Urlaub in Krisenzeiten: Der große Run auf die Campingplätze im Norden
Urlaub auf dem Campingplatz – was noch vor ein paar Jahren als spießig galt, ist inzwischen ein Riesen-Trend. Immer mehr Menschen verbringen die Ferien im Wohnmobil oder Zelt an der Ostsee. Das hat auch mit der weltpolitischen Situation zu tun. Ein Campingplatz-Betreiber berichtet, wie sich die Kultur zwischen den Stoffplanen und Caravans verändert hat – und warum man sich mit dem Buchen beeilen sollte.
Zusammenfassung:
- Camping an deutschen Küsten ist beliebter denn je.
- 3,5 Millionen Übernachtungen auf Campingplätzen gab es 2025 in Schleswig-Holstein.
- 44,7 Millionen Übernachtungen wurden deutschlandweit auf Campingplätzen gezählt.
Es muss ja nicht immer Italien sein: Wellenrauschen, Puderzuckersandstrand und Blick aufs Meer gibt es auch in Norddeutschland. Seit Corona zieht es immer mehr Menschen im Sommer an die deutschen Küstenregionen. Besonders Schleswig-Holstein erlebt dabei einen Boom: Dort gab es im vergangenen Jahr auf den Campingplätzen insgesamt 3,5 Millionen Übernachtungen!
Von wegen spießig! Camping liegt im Trend – und hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert
Auch im Rest der Republik stehen die Camper immer dichter: Das Statistische Bundesamt registrierte 2025 fast 44,7 Millionen Übernachtungen auf Campingplätzen – knapp ein Viertel mehr als vor der Pandemie. Damit fand jede elfte Gästeübernachtung deutschlandweit auf einem Zeltplatz statt.
Einer, der diese Entwicklung genau beobachtet und erlebt, ist Markus Wolff. Der frühere Chefredakteur der GEO-Magazine und Mitgründer des Outdoor-Magazins „Walden“ hat sich sein Hobby zum Beruf gemacht und führt inzwischen zusammen mit zwei Partnern das Unternehmen „Ahoi Bullis & Camps“.
Das Trio vermietet Wohnwagen und betreibt drei Campingplätze – auf Fehmarn, in den Dünen auf dem Darß sowie in Canow an der mecklenburgischen Seenplatte. Dort sind die Folgen der instabilen Weltlage mit den Kriegen im Iran und in der Ukraine, steigenden Spritpreisen und der Inflation schon deutlich zu spüren. „Die Leute machen lieber Urlaub in Deutschland, weil es planbarer und sicherer ist“, sagt Wolff.
Run auf die Campingplätze: Anbieter locken mit Schnäppchen-Angeboten wie Gratis-Tankfüllungen
Schon jetzt gebe es für den Sommer viele Buchungen. Die besten Plätze mit Seeblick oder Hanglage werden schon knapp. Wer noch eine gute Lage für sein Zelt oder Wohnmobil sucht, sollte sich beeilen, rät Wolff. Für diejenigen, die wegen der hohen Spritpreise noch zögern, haben Markus Wolff und seine Kollegen ein Angebot auf den Weg gebracht: Wer einen Bulli für zehn Tage mietet, bekommt eine Tankfüllung umsonst sowie die Chance auf eine Gratis-Übernachtung in Canow. Außerdem gibt es einen Rabatt von zehn Prozent für einen Stellplatz auf einem der drei Campingplätze. Bei 20 Tagen Buchung steigt der Rabatt auf 20 Prozent.
„Wir spüren, dass die Menschen gerade jetzt eine Auszeit brauchen, sich aber durch die hohen Kraftstoffpreise verunsichert fühlen“, meint Markus Wolff. Als Deutschlands wohl einzige Camper-Vermietung mit eigenen Campingplätzen hätte „Ahoi“ die Möglichkeit, hier gegenzusteuern. „So bleibt das Budget planbar und der Kopf frei für das Wesentliche – das Durchatmen in der Natur.“
Generationswechsel bei Campern: Das Publikum wird jünger – und aufgeschlossener
Für Wolff findet in der Camping-Welt gerade ein enormer Wandel statt. „Früher war die Zielgruppe eher fortgeschrittenen Alters“, sagt er. Es waren Dauercamper, die sich gerne hinter Windschutzplanen verschanzten. Zu essen gabs Grillwurst und Bier. „Heute ist das Publikum total durchmischt. Das Spektrum reicht von Abiturienten bis zu Rentnern, von Handwerkern bis zu Rechtsanwältinnen“, so Wolff.
Durch die Durchmischung herrsche auf den Zeltplätzen eine größere Offenheit und Aufgeschlossenheit als früher. „Wir sind alle umgängliche und kommunikative Menschen“, sagt Wolff, der selbst als Kind und Jugendlicher bei den Pfadfindern aktiv war, später im Dachzelt unter afrikanischem Sternenhimmel campierte und noch später zusammen mit seiner Familie im Wohnwagen von Vancouver die amerikanische Westküste hinabfuhr.
Die Internationalität, die er dabei erlebte, ist auf den rund 3000 deutschen Campingplätzen allerdings nicht zu finden: Etwa 90 Prozent der Gäste kommen aus dem Inland, schätzt Wolff. Die restlichen zehn Prozent seien Skandinavier auf der Durchreise nach Südeuropa oder Schweizer auf dem Weg nach Skandinavien.
Ästhetisch schön muss es sein: Ansprüche an sanitäre Anlagen und Gastronomie steigen
Zwar beobachtet der „Ahoi“-Co-Geschäftsführer, dass die Ansprüche der Gäste insgesamt im Vergleich zu früher gestiegen sind – vor allem an die sanitären Anlagen, bei denen eine schlichte Funktionalität nicht mehr genügt, und an die Gastronomie, bei der Nachhaltigkeit vorausgesetzt wird. „Wir versuchen, einen modernen Ansatz zu finden, und die Räumlichkeiten ästhetisch schön zu gestalten.“
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Doch den Reiz des Campens sieht Wolff dennoch vor allem in der Reduktion. „Campen heißt Komfortverzicht“, sagt Wolff. Gerade für verwöhnte Großstädter könne es lehrreich sein, sich beim Packen auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das Abenteuer liege in der Nähe zur Natur und dem, was Woff „charmantes Nomadentum“ nennt: die Orte, die – je nach Reisetempo – wechseln. Die Begegnungen mit Menschen, die man unterwegs kennenlernt. Wolff: „Man braucht nicht viel, um glücklich zu sein.“