie zuvor

Genau 11.674 Menschen starben 1981 auf Deutschlands Straßen. 1970 hatte es mit sogar 19.193 Verkehrstoten ein schlimmes Allzeithoch gegeben. Zum Vergleich: 2024 gab es in Deutschland 2780 Verkehrstote.

Aber zurück zu meinem Bild aus dem Elbtunnel: Bei dem Crash blieb mir nur noch, die beiden Autowracks zu fotografieren. Tote oder Verletzte waren längst abtransportiert worden. Doch das war nicht die Regel. Zu oft musste ich damals die oft schwierige und langwierige Rettung eingeklemmter Fahrzeuginsassen fotografieren. Gurtpflicht gab es 1981 erst seit wenigen Jahren, und viele Autofahrer schnallten sich nicht an. Und Airbags waren damals noch lange kein Standard. 1981 wurde die heute selbstverständliche Sicherheitsausrüstung erstmals für die teure S-Klasse von Daimler Benz angeboten.

Mann in grüner Jacke
Als Polizeireporter war MOPO-Urgestein Thomas Hirschbiegel (65) ein harter Hund. Doch manchmal wurde es persönlich. Diese Einsätze gingen ihm nah.

Außerdem waren die in den 1980er Jahren produzierten VW Golf I, Renault R4, Opel Kadett oder Ford Fiesta rollende Blechkisten mit Motor. Schon Unfälle bei geringem Tempo führten zu erheblichen Deformierungen.

Frontalzusammenstöße endeten besonders schlimm

Und bei Frontalzusammenstößen sah es für die Insassen schlimm aus. Ich erinnere mich an einzelne Unfälle, bei denen die damals unzureichend ausgerüstete Feuerwehr stundenlang versuchte, Schwerverletzte aus Wracks zu retten. Die Menschen schrien vor Schmerzen, und irgendwann verstummten die Schreie. Im besten Fall, weil es dem Notarzt gelungen war, dem Eingeklemmten eine Betäubungsspritze zu setzen. Doch oft verstummten die Schreie, weil die Unfallopfer starben.

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Ich war also nicht selten Zeuge qualvoller Tode. Was hat das mit mir gemacht? Damals: Gar nichts. Es war mein Alltag als Polizeireporter der MOPO, Woche für Woche. Viel Zeit zum Nachdenken hatte ich früher nicht. Heute ist mir klar, dass ich sehr viel verdrängt und vergessen habe – wie etwa den Unfall auf dieser Seite.

Auf die Frage, was mich in den Jahrzehnten als MOPO-Polizeireporter am meisten belastet hat, antworte ich regelmäßig: Schwere Verkehrsunfälle mit eingeklemmten Menschen. Das Thema Verkehrssicherheit war vor 40 bis 50 Jahren gerade erst im Kommen, und bei einem Crash war die Überlebenschance der Fahrzeuginsassen oft gering. Die Feuerwehr brauchte in Extremfällen Stunden, ehe sie Eingeklemmte aus den völlig deformierten Autowracks befreit hatte.