Ungewöhnlicher Schritt: Hamburger sucht Arbeit – mit XXL-Plakat!
Zehn Jahre lang schien Arbeitslosigkeit ein Problem von gestern. Fachkräftemangel war das Thema. Doch die jahrelange Wirtschaftskrise bricht sich Bahn, und das besonders in Hamburg: Im Bundesvergleich ist die Arbeitslosenquote hier in den vergangenen drei Jahren am zweitstärksten gestiegen, liegt jetzt bei 8,2 Prozent. Wie schwer die Suche nach Arbeit ist, zeigt das Beispiel von Benedikt Grasmann. Der Marketing-Profi startete nach etlichen Absagen eine Plakatkampagne für sich selbst – und nimmt dafür richtig Geld in die Hand.
Viele Pendler in Hamburg dürften ihn diese Woche schon gesehen haben: Von neun Plakatwänden in ganz Hamburg lächelt Benedikt Grasmann die Passanten an. Er prangt auf markanten schwarzen Werbeplakaten mit der Aufschrift „Hire Bene“ (dt. „Stellt Bene ein“) an Straßenecken, Supermarktparkplätzen und in den U-Bahn-Stationen Berliner Tor und Jungfernstieg. Unschwer zu erkennen: Er befindet sich auf Jobsuche.
Rasante Branchenentwicklung bedeutete Job-Aus
Der 46-jährige Wedeler ist seit Frühling 2024 arbeitslos und nutzt seine langjährige Erfahrung in der Marketingbranche nun für die eigene Sache. Durch die ungewöhnliche Plakatkampagne hofft er, Arbeitgeber auf sich aufmerksam zu machen und aufzufallen: „Es lohnt sich, weil ich mich natürlich jetzt noch mal ins Gespräch gebracht habe“, sagt er.
Grasmann arbeitet bereits seit 2008 in der Medienbranche. Lange war er im Vertrieb von physischen Medien bei Universal Pictures angestellt. Ein schrumpfender Markt, wie er selbst sagt. Mit der Verlagerung der Unterhaltungsindustrie weg von DVDs und in den Streaming-Bereich wurde Grasmann, wie vielen seiner Kollegen, nach fast zehn Jahren gekündigt.
Kurzfristig kam er bei einer Indie-Produktionsfirma unter, aber entschied er sich nach einigen Monaten, die Firma zu verlassen und sich auf fachspezifische Weiterbildungen zu konzentrieren. Damals schien es das Risiko wert gewesen zu sein. Aber jetzt sagt er über sich selbst, eine Festanstellung zu verlassen, sei „doof“ gewesen: „Hätte ich gewusst, wie schwierig das wird, hätte ich das nicht gemacht“, sagt er. Früher habe er nie Schwierigkeiten gehabt, einen Job zu finden. Jetzt sei das anders.
Mehr als 60 personalisierte Bewerbungen, außerdem Gespräche und Auswahlrunden hat der Marketingprofi schon hinter sich, ohne Erfolg. Ans Aufgeben denkt er nicht. Da es also auf dem herkömmlichen Weg nicht klappt, wird er kreativ. Das Prinzip kommt aus Großbritannien und führte dort schon öfter zu Erfolgen. „Irgendwann vor ein paar Jahren habe ich das mal aufgeschnappt“, sagt Grasmann. „Ich habe aber damals nie geglaubt, dass ich selber mal in diese Situation kommen würde.“
Aktion innerhalb von zwei Nächten geplant
Innerhalb weniger Tage organisierte er einen großen Aufruf per Plakat in der ganzen Stadt. Als Mann vom Fach designte er Motiv und Website selbst, wie um sein Können zu beweisen. Nur das Fotoshooting und das Plakatieren musste er delegieren. Zehn Tage lang – in der Außenwerbung spricht man von „einer Dekade“ – hängen die Plakate nun strategisch über die Stadt verteilt.
Darauf zu sehen ist er selbst, neben dem erwähnten Slogan „Hire Bene“ und einem QR-Code zu seiner Website. Das Plakat wirkt seriös bis kühl, aber durchaus ansprechend: Man sieht einen Profi am Werk. Rund 10.000 Euro hat die Aktion gekostet. Möglich wurde das durch eine hohe Steuerrückzahlung von vor einigen Jahren. „Sonst hätte ich das nämlich auch gar nicht gemacht“, sagt er.
Großer Zuspruch, aber noch keine Jobangebote
Kurz vor dem Start kamen dann doch Zweifel: Wer sein Gesicht so öffentlich mit Arbeitslosigkeit verbindet, macht sich verwundbar. „Ich mache ja auch gleich das Statement: Hallo, ich bin arbeitslos und das auch schon länger. Das ist ja nicht so das Schönste.“ Doch diese Unsicherheit überwindet er schnell: „Das ist eine coole Sache und ich habe dann auch viel Zuspruch bekommen.“
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Konkrete Jobangebote gibt es bisher nicht. Viele Rückmeldungen laufen nach dem Muster: Ich kenne da jemanden, melde dich doch mal. Grasmann bleibt optimistisch. „Das Beste wäre, dass ein neuer Job dadurch rumkommt. Aber selbst wenn nicht, war die Aktion auch schon ein Erfolg.“ Ansonsten spielt er auch mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen. Das Zeug dazu scheint er ja zu haben.