Unbewohnbares Ekelhaus: Warum passiert hier denn nichts?
Freiliegende Kabel und defekte Gasthermen – der Bezirk Bergedorf erklärte einen Altbau nahe des Bahnhofs vor sieben Jahren für unbewohnbar. Dabei stellte sich heraus, dass in dem Gebäude mehr als 150 Erwachsene und rund 60 Kinder unter äußerst beengten Verhältnissen und zu völlig überhöhten Mieten lebten. Doch der Prozess gegen die Vermieter hat immer noch nicht begonnen.
Von außen sieht der schmucke Altbau am Reetwerder noch immer ganz ordentlich aus, obwohl die Eigentümerin lange insolvent ist und kein Geld hat, um das Gebäude mit seinen neun Wohnungen plus Gewerbe im Erdgeschoss wieder in einen bewohnbaren Zustand zu bringen. Ein Termin zur Zwangsversteigerung hatte vor wenigen Wochen ohne ernstzunehmendes Angebot geendet und muss wiederholt werden. Für die auf knapp sechs Millionen Euro geschätzte Immobilie kam nur ein Angebot in Höhe einer Million.
Bergedorf: Zwangsversteigerung gescheitert
Seit sieben Jahren steht das Gebäude in der Nähe des Bergedorfer Bahnhofs nun schon leer. Eine Razzia der Sozialbehörde hatte im März 2018 desolate Zustände in dem Gebäude offenbart. Die großzügig geschnittenen Wohnungen wurden zimmerweise an etliche Familien vermietet, die dort teils unter äußerst beengten Verhältnissen lebten. Insgesamt wohnten dort rund 150 Erwachsene und 60 Kinder, größtenteils Familien aus Südosteuropa.
Ein junger „Hinz&Kunzt“-Verkäufer berichtete damals, dass er mit seiner Familie in einem Zimmer lebe, sie würden sich Bad und Küche mit anderen teilen. Er drücke monatlich 500 Euro an einen Mittelsmann ab und sei froh, überhaupt eine Bleibe für sich und seine Kinder gefunden zu haben. Zustände, die den Behörden die Ermittlung gegen die Vermieter erschweren.
Überhöhte Mieten sollen vor Ort eingetrieben worden sein
Ein weiteres Problem: Bei der Eigentümerin des Hauses und der Vermieterin der Wohnungen handelt es sich nicht um die gleiche Person. Die Vermieterin ist die ehemalige Schwiegermutter der Eigentümerin.
Beim Zwangsversteigerungststermin für das Haus vor dem Amtsgericht Bergedorf zeigte sich die wenig glaubwürdige Verstrickung: So will die in keiner Weise reuige Vermieterin angeblich für Zahlungen von 90.000 bis 120.000 Euro pro Wohnung mehrere „Mietverträge auf Lebenszeit“ mit der Eigentümerin abgeschlossen haben. Anschließend vermietete sie die Flächen an die Familien weiter.
Es geht um zwei Drittel der Flächen im Gebäude. Sie habe durch die von der Stadt verhängte Unbewohnbarkeit des Hauses nun seit Jahren keine Einnahmen daraus erzielen können. Allerdings konnten dem Gericht weder Originalverträge vorgelegt noch die Zahlung der Summe nachgewiesen werden.
Mietwucher in Bergedorf: Darum kommt das Verfahren nicht voran
Gegen die Frau, die die Räume teuer weitervermietete, und ihren Sohn – dieser soll die Wuchermieten vor Ort eingetrieben haben – wurde mittlerweile Anklage erhoben. Von einer Gerichtssprecherin heißt es gegenüber der MOPO: „Die Staatsanwaltschaft Hamburg wirft zwei Beschuldigten mit ihrer Anklage vor, in fünf Fällen jeweils gemeinschaftlich und gewerbsmäßig handelnd die Zwangslage eines anderen dadurch ausgebeutet zu haben, dass sie sich oder einem Dritten für die Vermietung von Räumen zum Wohnen Vermögensvorteile gewähren ließen, die in einem auffälligen Missverhältnis zu der Leistung stehen.“
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Diese Anklage ist allerdings bereits aus Oktober 2024, seitdem ist es aber zu keinem Prozessbeginn gekommen. Die Sprecherin erklärt die Gründe: „Derzeit dauert das Zwischenverfahren, in dem das Gericht darüber entscheiden muss, ob es das Hauptverfahren eröffnet und die Anklage zur Hauptverhandlung zulässt, noch an. Das Gericht hält zunächst Nachermittlungen für notwendig, um diese Entscheidung treffen zu können und hat die Akte mit einem entsprechenden Auftrag im November 2024 an die Staatsanwaltschaft zurückgesandt.“