Hamburg

Ungewöhnlicher Protest: Aktivisten zelten am Hauptbahnhof

Drei Aktivisten protestieren mit Plakaten und Rollstühlen gegen Stufen an Bahnhöfen.
Zwischen Gleis 13 und 14 am Hamburger Hauptbahnhof ist der Aufzug sechs Monate lang gesperrt. Aktivist:innen von den Gruppen „Anti-ableistische Aktion Nord“ und Robin Wood demonstrieren für Barrierefreiheit.

Der letzte Zug ist weg und der Aufzug kaputt. Diese Aktivist:innen müssen am Bahnsteig zelten. Was hinter der Aktion steckt und wofür sie sich einsetzen.

Wer in Hamburg auf einen Aufzug angewiesen ist, kann am Hauptbahnhof derzeit ziemlich schnell stranden. Weil der Aufzug an Gleis 13 und 14 für sechs Monate gesperrt ist, haben Aktivist:innen dort in der Nacht auf Mittwoch ihre Zelte aufgeschlagen. Mit der ungewöhnlichen Protestaktion wollen die Gruppen „Anti-ableistische Aktion Nord“ und Robin Wood auf die fehlende Barrierefreiheit aufmerksam machen.

Die Botschaft auf ihren Bannern: „Bahn für alle, die Stufen müssen weg.“ Wer die Treppen nicht nutzen kann, sitzt nach der letzten Zugfahrt praktisch fest. Der Aufzug an den Gleisen ist derzeit für sechs Monate gesperrt.

Fahrgäste warten auf einem U-Bahn-Bahnsteig unter digitalen Anzeigetafeln.
Die Aktivist:innen zelten zwischen den Gleisen. Sie fordern unter anderem, dass Aufzüge an Bahnhöfen zügig repariert werden und Ersatzteile bereit liegen.

Betroffene müssen stattdessen in Hamburg-Harburg umsteigen. Dort ist jedoch kein barrierefreier Umstieg möglich, weil die Rampe zu steil ist. Unterstützung durch das Bahnpersonal muss zudem mindestens einen Tag vorher angemeldet werden. Laut Robin Wood kann sich die Reisezeit etwa von Lüneburg zum Hamburger Hauptbahnhof dadurch verdoppeln.

Die Aktivist:innen fordern von der Deutschen Bahn deshalb barrierefreie Alternativen bei Aufzugsausfällen, schnellere Reparaturen und ausreichende Ersatzteile. Außerdem müsse jederzeit Personal bereitstehen, um Menschen mit Gehhilfen, Kinderwagen oder anderen Einschränkungen spontan zu unterstützen. Für Umwege sollen Fahrgäste angemessen entschädigt werden.

„Inklusion ist kein Kostenfaktor, sondern ein Menschenrecht“

Die Aktivist:innen kritisieren zudem, dass die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland nicht ausreichend umgesetzt werde. Nach dem Behindertengleichstellungsgesetz muss Barrierefreiheit in öffentlichen Bestandsgebäuden erst bis 2045 hergestellt werden. Unter bestimmten Umständen können Barrieren sogar bestehen bleiben.

„Inklusion ist kein Kostenfaktor, sondern ein Menschenrecht!“, sagt Joni von der Anti-ableistischen Aktion. Von barrierefreien Aufzügen und Rampen würden nicht nur Menschen mit Behinderung profitieren, sondern etwa auch Eltern mit Kinderwagen oder Menschen mit Fahrrädern. (pli)

Kommentare öffnen